Hagelloch: Gleich mehrere Sechser im Beutel

In Hagelloch herrscht keine Not, auch wenn’s  keine Bank mehr gibt.

Nach langem Kampf haben die Hagellocher einen Geldautomaten bekommen, wo die Kunden von Volksbank und Kreissparkasse gebührenfrei abheben können. Kontoauszüge gibt es allerdings nur in der Stadt. Aber Ortsvorsteher Martin Lack hat auch ohne Auszugsdrucker einen sonnigen Überblick über sein Budget.

Ein gemütlicher Ortskern in Sicht

Da ist zum Beispiel die erfreuliche Förder-Summe zur Umgestaltung des Zentrums zwischen Oberer Gasse und dem Alten Schulhaus, die nur darauf wartet ausgegeben zu werden. Barrierefrei soll der ganze Raum und vor allem die Bushaltestelle werden. Die Vorarbeit ist schon geleistet, aber dann muss es flott gehen: Innerhalb von sechs Monaten muss die Umsetzung des Projekts erfolgen. Hagelloch wurde vor mehreren Jahren in das Förderprogramm des Landes „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR)“ aufgenommen. Denn für die Lebensqualität vor Ort sind lebendige und attraktive Ortskerne von zentraler Bedeutung. Unten ein Entwurf von 2016.

Am Erdenbrunnen alt werden – wer wollte das nicht!

Noch höher ist die Summe, die von großzügigen Spendern für ein betreutes Senioren-Wohnheim zur Verfügung steht. Wer will denn schon aus Hagelloch wegziehen, wenn er älter wird? Und da lockt seit fünf Jahren schon ein schönes Grundstück am Erdenbrunnen mit unverbaubarer Süd-Aussicht. Es ist bereits als bebaubar im Flächennutzungsplan eingetragen und eignet sich hervorragend für ein Haus, in dem im 400qm großen Erdgeschoss eine Pflege-Einheit und in den Obergeschossen zwölf betreute Wohnungen eingerichtet werden könnten. Könnten? Ja, wo hakt es denn? Am Bebauungsplan. Und noch eins: Die Hagellocher Bürger müssen zu diesem Projekt am 9. Juli gewissenhaft befragt werden. Sie wollen das Haus genossenschaftlich betreiben und sind dafür schon mit dem erfahrenen Vorstand der n.e.s.tbau AG, Gunnar Laufer-Stark im Gespräch.

Neubauten lassen noch auf sich warten

Den alternativen Standort für das Seniorenhaus, die Schaibles Halde, nahmen wir in Augenschein. Allein der Zugang taugt mit seinen rund 10% Steigung nicht für Rollatoren, geschweige denn für Rollstühle. (Ernst Gumrich hat es nachgemessen! Siehe Foto unten)

So wird dieses Baugebiet, die einzige Reserve, die Hagelloch zu bieten hat, für Familien vorgehalten. Die Unterschriften für den Verkauf der Grundstücke an die Stadt Tübingen liegen schon alle vor. Erschlossen erhalten die Käufer ihre Grundstücke zu einem noch erschwinglichen Preis, während der Quadratmeter auf dem freien Markt mittlerweile bei 800 Euro liegt. Doch bis die Genehmigungen für die 50 Bauplätze am Horizont auftauchen, wird noch viel Wasser den Neckar runter fließen. Dennoch haben sich die Ortschaftsräte Gedanken gemacht, wie sie zu der Auflage stehen, Photovoltaik auf die Dächer zu setzen. Grundsätzlich gern, doch nur, wenn die Stadt mit einem unabhängigen Gutachten nachweist, dass die Installation sich rechnet. „Wir Bürger sollen immer mehr staatliche Aufgaben übernehmen!“ kritisiert Ortschaftsrat Helmut Denneler.

„Uns geht’s schon ganz schön gut“

Das geben die Hagellocher durchaus zu, wenn sie auch der Überzeugung sind, dass sie das Meiste aus eigener Kraft geschafft haben. Ihre Vereine, ihr Jugendtreff im Alten Schulhaus, der sogar von Jugendlichen aus WHO und der Weststadt frequentiert wird, ihr Geburtenhaus, das jährlich hundert neue Babys begrüßt. Sie freuen sich über ihr Kinderhaus, das demnächst einen Anbau bekommt, den selbst gebauten Spielplatz, die Zimmerei, den Bäcker Schneck, und die blühenden Wiesen mit Salbei, Margueriten und Glockenblumen. „Das ist halt Hagelloch“, sagt Norbert Fritz stolz, der wie weitere fünf Ortschaftsräte dem Unabhängigen Wählerverein Hagelloch angehört. Bundesparteien sind nicht vertreten, alle anderen Räte sind Mitglieder der „Hagellocher Liste.“

Wir bedanken uns für die erfreulichen Gespräche und werden versuchen, die Hagellocher nach Kräften zu unterstützen. So sie es denn brauchen…

Reinhard von Brunn, Ernst Gumrich, Klaus Dieter Hanagarth, Gebhart Höritzer und Christian Wittlinger

 

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