Wenn man nur einen Hammer als Werkzeug hat, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel. In diesem Sinne sind die natürlichen Feinde der Tübinger Stadtgärtner Blätter und Bäume. Erstere lassen sich im Herbst mit dem Saugblaser jagen, letztere werden im Moment mit der Kettensäge erlegt. Angeblich muss ausgelichtet werden. Wirklich? Wahrscheinlich gibt es eher eine Logik des Maschinenparks: All die teuren Geräte müssen schließlich bewegt werden, um ihre kostspielige Anschaffung zu rechtfertigen. In diesem Sinne fällt auf, dass viele Probleme, die sich nicht mit einer heulenden Maschine bearbeiten lassen, unerledigt bleiben. Man denke an die Natursteinmauern an der Ammer, die seit Jahren still in sich zusammenfallen. Niemand kümmert es. Da müsste man auch den Buckel krumm machen. Der motorgetriebene Mauererrichter ist noch nicht erfunden. Aber man kann von eigener Untätigkeit und Fehlverhalten ablenken, indem man Appelle in die Welt hinausposaunt. Bauern und Grundstücksbesitzer mögen solche Mauern doch bitte sorgsam pflegen! Es handelt sich schließlich um wertvolle Habitate für allerlei Getier. Und man solle bitte Hecken und Büsche stehen lassen, sonst drohen Artenschwund und stummer Frühling.

Wie wäre es, wenn in Tübingen die ökologischen Imperative mal auf das eigene Stadtgebiet angewendet würden? Es ist höchste Zeit, dass ökologische und auch ästhetische Aspekte in Tübingen eine Wertschätzung erhalten. Vielleicht müssten wir mal über einen Baumbürgermeister nachdenken! Gärtner, Förster und Tiefbauamt scheinen mit solchen Überlegungen an ihre Grenzen zu stoßen.

Marco Wehr, Tübingen

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