…sondern ist eine großartige Dachdeckerin, ein fabelhafter Facharbeiter, eine zuverlässige Krankenschwester, ein begabter Dreher, eine findige Installateurin. Was bitte fangen wir mit 80% Abiturienten an?

Kaum wurde die Walter-Erbe-Realschule zu Grabe getragen, da spielt Grün-Rot schon mit der Vision einer gymnasialen Stufe der Gemeinschaftsschule in den leer gedachten Räumen. Doch das bringt den Schülern gar nichts: Sie müssen trotzdem die Schulorte wechseln und bekommen kein schnelleres Abitur, zudem noch eins mit „Geschmäckle”. Außerdem gefährdet diese Neuerung die bewährten beruflichen Gymnasien. Und teuer wird es obendrein.

Wir brauchen definitiv keine gymnasiale Oberstufe für die Gemeinschaftsschule (GMS). Der Anteil der “gymnasialen” Kinder in der GMS nimmt seit der Abschaffung der Grundschulempfehlung eher ab, außerdem fehlen Gymnasiallehrer, die an den GMS unterrichten (wollen).
Es wird viel zu wenig darüber gesprochen, dass die GMS in einem de facto jetzt zweigliedrigen Schulsystem vor allem die Aufgabe hat, die Schüler zu einem mittleren Bildungsabschluss – und die Betonung liegt dabei auf Abschluss – zu führen. Das hat die bisherige Realschule ganz wunderbar geleistet. Aber wahrscheinlich merken die Tübinger das erst, wenn es  keinen Handwerker mehr gib, der die Heizung reparieren oder ein Dachfenster einbauen kann.

Einige weitere Argumente:

  • Der Schulentwicklungsplan 2013 sieht vor: „Schüler an Gemeinschaftsschule, die das Abitur anstreben, werden dies an einem allgemein bildenden Gymnasium ablegen.“
  • Gymnasien haben keine Vorbehalte, Schüler aus der GMS aufzunehmen und in bestehende Klassen zu integrieren.
  • Eltern der Gemeinschaftsschule wollen ihren Kindern bewusst mehr Zeit geben, daher ist die G9-Lösung, die man beim Wechsel ins Gymnasium hat, kein Verlust eines Jahres,(Wechsel nach Klasse 10 GS in Klasse 10 Gymnasium), sondern eine logische Folge und letztlich gewollt, da Lerninhalte aufgeholt werden müssen.
  • Bereits jetzt fehlen in der GMS Lehrer in Sekundarstufe 1, d.h. eine frühzeitige Vorbereitung auf Sekundarstufe 2 ist nicht ausreichend gewährleistet.
  • An den Gemeinschaftsschulen werden in den zwei Jahren der
    Sekundarstufe 2 die gleiche Taktung, dieselben Klausuren vorgeschrieben wie an Gymnasien, auch dieselbe Abiturprüfung abgelegt, – welchen Mehrwert haben dann GMS-Schüler mit einer eigenen gymnasialen Oberstufe?
  • Sie werden von verschiedenen Orten (Rottenburg, Mössingen, Tübingen) zusammen gezogen: andere Lehrer, Mitschüler, anderer Ort. Wo ist der Vorteil?
  • Bereits 70% der Tübinger Kinder gehen aufs Gymnnasium. Kämen noch 116 von der GMS dazu, hätten wir eine Abiturientenquote von 80%.

Auszug aus dem Schulentwicklungsberich 2013, S. 95:

6.2.2 Übergänge von der Gemeinschaftsschule an die gymnasialen Oberstufe
“Mit der Einrichtung der Gemeinschaftsschulen ist die Erwartung verbunden, dass zukünftig mehr Schülerinnen und Schüler höhere Schulabschlüsse erreichen können, insbesondere Kinder aus bildungsfernen oder sozial benachteiligten Familien. Wird das Abitur angestrebt, kann ab Klasse 10 in die Oberstufe eines allgemeinbildendes Gymnasiums gewechselt werden oder in ein berufliches Gymnasium. Theoretisch ist es möglich, dass Gemeinschaftsschulen eine gymnasiale Oberstufe anbieten, wenn sie genug Schüler haben.

Tübingen allerdings bietet mit fünf allgemeinbildenden Gymnasien und fünf beruflichen Gymnasien eine Kapazität von 900 Plätzen je Altersjahrgang. Bei der Planung der Gemeinschaftsschulen wurde davon ausgegangen, dass Gemeinschaftsschülerinnen und -schüler, die Abitur machen möchten, an eines der allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasien wechseln werden. Das Angebot in der gymnasialen Oberstufe ist in Tübingen stark ausdifferenziert. Nach heutiger Abschätzung werden ca. 50 Schülerinnen und Schüler an die allgemeinbildenden Gymnasien wechseln.

Dabei verteilten sie sich auf 20 und mehr Oberstufenzüge an den Tübinger allgemeinbildenden Gymnasien. Dafür sind ausreichende Platzkapazitäten vorhanden. Gewünscht und konzeptionell vorgesehen ist eine Kooperation zwischen Gemeinschaftsschule und Gymnasium schon ab Klassestufe 5, damit die Gemeinschaftsschulen das gymnasiale Profil überzeugend und passgenau anbieten können. Auf der Ebene der Stadt wie auf der Ebene des Landes gilt es, Modelle zu entwickeln, damit der Übergang von der Gemeinschaftsschule in eine zur Hochschulreife führende Schule gelingen kann.

Im Schuljahr 2016/2017 werden die ersten Gemeinschaftsschülerinnen und -schüler die Klassenstufe 9 erreichen, in der sich die Frage nach Berufsorientierung und angestrebtem Bildungsabschluss konkret stellen wird“.

 

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