Amazon: Roter Teppich für eine Heuschrecke

7. November 2019
Amazon in Tübingen? Gespräche mit Kreis- und Gemeinderäten in Tübingen lassen mich aufhorchen. Es gebe keinen Grund, Amazon die Ansiedlung zu verweigern. Mit der Begründung: Der Amazon-Handelsriese unterhalte in der Stadt keinen Laden, der zu den inhabergeführten Geschäften eine Konkurrenz darstelle. Wie blauäugig sind unsere Räte in Stadt und Kreis? Wöchentlich werden hunderte Pakete von Amazon, Zalando & Co in Tübingen und Umgebung ausgeliefert. Zu 95 Prozent gefüllt mit Waren für den täglichen Bedarf.
Jede Investition in Projekte wie in das KI-Forschungszentrum auf der Oberen Viehweide investiert Amazon nur, wenn Zuschüsse durch die Stadt, das Land und durch den Staat gewährte werden, zum Beispiel verbilligte Grundstückspreise, staatliche Zuschüsse zum Bau des Forschungszentrums aus Steuermitteln. Das natürlich vertraglich in Aussicht gestellt wird.

Das Ziel von Amazon ist: Höher, schneller, weiter = immer mehr Umsatz muss jährlich generiert werden. Umsatzsteigerung um jeden Preis zum Nachteil der ortsgebundenen Ladengeschäfte.
Amazon, die weltweit und global agierende Welt-Handelsfirma, ist eine ,Heuschrecke‘. Die im Ausland firmieren, in Deutschland Geschäfte machen und hier kaum Steuern zahlen. Sie zahlen häufig prekäre Löhne, Gewerkschaften werden sowieso abgelehnt. Man könnte die Liste beliebig fortführen. Unter diesen Umständen wird voraussichtlich vom Tübinger Gemeinderatsausschuss am 7. November für Amazon der Rote Teppich ausgerollt.

VON KURT GOTTLOB MUNZ, TÜBINGEN

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