Ohne großes Wimpernzucken wurden 33.000 Euro unserer Steuergelder für eine Mooswand in der Mühlstrasse gesteckt. Ein “City Tree” der Berliner Firma Green City Solutions sollte Abgase rausfiltern und das Ökogewissen beruhigen. Wie andernorts auch in Tübingen ein teurer Fehlschlag.

Etwa 200 m Luftlinie entfernt gibt es ein seit Frühjahr 2012 grünendes Gegenbeispiel: der Fassaden-Bewuchs der hässlichen Neckar-Parkhausfront. In zwölf Pflanzkübeln ranken sich Schlingknöterich, wilder Wein, Glyzinien, Efeu und immergrünes Geißblatt bis zum obersten Parkdeck und bedecken mildtätig den Waschbeton. Zur Freude von Anwohnern und Bootsfahrern, Vögeln, Insekten und sogar brütenden Enten. Es wäre eine dankbare Aufgabe für unsere Umwelt-Profis einmal auszurechnen, welche Mengen an CO2 und Feinstaub diese Wand jährlich neutralisiert.

Allerdings wurden dafür kein Werbe-Schnick-Schnack betrieben und keine teure Rechnungen gestellt. Stattdessen eigenhändig in sechs Jahren rund 9500 Eimer Neckarwasser hoch gezogen, Privates in Pflanzen, Dünger und Substrat investiert. Umsonst für die Stadt, ehrenamtlich, aus Spaß an der Freude und Liebe zur Stadt: hinfahren mit dem Fahrrad, die Aussicht genießen, Fitness praktizieren, und das Ganze mit über 70.

Vielleicht sollten wir diese Öko-Aktion künftig „Climbing Green” nennen. Ob die Stadt dann wieder einen Stadtgärtner mit der Gießkanne vorbei schickt oder gar eine Solarpumpe installiert? Wir fänden das gut.

Reinhard und Reinhild von Brunn, Tübingen, 9. Juli 2018

Diesen Beitrag teilen