Bus außen rum: Die Zeit ist reif!

Antrag der Tübinger Liste bringt endlich Bewegung in die Diskussion


Die Verwaltung wird beauftragt, 
die folgenden Direktbus-Konzepte zu prüfen bzw. durch die Stadtwerke Tübingen prüfen zu lassen und den zuständigen Gremien möglichst zeitnah das Ergebnis mit Handlungsoptionen und Ausformungsvarianten zur Entscheidung und Umsetzung vorzulegen: 

TüBus Direkt im Kurztakt zu Stoßzeiten (ca. 06.30 Uhr bis 9.00 Uhr und 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr) von der Südseite des Hauptbahnhofs über Schlossbergtunnel – Hagellocher Weg – Ebenhalde zu den Kliniken und zurück. Zusätzliche feste Abfahrzeiten in den restlichen Zeiten sollten optional geprüft werden, sofern es weitere Verkehrsspitzen z.B. bei Schichtwechseln, Vorlesungsbeginn und -ende gibt.

Ebenso Express-Bus-Verkehre aus pendlerstarken Umlandgemeinden auf den Schnarrenberg, die ebenfalls vorzugsweise über Schlossbergtunnel – Hagellocher Weg – Ebenhalde zum Schnarrenberg fahren und die Innenstadt meiden. 

Begründung:

Das Busnetz von uns zu den Kliniken Berg/Morgenstelle erfüllt außerhalb der Spitzenzeiten seinen Dienst. In Stoßzeiten kommt es für Verkehr und Fahrgäste an seine Grenzen. Bisherige Verkehrskonzepte der Stadt sehen eine Lösung dieses Problems erst Ende der 2020er Jahre durch die Regionalstadtbahn-Innenstadtstrecke vor. Elf bis dreizehn Jahre abzuwarten, erscheint angesichts der von allen Beteiligten betonten Dringlichkeit unzumutbar. Umgekehrt steckt in diesem Konzept ein wichtiges erstes und auf der Basis heutiger technischer Möglichkeiten realisierbares Element der angedachten Alternativen zur Innenstadtstrecke. Diese Untersuchung ist aus unserer Sicht daher ein erforderlicher Teil der zugesagten Alter-nativenprüfung. Es spricht viel dafür, solche Konzepte unabhängig von den Entscheidungen i.S. Innenstadtstrecke oder alternativer Lösungen sehr zeitnah zu erproben und umzusetzen.

Mit geringen baulichen Maßnahmen kann an der Südseite des Hauptbahnhofes entweder auf der Thiepval-Seite oder auf dem Parkplatz an den Bahngleisen eine barrierefrei erreich-bare Bushaltestelle eingerichtet werden. Auf Höhe der westlichen Ausfahrt der Thiepval-Fahrbahn müsste für erleichterten Umlauf der Busse der Mittelstreifen der Hegelstraße für eine Bus-Wende durchbrochen werden (siehe Skizze) . Über eine funkgesteuerte Ampel können die Busfahrer die Wende-Durchfahrt auslösen. Mit geringem Aufwand könnten für die Fahrstrecke dieser Direktbuslinie sogar ein nahezu kreuzungsfreier Fahrweg und eine dedizierte Busspur eingerichtet werden, wo dies aus verkehrlicher Sicht erforderlich würde.

Dieses Angebot würde die am Hauptbahnhof ankommenden ÖPNV-Nutzer wesentlich schneller als heute direkt zu den Kliniken und den universitären Einrichtungen auf dem Schnarrenberg bringen und umgekehrt. Gleichzeitig würden die Spitzenlast auf Neckarbrü-cke und Mühlstraße sowie die innerstädtische Verkehrs- und Umweltbelastung deutlich ver-ringert. 

Eine Verlängerung dieser Direktbuslinien zum Technologiepark Obere Viehweide könnte zeitnah sinnvoll werden und sollte mitgeprüft werden

Dr. Christian Wittlinger
Ernst Gumrich


Mühlstraße – muss das sein?

Die Topographie lässt kaum Alternativen zu. Der Bergrücken in der Mitte hat nur die Mühlstraße als Durchfahrt und diese daher keine Parallelstraßen als Ausweichstrecken. Geht also gar nichts? Doch, außenrum. Das Tübinger Busnetz müsste von einem strahlenförmigen Knoten zu einem echten Netz mit Querverbindungen werden. Bypässe sind gegen den Infarkt nötig. Schon bei der Planung des neuen Busbahnhofs am Europaplatz und bei den Debatten um die Stadtbahn haben Experten und Bürger die Zentralisierung des Tübinger Busnetzes als Problem benannt.
Einen Vorschlag hat die Tübinger Liste nun aufgegriffen (durch die Verwendung im Wahlkampf wird er nicht schlecht): Direktbusse sollen vom Hauptbahnhof durch den Schlossbergtunnel zu den Kliniken auf dem Berg und zur Universität auf der Morgenstelle fahren. Damit könnte die Masse der Beschäftigten und Studierenden zu den Hauptverkehrszeiten morgens hin- und nachmittags zurückkommen.
Zwar gibt es schon einen Direktbus, den X15. Doch dieser fährt über die Hauptverkehrsachse und macht zwei Zwischenhalte. Aus gutem Grund: Er soll auch die Kliniken Tal bedienen. Ein zusätzlicher Bus ohne Halt wäre also nötig. Führe er durch den Schlossbergtunnel, könnte mancher 5er entfallen, was die verstopfte Zentralachse entlasten würde.
Die Idee ließe sich ausweiten, etwa für den Tübinger Westen. In der Seilbahndiskussion wird die Strecke Westbahnhof – Morgenstelle favorisiert. Diese Verbindung befährt bereits die Buslinie 14, macht aber sieben Mal halt. Warum nicht ergänzend einen schnellen Direktbus von der Ammertalbahn zu den Kliniken? Das wäre billiger, flexibler und schneller möglich als ein neues, starres Verkehrssystem wie eine Seilbahn.
Das gilt für alle Direktbusse. Sie lassen sich rasch ohne Bauten einführen, zumindest mal ein paar Monate lang testen. Denn auf eine Stadtbahn zur Entlastung warten kann Tübingen nicht. Sie wird frühestens im übernächsten Jahrzehnt fahren. Und vielleicht haben sich technisch weiterentwickelte und vernetzte Busse bis dahin ja zu einer Alternative entwickelt.

Gernot Stegert im Schwäbischen Tagblatt vom 3. April 2019

Auch das Schwäbische Tagblatt steht hinter dieser Idee!

Direkt zu den Kliniken: Die Tübinger Liste beantragt eine schnelle Verbindung durch den Schlossbergtunnel zur Entlastung der Altstadt.

Mit dem Bus ohne Zwischenhalt und Stau direkt vom Tübinger Hauptbahnhof zu den Kliniken auf dem Schnarrenberg und zur Universität auf der Morgenstelle fahren – diese Idee hat jetzt die Tübinger Liste aufgegriffen und in einen Antrag gegossen. Zwar gibt es bisher schon einen Direktbus …. Dieser fährt aber mit zwei Zwischenhalten auf der überlasteten Strecke über Neckarbrücke, Mühlstraße und Wilhelmstraße. Die Tübinger Liste will die Busse außen herum fahren lassen: durch den Schlossbergtunnel über den Hagellocher Weg und die Ebenhalde zum Schnarrenberg.



Die Stadtwerke Tübingen (SWT) setzen auf der X15 in der Regel Solo-Busse mit 90 Plätzen ein. Die Auslastung liegt im Mittel bei 30 Prozent, teilten die Stadtwerke auf TAGBLATT- Anfrage mit. Heißt das, es besteht kein Bedarf? Nein, die X15 dient als Verstärkerlinie für den Teil der Fahrgäste, für die die Kapazität des 5-Minuten-Taktes der Regellinien (1800 Plätze in der Stunde) und der zeitweise eingesetzten Verstärkerfahrten (1500 Plätze, 7 bis 8 Uhr, 300 Plätze, 8 bis 9 Uhr) nicht ausreicht. Gegen Direktbusse durch den Schlossberg spricht aus SWT-Sicht, dass damit das Tal-Klinikum nicht bedient werden würde und die Route keine Zeitvorteile bieten würde. Außerdem nutzen die Stadtwerke die X15 in der Frühspitze auch, um Fahrgäste an den Haltestellen in der Innenstadt aufzunehmen, die von einem vollen Bus stehen gelassen wurden.
Tagsüber auf der Neckarbrücke in Tübingen: Menschentrauben warten vor beiden Bushaltestellen Richtung Norden. Der 13er kommt, hält, fährt weiter, stoppt wieder an der Ampel. Hinter ihm steht der 7er, muss warten, bis seine Haltestelle frei ist. Schon drängen der 5er und folgende Busse. Die Taktung des Tübinger Busverkehrs sorgt für hohe Nutzerzahlen. Die Kehrseite jedoch ist das verstopfte Nadelöhr Neckarbrücke und Mühlstraße. Hier zwängen sich täglich 2800 Busse fast aller Linien durch. Das sorgt für Konflikte mit Radlern und schlechte Luft.

Schwäbisches Tagblatt vom 3. April 2019

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