Reinhold Rieger und seine Nachbarn vom Österberg wehren sich gegen die Pläne des SWR und der Stadtverwaltung. Sie kritisieren und stellen Fragen:

  • Wodurch ergibt sich das öffentliche Interesse an einer Bebauungsplanänderung?
  • Vorzugsbehandlung des SWR seitens der Stadt
  •  Verkehrsbelastung deutlich erhöht – 300 Personen sollen 30 Autos zur Spitzenstunde gleichgesetzt werden
  • Begrenzung der Bebauung auf dem Gebiet angepasste Hausformen und Typen
  • Warum findet kein öffentlicher Architektenwettbewerb statt? (handverlesen)
  • Alle umweltbezogenen und themenbezogenen Schwerpunkte des derzeitigen Bebauungsplans werden über den Haufen geworfen
  • Rutschanfälligkeit des Hangs, Gefährdung durch Rissbildung => Knollenmergel
  • Gebäudehöhe übersteigt Nachbarbebauung, daher werden diese aus dem Bebauungsplan ausgespart
  • Bereits jetzt stehen mögliche Investoren bereit und bieten sich gegenseitig hoch => die Planung liegt vermutlich bereits fertig in der Schublade
  • Verfahren zum Bau des SWR Gebäudes und des „Neuen Quartiers“ wurden getrennt => SWR kann sich aus der Affäre zurückziehen
  • Verdacht im zweiten, investorengetriebenen Bauabschnitt wird die Personenzahl nachträglich angehoben

Ein  partizipatives umsichtiges Vorgehen wie im Französischen Viertel oder in der Alten Weberei “…wäre auch bei der Planung für das SWR-Areal wünschenswert und dringend nötig gewesen. Beim Informationsabend am 8. Oktober war aber leider zu hören, dass die Tübinger Stadtverwaltung bereit ist, die Maximalforderungen des SWR zu erfüllen. Diese sehen vor, dass der bestehende Bebauungsplan aufgehoben und durch einen neuen ersetzt wird, der dann das gesamte SWR-Areal, einschließlich Wald- und Wiesenfläche, als Bauland ausweist.

Allgemein bekannt ist, dass der SWR einen schönen, architektonisch ansprechenden, optimal in die Geländeformation eingebetteten, halbrunden Sendesaal mit einem möglicherweise denkmalwürdigen Treppenhaus besitzt, der nun abgerissen werden soll, da er einer gewinnbringenden intensiven Bebauung im Wege stehen würde.

Es ist unbestritten, dass in Tübingen, obwohl an vielen Stellen, wie z. B. am ehemaligen Güterbahnhof, massiv gebaut wird, noch weiterer Wohnraum erforderlich sein wird. Aber zu einer Stadt, in der man gerne lebt und sich wohl fühlen soll, gehört auch eine lebendige und vielfältige Kulturszene, für die die städtische Verwaltung genauso die Verantwortung trägt wie für ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum.

Wären da nicht die Kirchen, die Universität, das Land Baden-Württemberg, die Vereine und viele private Einrichtungen, die ihre Räume für Aufführungen und Probenarbeit zur Verfügung stellen würden, wäre es schlecht um die Kultur in Tübingen bestellt.

Angestoßen durch eine „Städtebauliche Entwicklungsperspektive für das SWR Areal“, die die Fachabteilung Stadtplanung vorgelegt hatte, muss nun der Stadtrat entscheiden: Entweder massive Verdichtung, von der nur der SWR, die Bauträger und einige zahlungskräftige Käufer profitieren würden – die Nachteile müssten die Bewohner des Österbergs tragen – oder eine Lösung die allen Bürgern zu Gute käme.

In den 1950er Jahren haben die Verantwortlichen des SWR bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für ihr Studio sehr genau hingeschaut und haben in dieser malerischen Schlucht am Nordwestlichen Österberg den optimalen Platz gefunden.

Durch seine zentrumsnahe Halbhöhenlage in bewaldeter Nordwest-Ausrichtung und absolut lärmgeschützt, wäre das Areal mit seiner Bebauung bestens geeignet für eine „Tübinger Waldbühne“ und mehr:

• LTT ,Zimmertheater und Lindenhoftheater bekämen einen optimalen festen Spielort für das jährlich sattfindende Sommertheater und müssten nicht immer wieder aufs Neue nach Verlegenheitsspielorten in der Stadt suchen! ( Österbergturm, Burse ,Panzerhalle, Platanenallee und Zirkuszelt)

• das halbrunde Studio wäre vielleicht schon ohne großen Umbau ein akustisch guter Kammermusiksaal mit ca. 150-250 Sitzplätzen.

(Zum Abschluss der „Jazz und Klassik Tage“ musste das Tübinger „Ensemble Transcendent“ im akustisch sehr unbefriedigenden Pfleghofsaal musizieren)

• westlich vom Studio gibt es einen befestigten und sehr ruhigen Platz für klassische Open Air-Konzerte

• Möglichkeiten für Vorleseabende (Gutenachtgeschichten)

• Im Südflügel mietbare Räume für freischaffende Künstler (Ersatz für das ehemalige „Kunstamt“)

• Proberäume für Chöre und Orchester.”

 

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