HagellochColl

Mai 2014

Hätten Sie es gewusst: mit 440 m ist Hagelloch Tübingens höchster Teilort, höher als Pfrondorf. Welcher Tübinger kennt diesen heimeligen Ort nicht, sei es von einer Wanderung vom Heuberger Tor am Schönbuchrand entlang oder von der “Durchreise” zu einem deftigen Vesper in Hohenentringen.

Hagelloch steht mit seinen 1700 Einwohnern gut da. Es hat Kinderhaus, Grundschule, funktionierende Läden, eine Kreissparkassen-Filiale und seit neuestem sogar ein Geburtshaus, das drei unternehmerische Hebammen eröffnet haben. Die Vereine blühen: der TSV hat 700 Mitglieder und betreut 400 Kinder und Jugendliche -auch von außerhalb- in seinen Programmen. Der Musikverein ist für sein Spitzen-Niveau weithin bekannt, die musizierenden Kinder kommen auch aus Tübingen.

Am Rathaus erwarteten uns: Ortsvorsteher Martin Lack, Jürgen Christner (seit 25 Jahren Ortschaftsrat), Emmerich Reutter, Christian Reutter und Helmut Denneler. Sie möchten nirgends lieber leben als in ihrem Hagelloch.

Wirtschaftlich geht es in Hagelloch eher ländlich-sittlich zu, da es nicht über grössere Gewerbeflächen verfügt. Kleinere Handwerksbetriebe gehören seit jeher zum Ort und die Hagellocher freuen sich, dass sich wieder eine Zimmerei angesiedelt hat und demnächst ein Jung-Metzger sein eigenes Geschäft eröffnen will. Kreisrat Christian Reutter, seit 25 Jahren im Ortschaftsrat, ist der letzte Vollerwerbslandwirt. Daneben gibt es noch die rührige Schäferei Fritz. Zum Ausgleich für die Begrenzung von Handel und Gewerbe wurde Hagelloch in das Förderprogramm des Landes “Entwicklungsgebiet Ländlicher Raum (ELR)” aufgenommen. Hieraus werden Entwicklungs-Initiativen Privater mit verlorenen Zuschüssen gefördert. Das eine und andere Projekt ist bereits in der Umsetzung.

Hagelloch, bis ins 19. Jahrhundert bettelarm trotz des anerkannten Fleißes seiner Einwohner, wurde ab den 1980er Jahren als eine der schönsten Wohnlagen Tübingens erkannt. Die eher städtisch gesonnenen Neubürger in den zwei Neubaugebieten und einigen modernen Bauten im Ortskern mussten sich an den Hahnenschrei oder die “Geruchsemission” eines Hasenstalls erst gewöhnen. Wenn allerdings Klagen gegen einen bereits genehmigten Sportplatz vor Gericht siegen, schütteln die Hagellocher verständnislos den Kopf.

Auch eine andere Sorge bewegt sie: bei stagnierender Bevölkerungsentwicklung und der Sogwirkung des nahen Tübingen ist der Erhalt der Infrastruktur immer wieder Thema.
Hagelloch hat innerörtlich nur noch zehn Baulücken, aber ein Baugebiet von 1,1 Hektar in der Hinterhand, auf dem hoffentlich bald 40 Bauplätze ausgewiesen werden. Diese sollen vorzugsweise an Ortsansässige gehen. Der Hagellocher Ortschaftsrat befürwortet den Zwischenerwerb durch die Stadt.

Ein Klagelied, das wir auch in anderen Teilorten schon vernommen hatten, sind die unendlich langen Bearbeitungszeiten bei den städtischen Behörden, von denen sie abhängen. Da scheint sich Tübingen selbst am nächsten… Entscheidungen über nebensächliche Details könnten im Ernstfall Jahre dauern, da helfe alles Bitten und Betteln nichts.

Stolz sind die Hagellocher auf ihre unerschöpfliche “Fronarbeit”, sprich Eigeninititative. Schon vor über 10 Jahren wurden zwei Spielplätze von 60 Freiwilligen in Wochenendarbeit umgekrempelt und neu angelegt, die Finanzierung kam halbe/halbe von Stadt und Bürgern. Seither ist dies als “Hagellocher Modell” im weiten Umkreis bekannt. Auf der Turn- und Festhalle ist eine Bürger-Solaranlage installiert, die 12 Hagellocher finanziert haben. “Hagelloch ist selbst gemacht”, meint Martin Lack schmunzelnd zum Abschied.

Es danken von der TÜBINGER LISTE: unser Neu-Hagellocher Kandidat Paul Janosch Ersing, Oliver Kiefer, Ernst und Christa Gumrich, Ulrich Kurz und Reinhard von Brunn.

Mit diesem Bericht beschließen wir unsere acht Ortsrundgänge fast einen Monat vor der Gemeinderatswahl. Zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten der TÜBINGER LISTE konnten sich aus erster Hand über Wohl und Wehe unserer Teilorte informieren. Wir danken unseren Gastgebern ganz herzlich und versprechen ihnen, dass wir auch nach der Wahl immer ein offenes Ohr für sie haben werden.

Eine zusammenfassende Auswertung der Rundgänge folgt in Kürze. Ihr “Ortsschreiber” Reinhard von Brunn.

Diesen Beitrag teilen