Ein Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt am 29. September

von Ulrich Seibold

Viel zu wichtig

Uschi Hahn kommentierte, wie der Unterjesinger Ortsvorstehers Michael Rak für den Tunnelbau warb.

Hallo Frau Hahn, legen Sie doch bitte den Tunnelblick ab: Von 89798 Tübingern haben nur 22154 Boris Palmer gewählt, im Jahre 2006 waren es sogar nur 14597. Trotzdem regiert er allein über alle. Richtig wäre also im TAGBLATT, allen Tübingern mitzuteilen, in der Bürgerbefragung lehnen nur 98 von 2555 Unterjesingern einen Tunnel im Süden ab – siehe www.tunnelbauverein-unterjesingen.de . Bitte keine Unruhe mit falschen Folgerungen, das Thema ist für die Gesundheit und Sicherheit der Unterjesinger viel zu wichtig.(…)

Ulrich Seibold, Unterjesingen

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Und hier der Artikel vom 23. September 2015, auf den sich der Kommentar bezieht:

“ÜBRIGENS

Laues Windchen für den Tunnel

Unterjesingens Ortsvorsteher Michael Rak lässt keine Gelegenheit aus, für sein Lieblingsprojekt zu trommeln: die Tunnelumfahrung für Unterjesingen, die den Ort vom Durchgangsverkehr auf der B28 befreien soll. Am Montagabend wollte der Ministerialbeamte mit CDU-Parteibuch auch den Ammerbucher Gemeinderat für die laufende Petition seines Tunnelbauvereins einspannen.

Die hat das Ziel, die Ortsumfahrung im neuen Bundesverkehrswegelan im vordersten Bereich zu platzieren. Man müsse “Druck auf den Verkehrsminister in Berlin und den Bundestag machen”, sonst sei die “letzte Chance für die nächsten 15 Jahre vertan”, so Rak. Bürgermeisterin Christel Halm, auch sie Mitglied der CDU, signalisierte Rückenwind: “Für uns ist das keine Frage. Ammerbuch unterstützt das”, sagte Halm. Schließlich stünden auch die Ammerbucher auf dem Weg von und nach Tübingen im Unterjesinger Stau. “Steter Tropfen höhlt den Stein”, so die Bürgermeisterin zu der Online-Petition, die seit 15. August läuft, bis gestern Abend allerdings nur 99 Unterstützer fand.

Zuvor hatte Rak wortreich das in seinen Augen einzig geeignete Projekt zur Rettung der Unterjesinger beworben. Der Tunnel, der im Süden des Ortes durchs Ammertal führen soll, sei technisch machbar, ökologisch vertretbar und für 70 Millionen Euro zu haben. Ein paar Dinge hat Rak dabei allerdings nicht erwähnt. So sprachen sich bei einer Umfrage nur 453 von 1533 erwachsenen Unterjesingern für die Umfahrung aus. Oder das mit den Kosten. Selbst für 80 Millionen Euro sei das ökologisch fragwürdige Projekt wohl nicht zu stemmen, befand Baden-Württembergs Grüner Verkehrsminister Winfried Hermann, der den Unterjesinger Tunnel auch nur auf Anforderung seines Berliner CDU-Kollegen zur Prüfung für den Bundesverkehrswegeplan nachgemeldet hatte.

Bedenken hatte auch die GAL im Gemeinderat. “Neue Straßen führen zu noch mehr Verkehr”, sagte Niklas Becker und verwies auf die Pläne für die neue B28-Trasse im Neckartal und die Regio-Stadtbahn, mit der die Ammertalbahn im Viertelstundentakt fahren soll. Beides könnte den Unterjesingern Entlastung bringen, koste aber auch viel Geld. Geld das, wie Andreas Steinacker ergänzte, ebenfalls vom Bund kommen soll.

Ähnlich sah das die Mehrheit im Ammerbucher Rat, die für den Antrag ihres jungen GAL-Kollegen stimmte. Demnach unterstützt die Gemeinde Ammerbuch ein ganzes Bündel an Aktivitäten zur Minderung der Verkehrsbelastung in Unterjesingen. Neben der Förderung alternativer Verkehrsmittel wie Rad, ÖPNV und Fahrgemeinschaften werden auch die Abschaltung der Pförtnerampel und eine Erhöhung des Tempolimits erwähnt. Ja, auch der Bau einer Ortsumfahrung wird unterstützt, “sofern diese ausreichend leistungsfähig, sowie finanziell und ökologisch vertretbar ist”.

Eher eine laues Windchen also, das Michael Rak aus Ammerbuch als Unterstützung für den Tunnel mit nach Unterjesingen nahm. Uschi Hahn”

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