Gartenschau: Träumen erlaubt bis 20. Juli 2019

Diese Meldung haben wir uns seit zehn Jahren gewünscht, zunächst als einzelne Bürger, dann als Initiatoren der Tübinger Themen, und seit fünf Jahren als Tübinger Liste. Denn eine Gartenschau bietet mehr als nur Blümchen. Sie hilft einer Kommune, Fuß-Wegebeziehungen neu zu denken, aufzuwerten und zu sanieren. Trockenmauern können gepflegt und wieder aufgebaut werden, vernachlässigte Grünanlagen – und davon haben wir einige – erleben eine Renaissance. Eine Gartenschau kann der ganzen Stadt wieder ein frischeres Gesicht und ein gesünderes Selbstvertrauen geben.

Tübingen will sich für eine der Gartenschauen zwischen 2031 und 2035 bewerben.
Aus personellen Gründen hat die Verwaltung sie erst jetzt in Angriff genommen, obwohl der Oberbürgermeister die Gartenschau sogar als Wahlversprechen anno 2014 platziert hatte.

Inzwischen hat sich die Bauverwaltung Flächen angeschaut, die in Frage kommen könnten. Übrig blieben drei Flächen, die miteinander verbunden werden können: Der Saiben zwischen Derendingen und Weilheim, der Festplatz samt Neckar und der Schlossberg mit dem Aussichtspunkt Lichtenberger Höhe.

Weder die Nordstadt noch Lustnau oder der östliche Neckar kommen in Frage, weil die Umgestaltung der Neckarufer und der geplante Stadtteilpark schon vorher fertig werden sollen und so nicht mehr als Gartenschau-Projekte eingereicht werden können. Außerdem ist das Gebiet zu klein. Ausgeschieden ist auch die Weststadt mit dem Ammertal, weil eine Gartenschau schlicht zu viel fürs Ammertal wäre.

Bei den Weilheimer Wiesen und dem Saiben dagegen seien „die Eignungskriterien umfänglich erfüllt“. Im Saiben sollen Wohnungen entstehen, der Schelmen in Weilheim ist für Gewerbe vorgesehen – und die Fläche dazwischen biete, in Verbindung mit dem Festplatz, dem Fußballplatz, dem Freibad, einem möglichen Hallenbad und dem Neckarufer „ideale Voraussetzungen“ für eine Landesgartenschau. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es auch (die Regionalstadtbahn und Busse), neue Radwegverbindungen und die ökologische Aufwertung verschiedener Bereiche sind bereits geplant. Außerdem sind der Anlagenpark, der Bahnhof und der neue Busbahnhof nicht weit entfernt, weshalb auch sie in die Landesgartenschau integriert werden könnten. Allerdings wird die neue „Baumwipfel-Brücke“ von der Südstadt zum Wildermuth-Gymnasium nur für Radfahrer freigegeben. Sie wäre eine optimale Fußweg-Verbindung zur Altstadt.

Im Sommer 2020 wird entschieden.

Der Schlossberg mit dem Aussichtpunkt und dem Bismarckturm könnte, so heißt es in der Sitzungsvorlage für den Planungsausschuss, „sehr gut einbezogen“ werden. Wege vom Neckartal zum Aussichtspunkt und „weitere Verbindungen zu Schloss und Altstadt würden diesen Teilraum stärken.“

Kriterien für eine Landesgartenschau 

Das Land fördert eine Landesgartenschau mit der Hälfte der Investitionskosten, höchstens jedoch mit 5 Millionen Euro. Dafür hat sie aber Kriterien aufgestellt, die erfüllt werden müssen. Dazu gehören unter anderem die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität durch die Schaffung von Grün- und Freiflächen, eine Fläche von 10 bis 15 Hektar, die Beseitigung „standortspezifischer Missstände“, eine breite Bürgerbeteiligung, die Anbindung ans Verkehrsnetz und die ökologische Aufwertung. Außerdem müssen alle städtischen Projekte inhaltlich und räumlich mit der Gartenschau verbunden sein. Zwischen 2031 und 2035 soll es zwei Landesgartenschauen geben, 2032 und 2034. In den anderen Jahren gibt es „Kleine Landesgartenschauen“.

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