Nach Bedarf: wo Licht ist, ist auch Schatten?

Licht nach Bedarf. Tolle Sache?
Bitte keinen Kopfsprung in vielleicht flaches Wasser!

Ja, eine tolle Sache könnte es sein. Spart immens Energie, wenn die Straßenbeleuchtung nur nach Bedarf aufleuchtet.
Aber wie steht es mit der Sicherheit und dem Sicherheitsgefühl der Bürger*innen? Was ist mit den Kosten, und der langfristigen Haltbarkeit und Funktionalität. Für uns ist wichtig, dass diese Faktoren nicht auf dem Altar der Ökologie geopfert werden.

Genau das ist uns einmal bei den automatischen Parkhäusern passiert, als wir unerprobte Technologie kauften und seither diesen Schnellschuss schon viele Jahre teuer bezahlen.

Nur die Idee war damals bestechend, das Ergebnis wurde fürchterlich. Und jetzt müssen sie abgerissen werden.

Bisher wussten wir über „Licht nach Bedarf“ nur, was Boris Palmer im Herbst 2017 darüber per Video vorgestellt hatte.
https://www.facebook.com/ob.boris.palmer/videos/vb.100000886242540/1707422099297315/?type=2&video_source=user_video_tab.

Das Video an einer Autobahngaststätte bei Bern war und ist für uns kein ausreichender Beleg, dass diese -zugegeben spannende – Innovation auch die richtige Lösung für einen flächendeckenden Einsatz in unseren Straßen ist. Wir reden da immerhin über € 5,3 – 6,1 Mio. Investitionskosten für einen flächendeckenden Einsatz. Jetzt soll es unter Umständen ganz schnell gehen (siehe http://www.tuebingen.de/gemeinderat/vo0050.php…).

Die Bewegungsmelder im Lessingweg funktionieren noch nicht so richtig

Zunächst war zwar vorgesehen, diese Technologie an zwei oder drei unterschiedlichen Lokalitäten in Tübingen zu testen. Das finden wir den richtigen Weg. Da lernt man ggf. auch über Probleme, an die niemand bisher im Detail gedacht hat (Wettereinflüsse, reine Anliegerstraßen, mit vielen Kurven vielleicht, sich bewegende Bäume, Tiere). Hat man als Passant das Gefühl, in eine dunkle Gasse einzubiegen, in ein unübersehbares Loch? Viele Fragen wurden gestern dazu gestellt. Manche beruhigende und überzeugende Antworten kamen auch. Aber der erste Versuch im Lessingweg zeigt bereits, dass an vieles gedacht werden muss und erst die praktische Erfahrung zeigt, dass dort noch nicht alles mit den Bewegungsmeldern richtig gut funktioniert. Der Teufel steckt im Detail.

Trotzdem wagen? Nur wegen der Fördergelder?

Dann stand da aber in der zitierten Verwaltungsausschuss-Vorlage fast beiläufig: Wir haben übrigens einen Förderantrag für einen flächendeckenden Einsatz von „Licht nach Bedarf“ gestellt. Wenn wir da eine Zusage (über 80% der Investitionskosten) bekommen, dann wollen wir (und dann müssen wir auch unter der Förderzusage) das sofort einführen.

Auf unsere Nachfrage hörten wir: „Ja, dann haben wir nicht die Zeit, erst die Ergebnisse aus den Testlokalitäten abzuwarten.“ Dann wird das gleich flächendeckend eingeführt. Der Verwaltungsausschuss war davon etwas überrumpelt als Boris Palmer unmissverständlich klar stellte: „Wenn Sie mich heute nicht durch einen Antrag und die Mehrheit für solch einen Antrag auffordern, den Förderantrag zurückzuziehen oder nicht zu stellen, dann wird das im Falle der Förderzusage auch sofort flächendeckend in Tübingen eingeführt.

Schon wieder so ein Reifen, durch den die Zirkustiere des Gemeinderats springen sollen, weil dahinter ein prall gefüllter Teller mit verlockender „Staatsknete“ wartet. Die große Radbrücke beim Wildermuth-Gymnasium war letzten Sommer der Reifen, durch den fast alle ohne Bedenken dann sprangen, obwohl wenig oder nichts über das Projekt und seine objektiven Bedarf bekannt war.

Wie wichtig ist die Sicherheit???

Wenn dem Oberbürgermeister das Sicherheitsgefühl in der Stadt wirklich wichtig ist, müssen wir -Fördergelder hin oder her- uns die Zeit nehmen, dieses innovative Konzept an möglichst drei Stellen gut auszutesten. Bewährt es sich, sind wir im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten sehr dafür, diesen Weg begeistert mitzugehen. Im Augenblick erinnert das aber an den Kopfsprung in ein Wasser, dessen Tiefe niemand kennt. Das kann halsbrecherisch werden.

 

Ernst Gumrich

Tübingen, 14. Mai 2018

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