Lebendige Quartiere

Claudia Braun, Stadträtin der Tübinger Liste

Bereits im Stadtseniorenplan von 2009 wurde auf die Bedeutung der Stadtteiltreffs für ein lebendiges Miteinander aller Generationen in Tübingen hingewiesen – Grundlage waren damals Stadtteilspaziergänge und Vorschläge aus der Bevölkerung. Nun liegt die Rahmenkonzeption der Tübinger Stadtteiltreffs vor. Bereits heute gibt es in Tübingen zwölf sehr unterschiedliche Stadtteiltreffs. Es ist wichtig, dieser Vielfalt Rechnung zu tragen, gleichzeitig für die Entstehung neuer Treffs aber einen Rahmen vorzugeben, in dem Aufgaben, Förderkriterien und vor allem ein gemeinsames Leitbild eine gute Basis für neue Entwicklungen bilden.
Stadtteiltreffs sind Kristallisationspunkte für lebendige Quartiere und ein Kernstück der Sozialkonzeption. Sie müssen aus der Bürgerschaft heraus entstehen und wachsen, Keimzellen sind oft Nachbarschaftsinitiativen.

Tübingen wächst und lebt von seiner Vielfalt – das ist Chance und Herausforderung zugleich. Gegenwärtig entstehen neue Wohnquartiere (z.B. beim Güterbahnhof), alte Stadtviertel sind im Wandel (Rahmenplanung Weststadt, Projekt “soziale Stadt” Waldhäuser Ost: WHO).
Die Schaffung von Stellen für Sozialberatung und Gemeinwesenarbeit in Stadtteilen mit in der Sozialkonzeption ausgewiesenem sozialräumlichem Bedarf (Südstadt, Weststadt, WHO) sind der Grundstock dafür, dass unsere Quartiere ihre Funktion als soziale Lebensräume erhalten bzw. wieder gewinnen können. Wo in Stadtteilen nur noch nebeneinander her gelebt wird, alte Menschen vereinsamen, Zugezogene sich nicht zuhause fühlen, fehlt Zusammenhalt, fehlt auch Identität mit dem Viertel und ein funktionierendes soziales Gefüge für alle Generationen.

Gemäß dem Leitbild der Rahmenkonzeption sind Stadtteiltreffs Orte der Mitwirkung, Vernetzung und Kooperation, Begegnung für alle, Bildung, Beratung und Unterstützung.
Um all diese Funktionen gut erfüllen zu können, brauchen auch die Stadtteiltreffs Unterstützung: Hier ist es Aufgabe der Stadt, Rahmenbedingungen zu schaffen, solche bürgerschaftlichen Ansätze zu fördern, den Aufbau eines Stadtteiltreffs zu erleichtern und nachhaltig zu begleiten. Hier ist vor allem die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten zentral. Die Schaffung der Koordinationsstelle der Stadtteiltreffs war ein erster wichtiger Schritt, die nächsten Jahre werden wir gemeinsam an einem tragfähigen Quartiersnetzwerk weiterstricken.

Veröffentlicht in der “Mittwochsspalte” des  Schwäbischen Tagblatts vom 14. März 2018

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