Unser Fraktionsvorsitzender Ernst Gumrich fasste am 19. Oktober seine Rad-Erfahrungen aus Kopenhagen zusammen. Das Schwäbische Tagblatt druckte sie in der “Mittwochspalte”.

“Etwas kopenhagen-er

Fünf aus der Verwaltung und fünf aus dem Gemeinderat wollten in Kopenhagen wissen: Was machen die besser beim Radverkehr? Vor allem aber: Wie schaffen wir so etwas auch in Tübingen? Überraschende Antwort: Ohne Ideologie und Feindbilder! Der Vorsitzende des dänischen Radverbandes fasste es so zusammen: “Ich bin mehrere Male in der Woche Autofahrer, oft Fußgänger und sehr oft Fahrradfahrer. Ich kann doch nicht gegen einen Teil von mir sein. Ich muss allem seinen Raum geben.” Da hört der dänische Pragmatismus noch nicht auf. Gerade wurden die Kopenhagener gefragt, weshalb sie so gerne Rad fahren. Weil es bequem, schnell, sicher, gesund und günstig ist. Die typisch deutschen “Rettet unseren Planeten”-Belehrungen oder die Schmähung der Autos empfinden Dänen als Unsinn.
Bei allen Unterschieden zwischen beiden Städten lassen sich aus der Reise – neben vielen spannenden Details – vielleicht fünf Lehren ziehen:

1. Für mehr Radverkehr muss die Sicherheit spürbar werden. Objektive Sicherheit reicht nicht. Mehrfach hörten wir den Satz: “Fragt Euch überall, ob sich dort eine Mutter mit ihrem Kind – beide auf dem Rad – sicher fühlen würde?”

2. Das Sicherheitsgefühl wird vor allem durch die konsequente Beseitigung tausender kleiner Störungen und Engstellen erreicht. Da hapert es doch in Tübingen?

3. In Kopenhagen weiß man immer, wie ein Radweg läuft und weitergeht. Wo man das nicht auf Anhieb erkennt und es dadurch gefährlich würde, ist der Radweg grell hellblau auf die Fahrbahn gemalt.

4. In der Hierarchie der Bevorrechtigungen wurde der Bus hinter dem Fahrrad eingeordnet. Bei uns steht der Bus über allem. Wir sollten das überdenken!

5. Die Fahrradfahrer halten sich recht genau an die Regeln des Straßenverkehrs. Die wichtigsten Handzeichen gibt jeder. Ampeln werden respektiert. Solche Radfahrer sind hier undenkbar? Dann sollten wir das ändern: Sie müssen sich an die Regeln halten, sie müssen wie alle anderen Verkehrsteilnehmer überwacht und sanktioniert werden. Auf sicheren Radwegen fällt Radfahrdisziplin übrigens viel leichter.

Lasst uns gemeinsam, hartnäckig, mit Liebe zum Detail und mit ausreichend Geld unsere Radwege so verbessern, dass viel mehr Leute auf das Rad umsteigen: Freiwillig, weil es sicher, schnell, bequem, günstig und gesund ist. Beim Tübinger Themenabend “Mobilität 2030″ heute um 19 Uhr im Lamm gibt´s mehr zum Thema. ”

Ernst Gumrich, Tübinger Liste

Eine andere bebilderte Zusammenfassung von Christoph Joachim, Fraktionsvorsitzender von AL/Grüne finden Sie hier

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