“Der erste Abschnitt der Tübinger Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn Neckar-Alb würde nach den aktuellen Berechnungen 117,5 Millionen Euro kosten (Siehe Tagblatt-Artikel vom 11. Juni*).
Ernst Gumrich, Tübingen, Stadtrat Tübinger Liste, schrieb für den 12. Juni diesen Leserbrief:

Keine ganzen und erst recht keine halben Sachen.

Plötzlich und über Nacht ist die Innenstadtstrecke nur noch halb so lang und halb so teuer. Das ist ein unguter Witz mit Anlauf: 2010 sollte die ganze Strecke vom Hauptbahnhof bis WHO noch insgesamt 85 Millionen Euro kosten. Jetzt wurden daraus im Mai 2018 geschätzte 232 Millionen – und dies zwölf lange Jahre vor Fertigstellung. Die Tübinger Liste setzte durch, dass die Bürger 2020 in einem echten Bürgerentscheid über das Projekt Innenstadtstrecke selbst entscheiden und vorher keine weiteren Fakten geschaffen werden.

232 Millionen sind den Bürgern nicht mehr vermittelbar, selbst wenn man die Förderbeträge abzieht, das fand wohl auch der Oberbürgermeister und erfand schnell die halbe Bahn für schlappe 117,5 Millionen. Nur noch bis zur Morgenstelle, und dann schau’n wir später mal, ob wir das irgendwann fertigbauen? Mit uns wird das nicht so laufen. Wer das Projekt weiterhin will, und leider ist es noch eine solide Mehrheit im Gemeinderat, die diese Innenstadtstrecke gegen unsere vielen Argumente durchsetzen will, der muss schon bitte die ganzen Kosten verteidigen.

Wir sollten immer den kompletten Preis der neuen Tübinger Hose (Modell Innenstadtstrecke) nennen, deren eines Hosenbein den Tübingern jetzt zum Schnäppchenpreis offeriert wird. Sie kostet mit beiden Hosenbeinen und mit Verlaub 232 und nicht 117,5 Millionen Euro. Die Preissteigerungen bis 2030 lassen wir jetzt sogar höflich weg, andere Großprojekte sollten uns aber sehr vor Blauäugigkeit warnen.”

 

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*Stadtbahn kostet 117,5 Millionen Euro

Der erste Abschnitt der Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn Neckar-Alb würde nach den aktuellen Berechnungen 117,5 Millionen Euro kosten. Im Artikel am Samstag (“Zuerst die Fakten auf den Tisch”) stand fälschlich 240 Millionen Euro. Dieses wäre aufgerundet die Summe für die gesamte Strecke mit Verlängerung bis Waldhäuser Ost, die Oberbürgermeister Boris Palmer aus Kostengründen verschoben hat.

Vom Tübinger Hauptbahnhof bis zur Morgenstelle würden die Baukosten 82 Millionen Euro betragen, hinzu kämen die Mehrwertsteuer (19 Millionen Euro) und die Planungskosten (16,5 Millionen Euro). Bund und Land würden 70 Millionen Euro Förderung geben. Die Region müsste also 47,5 Millionen Euro stemmen. Die Aufteilung zwischen Stadt und Kreis ist noch offen. Der zweite Streckenabschnitt von der Morgenstelle bis Waldhäuser Ost wird derzeit so berechnet: 81 Millionen Euro Baukosten, 18 Millionen Euro Mehrwertsteuer, 16 Millionen Euro Planungskosten, macht zusammen 115 Millionen Euro. Es bezahlen 69 Millionen EuroBund und Land, 46 Millionen Euro die Region. Noch völlig offen ist, wie hoch die Betriebskosten wären und wer welche Anteile bezahlt.
n/a

Quelle: Schwäbisches Tagblatt GmbH
Publikation: Schwäbisches Tagblatt – Tübingen
Ausgabe : Nr.131
Datum : Montag, den 11. Juni 2018
Seite : Nr.21
“Deep-Link”-Referenznummer : ‘PRINTSTORY_11074691’

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