BebenhauColl
18. April 2014

Tübingen gehörte einmal zum mächtigen und reichen Kloster Bebenhausen. Heute ist es umgekehrt. Wie sich die Zeiten ändern…

Wolfgang G. Wettach lebt seit 22 Jahren in Bebenhausen, seit zwei Jahren ist er Ortsvorsteher dieses berühmten Teilorts mit 370 Einwohnern. Doch damit es ihm hier nicht zu wohl wird, hat er auch Ambitionen über den Schönbuch-Tellerrand hinaus: er ist Kandidat der Grünen fürs Europa-Parlament. Ob und wie er den Spagat zwischen B & B (Bebenhausen & Brüssel) lösen und wie er dann Bed & Breakfast finden wird, erfahren wir nach dem 25. Mai.

A propos: da sind auch die Gemeinderatswahlen in Tübingen! Deshalb rückte am 15. April am Schlosstor eine stattliche Gruppe der Tübinger Liste an: Oliver Kiefer, dem mit seinem Elektro-Rollstuhl kein Ort zu weit ist, Dr. Christian Reichle, Ute Mihr, Ulrich Kurz, Ernst Gumrich, Klaus Dieter Hanagarth und Reinhard von Brunn. Aus dem Flecken kamen Sybille Neumann und Birgit Maurer mit auf den Rundgang.

Hat denn solch eine denkmalgeschützte Puppenstube überhaupt Probleme? Schon, vielleicht in kleinerem Maßstab als die größeren Orte.

Aufreger Verkehr: der Rittweg von Bebenhausen durch den Wald hoch zur Wanne ist und bleibt ein ständiger Zankapfel. Schließen – öffnen – regulieren? Zur Rush Hour schlängeln sich fast nur Fahrzeuge mit BB-, RT- oder ES-Kennzeichen durch den Ort, es ist eben der kürzeste Schleichweg zum Klinikum und zu den Instituten auf der Morgenstelle. Die Pläne für eine verkehrsberuhigte Zone und Verengung der Einfahrten in die Schönbuchstraße sind weit gediehen – nun müssen die Tübinger Ämter mit der Umsetzung nachziehen.

Bebenhausen ist nicht ans Stadtbus-Netz angeschlossen, sondern auf den nur stündlich verkehrenden Flughafenbus angewiesen. Hier wünscht man sich einen kleineren „Ruf-Bus“, der den Anschluss nach Waldhäuser Ost herstellt.

Problematisch ist die Lage der Freiwilligen Feuerwehr. Sie ist nicht mehr „wehrbereit“, sprich, die Freiwilligen sind ihr abhanden gekommen. Dabei wäre es so wichtig, Leute zu haben, die alle Winkel des Klosters kennen und wissen, wo und wie man bei einem Brand im Schönbuch Feuerschneisen anlegt. So aber steht der Zusammenschluss mit der Wehr in Lustnau bevor. Doch was ist, wenn bei Hochwasser die Tore bei der Sophienpflege geschlossen sind? Wer pumpt dann in Bebenhausen?

Wenn schon die Feuerwehr aufgelöst wird, dann sollte man den Raumgewinn im Erdgeschoss des Rathauses dafür nutzen, endlich eine Behinderten gerechte Toilette einzubauen. Denn, nicht zu glauben aber wahr, die gibt es trotz der 70.000 Besucher im Jahr und einer Reihe von Groß-Veranstaltungen im ganzen Ort nicht.

Außer der Verwaltungsstelle dient das Rathaus auch noch als „Winterkirche“ für die evangelische Gemeinde. Wenn es im Klostergemäuer ungemütlich wird, bietet das Rathaus eine warme Herberge.

Die früher blühende Vereinslandschaft ist heute im „Bebenhausener Verein“ zusammen geschlossen. Weit über die Grenzen hinaus bekannt ist der Schachclub, der mit einer imponierenden Jugendmannschaft einen Preis nach dem anderen abräumt.

Das schmucke ehemalige Schulhaus bietet ein Dach für Veranstaltungen und Feiern. Das Kinderhaus nebenan möchte sein 30jähriges Raum-Provisorium endlich überwinden und sein Angebot in Zusammenarbeit mit dem Kinderhaus Waldschule auf der Wanne ausbauen. Da es in Bebenhausen relativ viele Mietwohnungen gibt, ziehen auch immer wieder jüngere Familien zu, für Nachwuchs ist also gesorgt.
Die Grundschule wurde allerdings schon vor 30 Jahren geschlossen, da müssen die Kinder dann in die große weite Welt Tübingen fahren.

Hinter dem Kloster liegt der bis heute genutzte Gottesacker, für den übrigens auch der Weiler Waldhausen ein Friedhofsrecht hat. Man hält es kaum für möglich: Wegen ein paar Quadratmetern Erweiterung wird nun schon seit Jahren zwischen Denkmalamt, der Abteilung Vermögen und Bau des Landes, den Tübinger Behörden und der Gemeinde gerungen, wie dies am Besten zu bewerkstelligen sei.
Wir von der Tübinger Liste verstehen, wenn Ortsvorsteher Wettach bei solchen Themen den Blick leicht verzweifelt gen Himmel richtet…
Danke, Bebenhausen, für die Einblicke!

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