Au-Brunnen: Blick über den Brunnenrand

1. Süßwasser ist Mangelware 

Rund 70 % der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Doch der größte Teil davon ist salzig. Nur gut 2,5 % des gesamten Wasservorrats sind Süßwasser. Ein Großteil hiervon ist entweder in den Eiskappen am Nord- und Südpol gefroren oder als nicht erreichbares Grundwasser gespeichert.

Derzeit leben knapp eine Milliarde Menschen, fast ein Fünftel der Weltbevölkerung, in Ländern, in denen es an Wasser mangelt. Im Jahr 2050 wird nach heutigen Schätzungen mindestens ein Drittel der Weltbevölkerung in Ländern mit chronischem oder immer wiederkehrendem Süßwassermangel leben. Der mittlere Osten, Nordafrika und Lateinamerika sind am stärksten von Wasserknappheit betroffen. Afrika südlich der Sahara wird infolge des Bevölkerungswachstums künftig auch noch stärker zu den Krisenregionen zählen.

suesswasser    wasservork

2. Wasser ist auf der Erde ungleich verteilt

wasservert

3. In 100 Jahren (1905 bis 2005): Weltbevölkerung verdreifacht, Wasserverbrauch verSIEBENfacht!

weltbev

 

4. Wer verbraucht am meisten?

Landwirtschaft: 70%

Industrie: 20%

Haushalte: 10%

wasserverbraucher

Wasser bedeutet auch Nahrung. Fast alle Gesellschaften haben sich in der Nähe größerer Wasserquellen entwickelt. Doch rund 60% des in der Landwirtschaft eingesetzten Wassers gehen durch ineffiziente Bewässerung verloren. Verdunstung und Düngung lassen die Böden versalzen. Jedes Jahr gehen weltweit ca. 1 Million Hektar Agrarland durch Versalzung unwiederbringlich verloren. Hiervon sind am stärksten asiatische und afrikanische Entwicklungsländer betroffen.

Bereits heute sind fast 40% der weltweit produzierten Nahrungsmittel von künstlicher Bewässerung abhängig. Um eine steigende Anzahl an Menschen zu ernähren, müssen immer weitere Anbauflächen erschlossen und bewässert werden.

5. Der Wasser-Fußabdruck

Den größten Wasser-Fußabdruck hinterlässt die Produktion von Automobilen. Aber auch Rindfleisch und Jeans brauchen viel Wasser in der Produktion.

Größter Verbraucher in unseren Haushalten (ca. 120 l/proKopf am Tag) ist die Spülung im WC! Trinkwasser mit hohen Anforderungen wird also in Bereichen eingesetzt, wo diese hohen Anforderungen keineswegs notwendig wären. Eine Regenwasserzisterne sollte deshalb überall zur Auflage gemacht werden.

wasserverb

6. Klimawandel + Bevölkerungswachstum = Kampf ums Wasser

An vielen Stellen dörrt der Planet aus. Am Aral-See (Kasachstan/Usbekistan), dem viertgrößten See der Erde, wurde Wasser zu Staub. In den Sahel-Ländern holen sich die Wanderdünen immer mehr fruchtbares Ackerland und machen Menschen zu Umwelt-Flüchtlingen. In den bolivianischen Hoch-Anden sind viele Gletscher so weit abgeschmolzen, dass sie die Trinkwasser-Reservoirs nicht mehr füllen. Folge: Wassernotsstand in der Großstadt  La Paz.

Die Liste wird bedrohlich länger.

Dies führt Politiker und Konzernlenker zu Schlussfolgerungen wie „die Kriege des 21. Jahrhunderts werden um Wasser geführt“.

„Wasser geht der Menschheit schneller aus als Erdöl“ (Peter Brabeck, Ex-Chef von Nestlé)

Oder: „Wasser ist Leben. Kein Wasser bedeutet Tod.“

au-brgewerbeFoto: Schwäbisches Tagblatt, 04.05.2016: Der Au-Brunnen liegt mitten in der mit Bäumen bestandenen rechteckigen Fläche zwischen B27-Zubringer und Bahn.

7. Die weite Welt und der Au-Brunnen

Wir sind in Deutschland und in Tübingen in eine Wasser-Überfluss-Gesellschaft hineingeboren. Wasser erscheint uns in Mittel-Europa unermesslich, unerschöpflich, selbstverständlich und jederzeit verfügbar. Noch.

Ich habe in meinen 35 Berufsjahren in der Entwicklungszusammenarbeit unzählige Situationen und Beispiele erlebt, wie sauberes Wasser über Leben und Tod entscheidet. Jeder Tropfen Süßwasser ist kostbar, überall auf der Erde. Auch in Tübingen.

Wir sollten für dieses Geschenk der Natur dankbar sein und es gut behütet an künftige Generationen weitergeben. Deshalb setze ich mich für den uneingeschränkten Erhalt des Au-Brunnens ein.

Reinhard von Brunn

Tübingen 29. April 2017

 

Andere Artikel, die Sie interessieren könnten

2 Kommentare

  1. Ulrich Hasche
    8. Mai 2017 zu 13:23 Antworten

    Ich finde die Iniative sehr gut.
    Mir fehlt aber eine Karte von Tübingen, wo der Au Brunnen eingezeichnet ist.

  2. Dietmar Herrmann
    18. Juli 2017 zu 17:15 Antworten

    Sauberes Wasser, saubere Luft und gesunde Böden sind die wichtigsten Bodenschätze
    weltweit, in Deutschland und natürlich auch in unserer Stadt. Und wie gehen wir damit
    um? Mit dem Grundwasser im Aubrunnen? Mit der Frischluftschneise der Sarchhalde,
    Teil des einstmals von unseren Dichtern so genannten Elysiums? Mit unseren Feldern,
    die eins ans andere grenzen, und wo kaum mehr meterbreite Feldflurstreifen
    für Insekten und Vögel zu finden sind, die noch die damals „echten Grünen“
    in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts vehement forderten. Ganz langsam
    wird es Zeit zum Nachdenken! Oder sind uns Heutigen die nachfolgenden Generationen
    völlig schnuppe?

    Dietmar Herrmann

Hinterlasse ein Kommentar