Nun ist es offiziell: Für die Stadtbahn müsste die Mühlstraße für den Pkw-Verkehr komplett gesperrt werden. Das Dumme ist nur, dass sich dann immer noch täglich 2000 Busse und 160 Stadtbahnzüge, 7000 Radfahrer und etwa 12000 Fussgänger den knappen Raum auf dieser wichtigsten Tübinger Nord-Süd-Achse streitig machen werden. Und die Lkws mit ihren Getränkekisten für derzeit sechs Gastro-Betriebe, Handwerker-Fahrzeuge, Gerüste und Patienten-Taxis werden den Fußweg mit seinem Pseudo-Radstreifen genau so blockieren wie heute.
Busse können Radfahrer schon jetzt im Begegnungsverkehr nicht überholen. Stadtbahnen sind weder kleiner noch wendiger. Das hoch gelobte Karlsruhe legt seit Jahren die Kaiserstrassen-Schienen wegen zu hoher Verkehrsdichte und Kollisionen für 1,1 Milliarden Euro (!) in einen Tunnel. Mainz hat die abschüssige Gaustrasse wegen schwerer Unfälle mit der Stadtbahn für den Radverkehr gesperrt. Was zählen solche Erfahrungen in Tübingen?
In der Mühlstrasse lägen 4 Schienenstränge im Mischverkehr zwischen Bahnen, Bussen und Radlern. Bei Regen wie Schmierseife, ideal zum Abrutschen und Verkanten. Wo bleibt der Aufschrei von  ADFC und VCD? Schleierhaft, wie sich ein seriöses Planungsbüro über alle örtlichen Beschränkungen und Gefahren hinwegsetzt. Alles machbar? Auch nordwärts einer verbreiterten Neckarbrücke? Für mich ist die Mühlstrasse Endstation. Aus Werbefilmchen lässt sich die Wirklichkeit weg retuschieren, aus dem kritischen Hinterfragen durch uns Tübinger nicht.

Reinhard von Brunn im Schwäbischen Tagblatt vom 19. Oktober 2018

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