In der Metzgergasse soll eine Linde dem Spielplatz weichen

Eine der beiden 60 Jahre alten Linden soll für den Bau eines Spielplatzes an der Metzgergasse fallen. Wieder schüttelt man den Kopf über die angeblich so grüne Stadt Tübingen.

Anwohner bitten eindringlich um ein nochmaliges Nachdenken. Für eine der Linden müsste man Hunderte neue pflanzen.

Es sind zwar zwei Bäume, die zu eng gepflanzt wurden. Aber Bäume teilen sich jetzt eine gemeinsame Krone. Welche auch immer stehen bleiben dürfte, sie verlöre die andere Hälfte ihrer Krone und kann das auch in Jahrzehnten nicht wieder reparieren.

Dass der Platz im Augenblick verwahrlost wirkt, liegt nicht allein daran, dass Autos einfahren dürfen, sondern dass er nicht sauber gehalten wird. Wenn man nun in die Neugestaltung investieren will, muss die Pflege gewährleistet sein. Sonst wird es schlimmer als zuvor!

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Sabine Lohr vom Schwäbischen Tagblatt meinte dazu:
“Der kleine Platz in der westlichen Metzgergasse, zwischen Kartoffelladen und Künstlerbund, ist kein schöner Ort, um dort den Mittagsimbiss oder ein Eis auf einer der Bänke einzunehmen: Ständig parken Autos dort, und die wenig gepflegte Grünfläche in ihrem Betonbett wird von Katzen gerne als Klo verwendet, was den Imbiss- oder Eisgenuss auch nicht gerade steigert.Die Stadtverwaltung will diesen Platz nun nicht nur verschönern, sondern ihn für Kinder zu einer kleinen Attraktion machen.

Weil Wasser für Kinder eine enorme Anziehungskraft hat, soll der Platz nun Wasser bekommen. Und zwar eine Wasserpumpe, einen Wasserpilz und Wasserklappen, damit die Kinder “läppern” können, wie der Leiter des Fachbereichs Tiefbau Albert Füger in seiner Vorlage für den Planungsausschuss schreibt. Dazu soll ein kleines Trampolin kommen. Und auch neue Sitzbänke soll der Platz bekommen – rund um zwei Bäume herum und entlang des Platzes. Für all das muss allerdings der mittlere der drei Bäume weichen. Und auch die drei Anwohnerparkplätze fallen weg. Aber nicht nur der kleine Platz soll schöner werden: Die ganze Gasse zwischen Neue Straße und Lange Gasse wird umgestaltet. Die Straße bekommt einen Granitpflasterbelag mit Rinnen aus Rhätsandstein. Außerdem wird die Trafo-Station vor Gebäude Nummer 4 verlegt, und entlang der Gebäude 13 bis 15 sind Parkplätze für Fahrräder vorgesehen.

Die Autoparkplätze im westlichen Bereich der Metzgergasse fallen weg. Baubeginn soll im September sein, nach dem Umbrisch-Provenzalischen Markt. Wenn die Metzgergasse dann nach etwa vier Monaten umgestaltet ist, wird sie zur Fußgängerzone.Der Platz an der Metzgergasse bekommt zudem etwas, was auch die Erwachsenen freuen dürfte: einen Trinkwasserbrunnen. Früher waren derartige Brunnen üblich, und etliche davon gibt es noch in der Altstadt. Neueren Datums sind nur zwei – einer am Sternplatz, der aus einer Anwohnerinitiative entstanden ist und durch Spenden finanziert wurde, und einer an der Panzerhalle im Französischen Viertel. Bei beiden Brunnen gibt es einen Knopf. Wird er gedrückt, fließt Leitungswasser.

In der Metzgergasse soll der Trinkwasserbrunnen eine Steinstele sein. Und er soll nicht der einzige neue Trinkwasserbrunnen in der Stadt bleiben. Die Verwaltung hat sich umgeschaut und einige Orte entdeckt, an denen ausreichend Platz für einen solchen Brunnen ist, der dann auch nicht dem Denkmalschutz im Weg steht. Das ist etwa beim Clubhaus in der Wilhelmstraße der Fall, im alten Botanischen Garten zwischen der Ecke Wilhelmstraße/Silcherstraße und Nonnenhaus, auf dem Holzmarkt und später einmal auf dem neuen Busbahnhof. Der nächste Brunnen nach dem in der Metzgergasse soll beim Clubhaus aufgestellt werden.”

Sabine Lohr, Schwäbisches Tagblatt, 27. Februar 2018

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August Forster: Der Wert von Bäumen wird von den Städten immer unterschätzt.

„Der Nutzwert von Bäumen und ihre ästhetische Bedeutung in Städten wird unterschätzt. Bäume und Sträucher sind heute eine Selbstverständlichkeit, aber ihre Leistung und ihr Mehrwert für das Klima ist den meisten Politikern und Stadtbewohnern gerade in großen Städten gar nicht bewusst“, erklärte der Präsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), August Forster… Einige Kommunen würden den jährlich wiederkehrenden Tag zu Baumpflanzaktionen nutzen, um damit den Wert des Baumes wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken.

„Der überwiegende Teil der Kommunen kommt aber über Lippenbekenntnisse zur Bedeutung von Bäumen nicht hinaus. Das zeigt, wie wenig Städte und Gemeinden sich mit dem Thema Stadtgrün beschäftigen und wie niedrig der Stellenwert von urbanem Grün in den Rathäusern ist“, kritisierte Forster.
Dabei seien Bäume und Sträucher ein elementarer Bestandteil für ein besseres Stadtklima: „Bäume reduzieren die Feinstaubbelastung, bauen Kohlendioxid ab und sind der zentrale Sauerstoffproduzent.“ Eine 60-jährige Eiche in einem Stadtpark speichert 3.500 kg CO2 im Jahr, das entspricht laut Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (www.biodiversity.de) dem CO2-Ausstoß eines Mittelklassewagens mit einer jährlichen Fahrleistung von 24.000 km.

„Neben den Wirkungen für das Stadtklima erhöhen Bäume und Stadtgrün die Attraktivität von Stadtquartieren und schaffen ökonomisch und kulturell einen Mehrwert“, betonte Peter Menke, Vorsitzender des Vorstands der unter anderem vom BGL getragenen Stiftung DIE GRÜNE STADT. „Investitionen in Asphalt und Beton mögen bisweilen unausweichlich sein, aber Asphalt und Beton atmen nicht. Grün dagegen sorgt für Leben. Darüber müssen sich die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung bei Investitionsentscheidungen wieder bewusst werden“, sagte Forster.”

bauhof-online.de

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