Unsere Trinkwasser-Versorgung verträgt kein Rest-Risiko!

Ernst Gumrich, Vorsitzender der Tübinger Liste, nimmt klar Stellung gegen die Umwidmung des Trinkwasser-Schutzgebietes Au-Brunnen. Heute, 8.November 2017, im Schwäbischen Tagblatt.

“5000 zufällig ausgewählte Einwohner werden aktuell zum Au-Brunnen befragt.

Wir bitten Sie, Variante 2 zu wählen: Den eigenen Trinkwasserbrunnen gibt eine Stadt nicht auf. Seit Menschengedenken gilt: Ohne Wasser kein Leben. Dies bedeutet nicht, dass jeder Brunnen geschützt sein muss. Aber die Trinkwasserversorgung insgesamt muss absolut sicher sein. Absolut heißt nicht 99 Prozent, sondern 100 Prozent. Wäre dies in Tübingen ohne Au-Brunnen als geschütztem Reservebrunnen der Fall? Die Tübinger Liste meint: Nein.

Wenn wir auf die Bodenseewasserversorgung zu allen Zeiten vertrauen könnten, dann bräuchten wir den Au-Brunnen vielleicht wirklich nicht. Darauf können wir uns aber nicht verlassen. Das Risiko von Terroranschlägen ist offenkundig. Wer behauptet, auch ohne den Au-Brunnen sei ein längerfristiger Ausfall der Bodenseewasserversorgung aus anderen Quellen zu kompensieren, betrachtet nur den Status quo. Da kann man sich nicht sicher sein. Der langfristige Klimawandel führt weltweit zu einer weit größeren Inanspruchnahme der Ressource Wasser.

Wir sollten ein weiteres Risiko in den Blick nehmen: Europa hat eine lange friedliche Entwicklung hinter sich. Seit der Zeitenwende 1989/90 ist unsere Welt aber nicht, wie erhofft, sicherer geworden. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr: Umwälzungen, Krisen und Kriege im Nahen und Mittleren Osten, in Nordkorea, in Afrika und seit 2014 selbst in der nahen Ukraine. Und immer Bilder von Menschen, die für Wasser und Nahrung anstehen. Wir wollen kein Unsicherheitsgefühl erzeugen. Wir wollen aber, dass sich Tübingen gegen Risiken schützt. Das tun wir privat mit Versicherungen, selbst wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit gering, der mögliche Schaden aber enorm hoch ist. Und die Versicherungsprämie ist hier für Tübingen sehr niedrig: Das Gewerbegebiet lässt sich an anderer Stelle schaffen.

Bei der jüngsten Katastrophenschutz-Übung gehörte Trinkwasser-Knappheit zum Szenario. Wir treffen auch stets Vorkehrungen gegen Hochwasser, die nur alle 100 Jahre vorkommen. Und wie nachhaltig denken wir jetzt bei dem seit 1905 geschützten Au-Brunnen? Ein beschwichtigendes Gutachten der Stadt blickt viel zu kurz: Nur bis 2035! Die meisten heute hier geborenen Kinder werden über 2107 hinaus leben. Unsere Trinkwasserversorgung verträgt kein Rest-Risiko! Künftige Generationen werden Ihnen für den Erhalt des Au-Brunnens dankbar sein.”

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