Waldhäuser Ost: Endlich tut sich was!

Der Charme der 1970er passt nicht mehr: weg vom Satelliten-Dorf hin zur sozialen Stadt

Es ist nicht so, dass die Bewohner sich im Stadtteil Waldhäuser Ost (WHO) nicht wohlfühlten. Viele schätzen das viele Grün in und um die Siedlung, die Infrastruktur ist nicht schlecht, und die Busverbindungen runter in die Stadt sind hervorragend. Aber der Stadtteil ist etwas in die Jahre gekommen, Altersstruktur und Zusammensetzung der Bevölkerung haben sich geändert, und manches – wie etwa den überbreiten, trennenden Berliner Ring – sieht man heute einfach anders als vor 40 oder 50 Jahren.

Der Gemeinderat hat nun beschlossen, einen Antrag für die Aufnahme von WHO in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ zu stellen, über das umfangreiche Fördermittel zur Verbesserung der städtebaulichen und sozialen Situation in WHO erlangt werden können. Grundlage für den Antrag ist ein sog. Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, das unter Beteiligung der Öffentlichkeit bis Herbst nächsten Jahres erarbeitet werden soll. Die Stadtverwaltung Tübingen hat mit dem Gemeinderat ein Planungsgebiet Waldhäuser Ost mit 87 Hektar beschlossen. Dazu gehören nicht der Sand und Waldhausen, dafür als ausgelagertes Gebiet die Tropenklinik.

An der Auftaktveranstaltung am 5. Dezember nahmen 250 Bürgerinnen und Bürger teil. Lösungen für den Problembereich Einkaufszentrum lassen sich aber nur bei Mitwirkung aller beteiligten Eigentümer finden.

Hier Auszüge aus dem Bericht im Schwäbischen Tagblatt vom 7.12.2017:

„Auf WHO wohnen 6000 Menschen – davon 2000 im Studierendendorf – in 3000 Haushalten. …40% der Bewohner haben Migrationshintergund…
Fahrradständer werden vermisst und der Zustand der Wege zwischen den Wohnblöcken wurde beklagt. Diese seien nicht mehr behindertengerecht. Anderen fehlten die Spielplätze, die es mal gegeben habe. Liegt es daran, dass so wenige Kinder zu sehen sind, oder leben weniger Familien auf WHO als früher, oder ist es Folge der Ganztagsschule? …. Martin Schall, Leiter der Geschwister-Scholl-Schule, forderte klare Markierungen für Busse. Wenn nach Schulschluss mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler auf einmal zur Haltestelle stürmen, sei das oft gefährlich.“

Bemängelt wurde einiges:

„…Die Fernwärmeleitungen seien schlecht isoliert und man spare so immerhin das Schneeschippen im Winter… Oder dass einige Aufzüge nur auf Halbetagen halten, was nicht behindertengerecht ist. Oder dass der Internetzugang schwach sei. Es bildeten sich aber auch erste Schwerpunkte heraus. So sprachen fast alle Gruppen die Verkehrssicherheit beim Queren des Berliner Rings an. Eine Großbaustelle ist das Einkaufszentrum. Hier wünschten sich viele mehr unterschiedliche Geschäfte. Das hakt aber vor allem an den Eigentümerverhältnissen, wie Anne Kreim, Vorsitzende des Stadtteiltreffs Waldhäuser Ost Tübingen, erklärte. Spielplätze und Grünflächen in der Mitte für Kinder waren ebenso ein Thema wie Wohnen für Ältere. Viele würden große Wohnungen frei machen, wenn sie im Quartier bleiben könnten.“

Daten und Zeitplan
Der Dienstagabend war der Auftakt zur Bürgerbeteiligung. Weitere Formen sollen bis Februar 2018 sein: Befragungen, eine Jugendaktion mit Handys und Gespräche mit Schlüsselpersonen. Im März 2018 sollen erste Zwischenergebnisse vorgestellt werden, für Mai ist ein weiterer Infoabend terminiert. Im Juli 2018 sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Im Oktober könnte dann ein Antrag für das Programm Soziale Stadt gestellt werden. Im Frühjahr 2019 könnte das Regierungspräsidium den Antrag bewilligen. Dann soll die Umsetzung beginnen.“

 

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