Alte junge Stadt: Pflegekräfte fehlen auch hier

Auch eine junge Stadt wie Tübingen altert.
Demnächst mit einem gewaltigen Schub.
Da kommt eine richtig große Alters-Kohorte in die Nähe der Pflege. Und wir waren gar nicht gut darauf vorbereitet.

Seit Claudia Braun im Gemeinderat sitzt, weist sie auf den Bedarf hin. Andernfalls stehen bald ältere Menschen und deren Angehörige vor großen Problemen. Endlich konnte sie auch andere Parteien hinter sich bringen. In einem interfraktionellen Antrag, der letzte Woche im Kubis verhandelt wurde, steckten ganz wesentlich ihre Anregungen und Fragen.

Die Verwaltung hat länger gebraucht als anfänglich erhofft. Aber das Ergebnis ist dafür recht gut geworden. Wir haben jetzt genau die Gesamtschau und die sinnvoll gestuften Handlungsoptionen, die wir brauchen, um erkennbare Defizite rechtzeitig abstellen zu können. (http://www.tuebingen.de/gemeinderat/vo0050.php…)

Hier Claudias zusammenfassender Status-Bericht:

Sicherung der Pflege in Tübingen: Das Projekt „Seniorenleben und Pflege“

Am 25.01.18 wurde im KUBIS (Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales) die Konzeption des Projekts „Seniorenleben und Pflege in Tübingen“ vorgestellt. Die Vorlage war die Antwort auf den von der Tübinger Liste mit initiierten interfraktionellen Antrag, in dem wir eine transparente Struktur und Ausdifferenzierung der Handlungsfelder forderten sowie ein Hinterlegen mit einem realistischen Zeithorizont.

Uns schien der Antrag notwendig, da wir eine hohe Dringlichkeit der Maßnahmen sehen:
Der demografische Wandel ist auch in der „jungen“ Stadt Tübingen längst angekommen. In den vergangenen Jahren wurde der Fokus hauptsächlich auf den Ausbau der Kinderbetreuung gesetzt. Doch bereits heute besteht ein Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen und ambulanten Pflegemöglichkeiten. In der Kernstadt sind die Pflegeheime an ihrer Auslastungsgrenze, in den Teilorten fehlen wohnortnahe Pflegeplätze und seniorengerechte Wohnmöglichkeiten fast vollständig.
Höchste Zeit also, sich des Themas anzunehmen – das vorgelegte Konzept
http://www.tuebingen.de/gemeinderat/vo0050.php…
bietet dafür eine gute Grundlage! Vielen Dank an die Verwaltung!

Angehörige sind der Garant für häusliche Pflege – das wünscht sich die Mehrzahl der älteren Menschen und ist zudem kostensparend für die öffentliche Hand und die Pflegekassen.

Doch dafür sind praktische Entlastungen im ambulanten und teilstationären Bereich zentral – hier reicht nicht die gesetzliche Ausweitung der Möglichkeiten mit dem PSG II (Pflegestärkungsgesetz), dies muss auch mit Angeboten gefüllt werden. Auch die psychische Belastung ist groß, hier sollten die Beratungsangebote ausgebaut werden.

Kurzzeitpflege wird benötigt, damit Angehörige, die oft rund um die Uhr einen kranken Menschen betreuen und pflegen, einmal eine kleine Auszeit nehmen können. Aber auch eine Erkrankung der Angehörigen und die oft viel zu frühe Krankenhausentlassung älterer Menschen aufgrund der DRGs (Diagnose bezogene Fallgruppen) erfordert – gerade bei allein Lebenden – eine zeitlich begrenzte Anschlussversorgung im Übergang zur Häuslichkeit.

Ganz aktuell beschäftigt sich damit die AG Ambulante Hilfen und der Projektbeirat. Hier müssen wir uns gemeinsam mit den Anbietern bemühen, Lösungen zu finden. Seit Herbst ist auch das Sozialministerium BW mit dieser Problematik befasst.

Die Entstehung von Pflege-WGs – wie im Konzept vorgesehen – kann und sollte unterstützt werden. Hierzu hat der Kreistag ein Fördermodell beschlossen zur Unterstützung in der Planungsphase (16.000.- pro Projekt), das eine Komplementärfinanzierung der Kommunen von 5000.- pro Projekt voraussetzt. Einen entsprechenden Antrag haben wir in die Haushalts-Verhandlungen eingebracht. Er wurde angenommen.

Ambulante Dienste spielen eine zentrale Rolle – sie haben die Aufgabe, Angehörige bei der häuslichen Pflege zu entlasten, sind aber auch Grundvoraussetzung für das Funktionieren ambulanter Pflege-WGs. Der heute bereits bestehende Fachkräftemangel ist erst der Anfang. Wir begrüßen daher ausdrücklich die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zu diesem Thema. Tübingen muss sich überlegen, mit welchen Rahmenbedingungen dem Fachkräftemangel in der Altenpflege begegnet werden kann.

Das Thema Pflege braucht eine starke Lobby – daher sollten wir auch den politischen Weg einer Resolution des Gemeinderats einschlagen, um etwas zu bewirken.

Wir sind mit dem vorgelegten Konzept der „Sicherung der Pflege in Tübingen“ auf einem guten Weg, gehen müssen wir ihn gemeinsam – in Zusammenarbeit aller Fraktionen (in der Ausschuss-Sitzung war darüber großer Konsens), gemeinsam mit den Trägern und Anbietern von Pflegeleistungen und auf verschiedenen politischen Ebenen.

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