25. Oktober 2018

Wie “ehrlich” ist die Autoindustrie?

Es ist bemerkenswert, wie viel Vertrauen in die ansonsten vielgescholtene Autoindustrie und Politik bei der Diskussion über Alternativen zur Regionalstadtbahn zutage tritt, vor allem bezüglich Elektrofahrzeugen und autonomem Fahren.

Bei keinem dieser Themen hat die Autoindustrie belastbare Zeitpläne, bis wann diese Technologien flächendeckend und wirtschaftlich erschwinglich verfügbar sein werden. Man hört von “in fünf Jahren”, aber es sollten ja auch mal bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straße fahren, mit finanzieller Unterstützung durch die Politik; und was ist daraus geworden? Am 1. Januar 2018 gerade mal knapp 54000 Fahrzeuge, und nimmt man die Hybride dazu, immer noch unter 100000 (Quelle: Kraftfahrtbundesamt). Zum Vergleich: Es gibt etwa 46,5 Millionen Pkw in Deutschland, also 0,1 Prozent E-Autos. Wenn das bisherige Wachstum im gleichen Tempo weitergeht, dauert es über zehn Jahre, bis der Anteil bei 10 Prozent liegt.

Zudem werden nach und nach die Nebenwirkungen der Elektromobilität bekannt: lokal saubere Luft ja, aber mit welcher Umweltbelastung die Energie hierfür erzeugt wird, wird gerne ausgeblendet. Ebenso die unmenschlichen Förderbedingungen für viele der Rohstoffe, die zur Batterieherstellung in immer größeren Mengen benötigt werden. Wenn die Autoindustrie bei der E-Mobilität auch nur annähernd so “ehrlich” ist wie bei der Dieselabgas-Hard- und -software, dann möchte ich mich auf diese Technologie nicht verlassen. Und es ist auch sehr fraglich, ob sie unter ökologischen und ethischen Gesichtspunkten zu Tübingen passt.

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