Heiß! Jour fixe im Bootshaus

Jour fixe der Tübinger Liste, 19. Juli 2017, 20 – 22:35 h

Heißester Abend des Jahres. Wir erwarteten einen ganz kleinen Kreis zu unserem Jour Fixe im „Captains Zimmer“ im Bootshaus, und dann war ct = 15 Minuten nach Starttermin die Bude voll. „Heute machen wir es kurz, bei dem Wetter“ beschloss anfänglich die Runde angesichts drückender Hitze einhellig.  Aber dann türmten sich die Themen. Live mitten aus dem Geschehen berichteten Claudia Braun, die seit 7 Uhr unterwegs war, über Pflegenotstand, Ute Mihr über Gerechtigkeit in den Kitas, Christian Wittlinger über Hindernisse bei der Stadtbahn-Planung. Vorsitzender Reinhard von Brunn sorgte dafür, dass jeder zu Wort kam. Am Ende sorgte ein Gewitterregen für Abkühlung, drinnen wie draußen.

Wie schön, dass das Interesse an Lokalpolitik so groß ist!

Teilnehmer:

Stadträte:
Claudia Braun, Ernst Gumrich, Ute Mihr, Christian Wittlinger

Ortsbeiräte:
Reinhard von Brunn, Klaus Dieter Hanagarth, Armin Scharf, Inge Schettler, Klaus Schiffler

Interessierte und TL-Mitglieder:
Rose Bienia, Reinhild von Brunn, Gottfried Esslinger, Gottfried Gehr, Carmen Schweikert, Ulf Siebert, Thomas Unger

Themen:

  1. Verkehrsberuhigung Altstadt
  2. Sicherheit für Frauen
  3. Mangel an Pflege-Personal in Tübingen
  4. Gebühren-Neuordnung in Kitas
  5. Flächen-Nutzungsplan Saiben
  6. Feuerwehr-Haus Lustnau
  7. TüBus umsonst
  8. Stadtbahn
  9. Diverse Fragen: Verlängerung Sindelfinger Straße, Eingang Germanenstaffel, Parkhaus Altstadt
  10. Erfreuliche Fortschritte: UNESCO Weltkulturerbe, Aufzug im Museum im Schloss, Sanierung Bohnenberger Sternwarte, Barrierefreie Eingänge in der Neckargasse

1. Verkehrsberuhigung Altstadt
Die Vorlage der Verwaltung war nicht uneingeschränkt brauchbar zur Abstimmung.
Lieferdienste werden selbst Anliefer-Service entwickeln. Sie wollen Kundendaten auf dem letzten Kilometer nicht herausgeben.
Pflegedienste stehen zeitlich stark unter Druck, der sich durch Fußwege durch die Altstadt noch erhöht.
Für Handwerker wurde ein bürokratisches Monstrum vorgelegt, das von Ernst Gumrich vereinfacht und als Anregung eingereicht wurde.

2. Sicherheit für Frauen

Ulf Siebert berichtete von einer Arbeitsgruppe, in der Gastronomen, Verwaltung, Ordnungsamt und den Vereinen TIMA e.V., Tübingen (www.tima-ev.de) und PfunzKerle e.V., Tübingen (www.pfunzkerle.org) zusammen arbeiten, um die Sicherheit für Frauen in Tübingen zu verbessern.

Nachtclubs sind per se ein „Brunft-Platz“, Mädchen provozieren auch gern, sind nicht nur Opfer, morgens zwischen 2 und 3 Uhr wird „angetanzt.“ Wie weit die Berührung geht und geduldet wird, hängt nicht nur vom Individuum ab, sondern auch vom kulturellen Hintergrund. Gastronomen dürfen bei klaren Übergriffen die Angreifer auf den Boden drücken bis die Polizei kommt. Doch das kann sich bis zu einer halben Stunde hinziehen.

Klare Empfehlungen: Aufklärung an Schulen und Flüchtlings-Unterkünften, bessere Beleuchtung in Tunnels und Unterführungen.

3. Mangel an Pflege-Personal in Tübingen

Gottfried Gehr erlebte den Notstand am eigenen Leibe. Als er nach einer schweren Operation nach Hause entlassen wurde, fand er keine Hilfe.

Claudia Braun berichtete: Es fehlen Personal und 22 stationäre Pflegeplätze. Deshalb stehen auch kaum noch Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung, da in der Regel die stationären Pflegeplätze Vorrang haben. Pflegerische Versorgungsmöglichkeiten in den Teilorten werden diskutiert, mit einer zeitnahen Umsetzung ist jedoch nicht zu rechnen.

Im Jahr 2020 rechnet die Verwaltung mit einem Defizit von 49 Plätzen. Dabei sind schon die 60 Dauerpflegeplätze in der projektierten Pflegeeinrichtung der Altenhilfe Tübingen am Hechinger Eck eingerechnet, mit deren Realisierung jedoch frühestens 2021/22 zu rechnen ist. Für 2025 ist mit einem Defizit von 118 Plätzen in der Dauerpflege zu rechnen.

Das Zusammenwirken der Träger ist notwendig, außerdem muss der Pflegeberuf besser bezahlt und attraktiver gemacht werden. Sonst wird dieses Feld von der Politik vernachlässigt, denn Kinder haben einen Rechtsanspruch auf Versorgung, ältere Menschen nicht.

4. Gebühren-Neuordnung in Kitas

Ute Mihr berichtete: In einem Workshop zum Projekt „Angebots- und Gebührenstruktur in den Tübinger Kindertageseinrichtungen“ wird unter Leitung von Holger Chemnitz eine Vorlage erarbeitet, die im Oktober dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt werden kann. Die Gebühren sollen gerechter gestaltet werden. Der Bedarf an Kita-Plätzen steigt unerwartet. Der Trend geht zur 3 -4-Kinder-Familie. Es fehlt an Räumen und Personal. Als Notlösung für den Raummangel bieten sich Waldkindergärten an. Es sollen Erzieher aus anderen Bundesländern abgeworben werden, was allerdings wegen der hohen Mieten in Tübingen schwierig ist.

5. Entwicklung des Saiben

Klaus Schiffler vom Ortsbeirat Derendingen berichtete, dass von den Derendingern das Baugebiet Saiben 1 (Mischgebiet, aber vorwiegend mit Wohnraum bebaut) befürwortet wird. Ein klares NEIN jedoch spricht der interfraktionell besetzte Ortsbeirat aus gegen die Baugebiete Saiben 2, 3 und 4. Er geht davon aus, dass es noch möglich ist, diese letztgenannten Flächen noch aus dem Flächennutzungsplan herauszunehmen.

6. Feuerwehr-Haus Lustnau

Inge Schettler und Rose Bienia berichten vom intransparenten Vorgehen bei der Planung des Feuerwehr-Hauses Lustnau. Die gesamte Lustnauer Feuerwehr wurde in keinster Weise in die Diskussion mit einbezogen, dass das neue Feuerwehrhaus auf 5 Boxen reduziert werden soll und alles andere oben in die frei werdende Reithalle Lustnau ausgelagert werden kann.

Die Freiwillige Feuerwehr lehnt das kleinere Gebäude in der Bebenhäuser Straße ab und würde den Standort Harprechtstrasse mit Erweiterung, oder sogar die Lustnauer Mühle bevorzugen.

Ein Workshop im Herbst soll die Lösung bringen.

7. TüBus umsonst

Carmen Schweikert hält, wie alle Anwesenden auch, den Gratis-Bus für unfinanzierbar, kritisiert jedoch die überzogenen Preise für Schüler.

8. Stadtbahn

Christian Wittlinger berichtet von immer neuen Schwierigkeiten, die den Fortschritt der Innenstadt-Strecke der Stadtbahn behindern: nicht ausreichende Statik von Brücken, Wegfall von Parkplätzen durch Gras-Betten um die Gleise, hohe Stützmauern, elektromagnetische Felder, die Forschungseinrichtungen behindert etc. Ganz abgesehen von der Kostenspirale, die sich immer höher dreht.

9. Diverse Fragen

Verlängerung Sindelfinger Straße: nichts tut sich.

Eingang Germanenstaffel: Fehlanzeige

Ersatzplätze für das zu sanierende Parkhaus Altstadt/Nonnenhaus: in der Stadtverwaltung keine Idee!

Aber die Tübinger Liste wäre ja nicht Tübinger Liste, wenn sie hier nicht weiter bohren würde. Denn dicke Bretter mag sie ganz besonders…

10. Erfreuliche Fortschritte

UNESCO Weltkulturerbe, Aufzug im Museum im Schloss:

Die Tübinger Liste forderte und förderte seit Beginn eine höhere Bekanntheit für das Eiszeit-Erbe im Schloss und plädierte für einen barrierefreien Zugang.

Sanierung Bohnenberger Sternwarte: 

Auch hier werden ständige Mahnungen endlich gekrönt von Erfolg. Nächstes Jahr wird die bahnbrechende württembergischen Landesvermessung vor 200 Jahren, an der Bohnenberger entscheidend mitwirkte, gefeiert.

Barrierefreie Eingänge in der Neckargasse:

Mit großem persönlichem Einsatz hat Ernst Gumrich um die Anarbeitung des Granit-Pflasters in der Neckargasse gekämpft. In den meisten Fällen zeigten Laden-Inhaber, Tiefbauamt und Handwerker guten Willen. Nun haben Rollstuhlfahrer endlich Zugang zu den meisten Geschäften.

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