BFO-Blase geplatzt: Kommt jetzt ZF an den Aischbach?

Die Zahnradfabrik (ZF) Friedrichshafen hat Brake Force One (BFO) Ende Juli 2019 vollends übernommen. Der bisherige Geschäftsführer Frank Stollenmaier ist mit dem Verkauf seinen Posten los. Neuer Chef ist Gerhard Meindl, Jahrgang 1957. Der ZF-Manager beschäftigt sich schon lange mit Lösungen zur Mikromobilität, besonders im Zweirad-Segment.

Foto: Gernot Stegert

Ernst Gumrich forderte Frank Stollenmaier mehrfach auf, Tacheles zu reden, wenigstens die Lieferdaten für den E-Roller Flynn zu konkretisieren – Fehlanzeige. Nun ist die Blase geplatzt.

Seit Monaten zweifelt die Tübinger Liste die finanzielle Solidität und die wirtschaftliche Power der Tübinger Firma BFO. Großspurige Versprechungen – wenig Greifbares. Doch die Mehrheit des Gemeinderats ließ sich gerne Sand in die Augen streuen und verlängerte vor Kurzem die Option für ein prächtiges Gewerbe-Filetstück in der Weststadt.

Hatte die Verwaltungsspitze angesichts der knappen Flächen bei der Erstellung des Flächennutzungsplans nicht mehrfach beteuert, es würden keine neuen Firmen von außerhalb nach Tübingen gelockt, sondern nur ansässigen Firmen Erweiterungen ermöglicht? Kann man nicht spätestens jetzt das Versprechen an die Tübinger Handwerkerschaft einlösen und an sie Flächen vergeben oder diese bevorraten?

„Baubürgermeister Cord Soehlke sagt, dass man die Grundstücksoption „auf der neuen Grundlage bewerten“ müsse. Die Option gelte nun nicht automatisch, sie sei aber eine Grundlage für Gespräche. Heißt: „Wenn ZF über den Standort Aischbach II sprechen möchte, sind wir dazu bereit.“ Einen Vertrauensbruch sieht Soehlke nicht, „zumal wir mit ZF einen seriösen Partner haben, mit dem man so etwas gut besprechen kann“.

Der Konzern teilt auf Nachfrage über seinen Pressesprecher Andreas Veil mit: „Es gibt derzeit keine Überlegungen, den Standort Tübingen in Frage zu stellen.“ Zudem ist die Grundstücksoption laut Veil „eine exzellente Möglichkeit, das Unternehmen BFO weiter wachsen zu lassen“. Nach ZF-Angaben werden die rund 50 Angestellten komplett übernommen.“

Schwäbisches Tagblatt vom 31. Juli 2019

Die ZF beschäftigt fast 150.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von rund 37 Milliarden Euro bei einem Gewinn von 1,225 Milliarden Euro. Das Unternehmen wurde 1915 gegründet und gilt inzwischen als zweitgrößter Automobilzulieferer weltweit.
ZF liefert Komponenten für die Rüstungsindustrie, etwa für Panzer. Das wurde Friedrichshafen bereits im zweiten Weltkrieg zum Verhängnis, als es 1943 und 1944 von den Alliierten in Schutt und Asche gebombt wurde.

Deshalb ist auch die Beteiligung von ZF an der Cyber-Valley-Initiative für Künstliche Intelligenz umstritten. ZF ist weltweit in rund 40 Ländern mit gut 230 Standorten vertreten. Dazu zählen laut Unternehmensangaben 19 sogenannte Hauptentwicklungsstandorte.

Ähnliche Beiträge

Kommentarfunktion geschlossen.