Baumwipfel gern, aber bitte auch für Fußgänger!

Baumwipfel-Brücke über die Bahngleise – Endlich eine Nord-Süd-Nord-Verbindung

Von der „ Derendinger Allee bis zur  Wilhelm-Keil-Straße“

Bereits in den frühen 1980er Jahren wurde hier eine Fußgänger-/Radbrücke geplant, damals jedoch nicht umgesetzt. Die aktuelle Verbindung für Radfahrer und Fußgänger führt umwegig und auf sehr engem Raum über die B28-Straßenbrücke. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner Derendingens ist diese Wegeführung so unattraktiv, dass trotz deutlich längerer Strecke die Steinlachunterführung Poststraße genutzt wird. Mit den Schulen in der Uhlandstraße, der Gemeinschaftsschule West und der westlichen Altstadt sind jedoch relevante Ziele so nur mit größeren Umwegen erreichbar. Perspektivisch wird mit einer zunehmenden Entwicklung im Bereich Mühlbachäcker/Saiben/Derendingen die Bedeutung der Achse Schlossberg-Fahrradtunnel – Derendingen noch zunehmen.

Rampen sind steil und lang – und beheizbar?

Der Vorentwurf führt als „Baumwipfelpfad“ durch die Bäume des Anlagenparks und überquert dann Derendinger Allee, Europastraße, Ammertalbahn, Bundesbahn und Wilhelm-Keil-Straße. Auf der Südseite mündet die Brücke in einen kombinierten Geh- und Radweg entlang der Wilhelm-Keil-Straße, der bis zum Sparkassen-Carrée geführt werden soll. Als Option eingeplant ist auch eine zweite Südzufahrt, die Richtung Kreuzung Hegelstraße geführt wird. Die Steigungen auf den langen Rampen bewegen sich im Bereich von 5 % bis 5,3%, um eine Befahrbarkeit für alle Radfahrenden zu ermöglichen und eine hohe Sicherheit zu gewährleisten. Die Stützen stehen vollständig auf städtischen Grundstücken.

Im Bereich der Derendinger Allee würden durch die Brücke einige Parkplätze entfallen, die jedoch im Zuge der Umgestaltung dieses Bereichs sowieso fraglich sind. Die alternative Führung der nördlichen Brücke durch den Anlagenpark stellt aus Sicht der Verwaltung einen zu großen Eingriff in den Park dar. Die Brücke hat in der Vorentwurfsplanung eine Breite von 4 Metern und geschätzte Kosten von ca. 5 Mio. €. In dieser Form ist sie als reine Radwegbrücke geplant, zumal das Bundesprogramm auch nur diesen Baustein fördert.

Wichtig: Auch Fußgänger wollen rüber!

Es ist jedoch auch grundsätzlich denkbar, die Brücke mit einer Breite von 6 m auszuführen und so für Fußgänger und Radfahrer zu öffnen. Die Mehrkosten würden nach einer ersten Schätzung ca. 2 Mio. € betragen (davon 1 Mio. € Landeszuschuss), wobei hier noch keine so detaillierte Kostenschätzung wie für die reine Radbrücke vorliegt. Im Zuge einer Aktivierung von Fußwegebeziehungen könnte die Erstellung als kombinierte Rad- und Fußgängerbrücke sinnvoll sein. Die Verwaltung schlägt vor, diese Entscheidung dann zu treffen, wenn klar ist, ob die Radbrücke erfolgreich in das Bundesprogramm aufgenommen ist.

Fördermittel locken

Oberbürgermeister Palmer hat diese große Radbrücke über einen mit dem Gemeinderat nicht vorher abgestimmten Förderantrag auf den Weg gebracht und als die Fördermittel winkten, war -wie zu erwarten- die Zustimmung im Gemeinderat bei AL Grünen und SPD gesichert.

Jetzt müssen wir entscheiden. Und das ist relativ einfach: Wir verhindern die Brücke ohnehin nicht. Dann sorgen wir wenigstens dafür, dass sie vernünftig wird.

Keine Konkurrenz zwischen Fußgängern und Radfahrern!

Fußgänger auf dem gleichen Weg werden sich nicht überzeugen lassen, den kleinen Umweg über die Fußwege auf der Bundesstraße zu laufen, weil die Brücke nur für Radfahrer konzipiert und zugelassen wird (so der heutige Verwaltungsvorschlag). Damit schaffen wir ein Gefahrenpotential wie auf der nur für Fußgänger zugelassenen Brücke beim Stauwehr, die aber „alle“ Radfahrer auch benutzen. Also konzipieren wir diese große Brücke breiter und geben ihr einen sicheren Fußgängerbereich. Das hebt die Kosten von € 5 Mio. auf € 7 Mio. Dafür stimmten die drei Ortsbeiräte der Tübinger Liste: Armin Scharf (Südstadt), Klaus Schiffler (Derendingen) und Reinhard von Brunn (Stadtmitte)
ABER „Wenn schon, denn schon richtig!“

Es soll nach Vorlage der Verwaltung nur eine Abfahrt (nach Norden, kurz vor dem Wildermuth Gymnasium aus den Baumwipfeln landend in Richtung Alleenbrücke) geben. Das ist seltsam. Diese Brücke dient erkennbar dem Süd-Nord wie dem Ost-West Rad- und Fußverkehr (sprich zu Bahnhof, Post und Blauer Brücke). Diese Leute alle durch die Uhlandstraße oder gar über einen Radweg durch den neu zu gestaltenden Anlagenpark zu schicken, ist ziemlich unsinnig. Dann braucht die Brücke eine direkte Abfahrt zur Europastraße.

Und jetzt kommt uns nicht mit Haushaltsdisziplin, sagt Ernst Gumrich, Fraktionsvorsitzender der Tübinger Liste. Die schlimmste Verschwendung ist es, eine Brücke zu bauen, die von Anfang an falsch und ungenügend konzipiert ist. Wir hätten gerne im Gemeinderat diskutiert, ob und wann eine solche Brücke wirklich Sinn macht und wo sie in der Rangfolge der Radverkehrsmaßnahmen stehen sollte. Wahrscheinlich entfaltet sie wirklich großen Nutzen erst im Zusammenhang mit der Bebauung des Saiben. Aber die Mehrheit will sie jetzt. Dann machen wir es bitte richtig.

 

Bild: Schwäbisches Tagblatt

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