Ein Pirol in Hohenentringen! Gesichtet am 11. Mai 2015. Es lohnt sich, den Botanischen Garten zu besuchen und die Gedichte im Arboretum zu lesen. Alles kostenlos!!!
Und es ist einfach schön, den Steinenberg hinauf zu wandern, oder in den verschwiegenen Rammert. Genießen wir die öffentlichen Freiflächen, die es in anderen Ländern gar nicht gibt!

Unbeeindruckt von leeren offiziellen Versprechungen pflegen Privatleute in Tübingen ihre Gärten. Da blüht und grünt es um die Wette. Ja, Garten macht Arbeit, aber Garten macht auch glücklich. Das ist bewiesen.

Doch es gibt auch eine stylische Variante aus der Gartenstraße(!), garantiert grünfrei, arbeitssparend und dem Klimawandel vorauseilend. Sie passt recht gut zum aktuellen Bauboom in Tübingen: Kies und Schotter vor Betonburg – sollte das der Vorbote für die verhießene städtische Gartenschau sein?

1502Steingarten

************************

Nur das eigene Erleben schafft Verständnis

Immer mehr Kinder und Jugendliche wachsen in Stadtwohnungen ohne Garten auf. Die Verdichtung der städtischen Räume fordert dieses Opfer. Zum Ausgleich werden die Schulen angehalten, grüne Klassenzimmer, Schulgärten, lebendigen Biologie-Unterricht, Projektwochen und Experimente anzubieten.
Kleine bunte nette Faltblätter und interessante Hinweise auf der städtischen Internet-Seite erreichen die Kinder nicht. Und wenn die Informationen und Appelle zum Klima- und Naturschutz überhaupt in ihre Hände gelangen, so finden sie sehr selten den Weg in ihr Herz.
Nur aus emotional positiv belegter sinnlicher Erfahrung lernt man gern. Zum Beispiel, wenn ein selbst gesätes Radieschen rot und rund aus der Erde ragt, eine reife Tomate erstaunlich süß schmeckt, eine Blüte duftet. Wenn eine Amselmutter vor unseren eigenen Augen ihre Jungen spazieren führt, ein Igel mit leisem Schnaufen seine Abendrunden durch die Büsche dreht.

Die Zeiten, in denen Stadtkinder meinten, die Milch stamme aus dem Aldi-Regal und die Kühe seien lila, sind glücklicherweise vorbei, aber die Naturferne ist geblieben. Gemeinschaftsgärten in Schulen können ein EIGENES Beet nicht ersetzen. Selbst säen und ernten, beobachten, wie intelligent eine Pflanze wächst, wie sie auf Zuwendung reagiert, wie sie eingebettet ist in ein vernetztes System von physikalischen, chemischen und kosmischen Prozessen, mit Augen, Ohren, Gaumen, Nasen und Händen erleben, das ist mit NICHTS zu ersetzen.

Aber, könnte man sagen, es gibt doch Urban Gardening, die Bunte Wiese, die Naturschutz-Vereine! Ja, auch in Tübingen gibt es Ansätze für solche löblichen privaten Initiativen. Aber die vielen Mieter einkommensschwacher Schichten finden zu ihnen nur Zugang, wenn sie langfristig an der Hand genommen werden, denn die Mitarbeit in Gemeinschaftsgärten erfordert ein gewisses Maß an Freizeit, Abstraktion, Bildung und Verzicht auf selbst gesteuerten Vorteil. Die Familien, deren Kinder nur ein bettgroßes Zimmer und einen ebenso kleinen Balkon als Auslauf haben, brauchen keinen Aufruf zum Ehrenamt. Ihr soziales Engagement ist zu Hause abgedeckt.

Deshalb sind Kleingärten so wichtig. Im Tübinger Rathaus wurde nach Hunderten von Anfragen von Pacht-Willigen die Warteliste einfach geschlossen. Die Bahn hat Gelände für ihren Betriebshof reklamiert und viele jahrelange Gartenpflege vernichtet, das Güterbahnhof-Areal fiel lukrativen Bau-Aktivitäten zum Opfer, die Idyllen an der Rosentalstraße in der Weststadt müssen wahrscheinlich einer Straßenverbreiterung weichen. Die Stadtplanung hat bis heute nicht begriffen, welche Bedeutung diesen oft als „Grillplätze” geschmähten kleinen Parzellen für die kommende Generation haben. Die wenigen Bach-Gärtlein im Mühlenviertel oder die Gemeinschaftshöfe im Französischen Viertel oder in der Alten Weberei können den Bedarf nicht befriedigen und schaffen oft zusätzliche Koordinationsprobleme, die jede positive Emotion im Keim ersticken.
Individuelle Gärten kommen in Neubau-Gebieten kaum vor. Zu spießig? Zu teuer?

So teuer können Kleingärten gar nicht sein, denn hier läuft eine Rechnung auf, die verspricht in der Zukunft immer teurer zu werden. Denn Kinder, die nie ein Verhältnis zu Pflanzen, Gewässern, zu Insekten und anderen Tieren entwickeln durften, werden als Erwachsene acht- und mitleidslos mit der Natur umgehen. Wollen wir das wirklich?

Diesen Beitrag teilen