Lokaler Egoismus verhindert regionale Vernunft

Der Zuschlag für die Firma Brake-Force-One (BFO) zeigt ein großes Strukturproblem: Tübingen gehen die Flächen aus. Statt die einzige noch verfügbare zusammenhängende Gewerbefläche Aischbach II an lokale Handwerker zu vergeben, erhielt BFO den ganzen Happen.  An diesem Beispiel kochte in Tübingen hoch, was in Rottenburg schon seit Monaten brodelt: Es fehlt eine regionale Gewerbe-Strategie. Jede Kommune giert nach Gewerbesteuer und Prestige. Und wenn eins nicht vermehrbar ist, dann BODEN!

Wer ist BFO?

Die bisher kleine Firma aus der Gartenstraße baut innovative Zweiradbremsen und einen elektrischen Kickroller. Die augenblicklich 70 Mitarbeiter sollen Zuwachs bekommen, geplant sind 400. Und das ist ein Köder, den Tübingen gerne schluckt: Gewerbesteuer und Arbeitsplätze. Labors, Werkstätten, Büros und Wohnungen sollen gebaut werden. Auch Kinderbetreuung und Wellness soll begehrte Ingenieure am Ort halten. Die Drohung, in ein paar Wochen nach Friedrichshafen umzuziehen, wirkte. Mit 2,2 Millionen Euro kann der Deal über den Tisch.

Im Gemeinderat kämpften Tübinger Liste, einige CDU- und Linke-Mitglieder und die FDP für das ortsansässige Handwerk. Umsonst.

Der Oberbürgermeister verspricht: Kein Handwerksbetrieb wird deshalb abwandern. Potenzial gebe es noch im Hirschauer Rittweg, im Pfrondorfer Hofstrütle und am Westbahnhof.

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Mikromobilität: Meldung  der ZF vom September 2017

  • Systemanbieter ZF gründet Joint Venture mit Magura, BrakeForceOne und Unicorn Energy
  • ZF entwickelt elektrische Antriebslösung

Elektro- und Mikromobilität sind wichtige Zweige der Zukunftsmobilität. Um diesen wachsenden Markt mitzugestalten und neue technologische Impulse zu setzen, hat die Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF) gemeinsam mit den Unternehmen Magura in Bad Urach, BrakeForceOne (BFO) in Tübingen und Unicorn Energy in Schwäbisch Gmünd ein Joint Venture gegründet. Dr. Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG: „Mit dem Gemeinschaftsunternehmen haben wir uns vorgenommen, die Elektromobilität im Segment der Mikromobilität für zwei-, drei- und vierrädrige Fahrzeuge neu zu definieren.“

Mit 48 Prozent ist ZF größter Anteilseigner des in Tübingen beheimateten Joint Ventures. Spezialgebiete der anderen Partner sind Zweiradtechnik und Service-Dienstleistungen (Magura, BrakeForceOne) sowie Batterietechnologie (Unicorn Energy). ZF setzt damit seinen Weg der Kooperation mit externen Partnern und Knowhow-Trägern konsequent fort. Dafür hat das Unternehmen eigens im September 2016 die Zukunft Ventures GmbH gegründet. Die Gesellschaft mit Sitz in Friedrichshafen hat eine klar umrissene Aufgabe: die Beteiligung an Firmen, die in für den ZF-Konzern interessanten Technologiefeldern aktiv sind. Kleinere, bereits etablierte Unternehmen erhalten so mit ZF einen starken Partner. Im Gegenzug erhält ZF einen weiteren Zugang zu zukunftsfähigen und wettbewerbsrelevanten Technologien.

ZF sieht weltweit große Zukunftspotenziale im Bereich der Mikromobilität. Dies gilt sowohl für die Beförderung von Personen als auch für Lastentransporte. So prognostiziert die im November 2016 veröffentlichte ZF Zukunftsstudie vor allem im innerstädtischen Logistikbereich bis 2030 einen enormen Zuwachs an elektrischen Leichtfahrzeugen.

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Ernst Gumrich hat Fragen an AL/Grüne, die einer Antwort harren:

“Habt Ihr beim BFO Besuch überhaupt etwas gefragt oder wart Ihr nur begeistert? Wisst Ihr, wie die Firma BFO aus nur zwei Produkten, der Nischenmarkt-Bremse (über € 500) und dem etwa € 1.300 teuren Kickroller Flynn das gigantische Wachstum schaffen will, um das Immobilienareal irgendwann zu füllen? Wisst Ihr, wann der Flynn auf die Straße darf? Wir fragten die Verwaltung und bekamen als Antwort: Keine Ahnung! Wer das gigantische Wachstum finanzieren wird? Etwas über die Patente, die diesen Durchbruch sichern? Über die Verbindung zwischen BFO und dem Immobilienentwickler Friedrich Oesterle, in dessen Räumen die BFO residiert und der zufällig Aischbach II entwickeln soll? Kennt Ihr die drei BFO Firmen (BFO- GmbH, eine BFO-Mobility und eine BFO Consulting) und wisst, welche Rollen sie spielen? Habt Ihr Euch deren Bilanzen angeschaut (wir schon, die Fragezeichen wurden größer)? Wusstet Ihr vor letztem Wochenende, welche Handwerker mit dringendem Bedarf auf der Warteliste für Aischbach II stehen? Wusstet Ihr, dass drei große Handwerker jüngst Tübingen verließen, weil sie – entgegen Palmers Aussagen – keinen Platz fanden? Wollt Ihr in allen Gewerbegebieten massive Wohnbebauung oder nur hier für BFO bzw. das Immobilienprojekt Oesterle? Die Tübinger Liste macht Hausaufgaben gründlich und wartet auf Antwort.”

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Auskunft aus dem Hause BFO:

“Der Preis für Flynn wird bei ca. 1300 € liegen aber ganz genau können wir das noch nicht sagen. Erhältlich wird Flynn im Frühjahr 2019 sein, genauere Infos wann und wo folgen dann auf der Website. Was die Verkehrszulassung betrifft, ist es momentan noch nicht legal in Deutschland, einen E-Scooter zu fahren. Jedoch wurde hierfür bereits ein Gesetz zur Zulassung beschlossen, das Inkrafttreten erwarten wir entweder noch in diesem Jahr oder Anfang 2019 – von daher sollte dann auch das letzte Fünkchen geklärt sein, was einen aktuell noch daran hindert, E-Scooter zu fahren.

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen. Bei Fragen, können Sie sich gerne wieder an uns wenden.

Mit freundlichen Grüßen/ Best regards
Marie Schmidt
Marketing Managerin
Mobil: +49 (0) 151-143 447 46
E-Mail: marie@go-flynn.com
Web: www.go-flynn.com

BrakeForceOne GmbH | Gartenstraße 107 | 72074 Tübingen
BFO Mobility GmbH | Bismarckstraße 66 | 72072 Tübingen

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Thomas Unger sieht das so:

Grünäugig

Jetzt ist es raus. Welche Kräfte sind hier im Gemeinderat am Werk und verschachern ein ursprünglich für mehrere mittelständische Handwerksbetriebe geplantes Gewerbegebiet an einen angeblich wachsenden Betrieb aus der “Grünen”-Lieblingsbranche für lächerliche 2,2 Millionen Euro? Aber nicht nur das, nein, da werden auch noch andere Rahmenbedingungen dem Bewerber, der sonst mit Wegzug droht, brav angepasst, zum Beispiel ursprünglich getroffene Bebauungsgrenzen und -höhen mit einem Schlag verdoppelt von 9 auf 18,5 Meter Bauhöhe. Da durften bisherige Handwerksbetriebe maximal eine Werkswohnung mit bauen, das neue Unternehmen BFO aber 3200 Quadratmeter für eigene Mitarbeiterwohnungen vorsehen. Welche Möglichkeiten im angespannten Tübinger Wohnungsmarkt bietet das? (…)

“Die sehr wichtige Verknüpfung zwischen Arbeiten und Wohnen unmittelbar am Firmenstandort wurde in den Gesprächen von der Firma BFO als sehr wichtig herausgestellt” gilt hoffentlich auch für alle anderen Arbeitsplätze in Handwerk, Sozialbereich, in Tübingen. Warum jetzt in aller Eile und ohne vorherige intensive Prüfung so eine Entscheidung im Gemeinderat durchgeboxt werden musste, sollten SPD und Grüne den Tübinger Bürgerinnen und Bürgern auch hinsichtlich der anstehenden Wahlen im nächsten Jahr erklären.

Hoffentlich ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Tübingen (WIT) nicht so “grünäugig” und prüft die Empfehlung des Gemeinderats etwas objektiver und intensiver im Sinne aller Tübinger Unternehmen.

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Ivo Lavetti:

“Kurzsichtig

Im Tübinger Gewerbegebiet Aischbach II konkurrieren die Mobilitätsfirma BFO und Handwerker um knappe Gewerbeflächen. Aus Sicht der Verwaltung sind mit der geplanten Ansiedlung der Firma BFO in Aischbach II große Chancen für die Stadtentwicklung der Universitätsstadt Tübingen verbunden. Diese Sichtweise darf jedoch nicht den Blick auf die für eine Stadt wichtigen Handwerksbetriebe, welche auch die kommenden Generationen Handwerkerinnen und Handwerker ausbilden, außer Acht lassen. Im Gegensatz zur Firma BFO bieten die ortsansässigen Handwerksbetriebe in erster Linie einen Beitrag zur regionalen Versorgung.

Es widerspricht einer nachhaltigen Handlungsweise, wenn Tübingen, auf Grund einer kurzsichtigen Planung des Platzbedarfs für das Handwerk und der damit verbundenen Ausbildungsstätten, die Handwerker aus umliegenden Städten anfordern müsste. Wir wollen Handwerker, die Dinge reparieren und durch kurze Anfahrtswege bezahlbar arbeiten können, nicht aus unserer Stadt vertreiben. Nachhaltige Stadtentwicklung first!”

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