22. Oktober 2018

Sind Bäder nur Luxus? 445 Ertrunkene in acht Monaten 2018

Ein Hallenbad kostet so viel wie ein Technisches Rathaus, erfreut aber viel mehr und viel direkter Tübinger BürgerInnen und deren Kinder. Und hält die Schwimmer fit. In einer Woche schließt das Freibad endgültig. Das ist für Vereins- und Leistungssportler kein Witz. Denn die vorübergehende Schließung des Hallenbads Nord hat den Tübinger Schwimmverein eiskalt erwischt und gefährdet eine ganze Saison. Das Hallenbad Nord in Tübingen kann seinen Betrieb voraussichtlich gegen Ende des Jahres wieder aufnehmen – vorausgesetzt die jetzt nötigen Instandsetzungsarbeiten der tragenden Teile der Deckenkonstruktion verlaufen optimal.

Die Tübinger Wasser-Landschaft ist dermaßen auf Kante genäht, dass Senioren und selbst die Schulen schon jetzt viel zu kurz kommen. Der Bedarf für ein neues Hallenbad ist im boomenden Tübingen wenig umstritten. Wer noch nicht überzeugt ist, sollte einfach mal früh um sechs Uhr aufstehen und schauen, was im blauen Becken los ist.

Viel Verständnisvolles wurde im Gemeinderat schon geredet, wirklich passiert ist nichts. Der nostalgische Bau des Uhlandbades taugt nicht mehr zum Sportbad, ja nicht einmal für ganz normale Badegäste, die sich im Winter mal gelenkschonend bewegen wollen. Zwei Warmbade-Tage mit schweißtreibenden Temperaturen sind nicht jeder-Manns Sache, und den Damen gehören einige Donnerstagsstunden exklusiv. Schwimmfreudige müssen sich in Randzeiten drängen lassen, weil Gymnastik, Schulunterricht und Physiotherapie die besten Stunden belegen.

Drei Hallenbäder zu unterhalten übersteigt Tübingens finanzielle Möglichkeiten, doch kaum einer traut sich, das laut zu sagen und eine Entscheidung zu treffen. Und so steht uns jetzt im Herbst nur eins zur Verfügung: das Uhlandbad. Das ist FAST NICHTS.

Der Tübinger Schwimmverein hat damit ein akutes Problem: Seine mehr als 1000 Mitglieder nehmen an Wettkämpfen teil und müssen trainieren. Bloß wo?

Was fehlt, ist ein energieeffizientes Hallenbad im Süden der Stadt und der Wille, den Betrieb zu subventionieren. Damit kein Grundschüler mehr ertrinkt, nur weil er nie schwimmen gelernt hat.

 

DLRG:

“In den ersten acht Monaten des Jahres 2018 sind in deutschen Gewässern mindestens 445 Menschen ertrunken, 148 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das ist der höchste Stand seit zehn Jahren. Lediglich im Sommermonat Juni lag die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken verglichen mit 2017 niedriger. Diese Zahlen gab die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag (13.9.) bekannt. “Angesichts der Zunahme in den ersten Monaten des Jahres rechnen wir bis Ende 2018 mit deutlich mehr Opfern als im vergangenen Jahr”, so DLRG-Präsident Achim Haag.”

Ganz aktuell haben der Württembergischen Landessportbund, die beiden baden-württembergischen Schwimmverbände und DLRG ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet, in dem auch das Land Baden-Württemberg bei der Sanierung von Bädern in die Pflicht genommen wird.

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