Im Lustnauer Neckartal sollen Gewerbeflächen erschlossen werden:

  • 2,6 Hektar „Vor dem Großholz“, die sich östlich an den Hornbach-Markt anschließen,
  • 5,2 ha in den Traufwiesen, zwischen B 27 und Waldrand
  • 12,2 ha im westlichen Teil des  großen Wasserschutzgebiets „Au“ (angrenzend an Möck).

Die Stadtwerke hatten bisher mehrere Brunnen in diesen Gebieten als Trinkwasser-Reserve vorgehalten. Denn ein Viertel des Tübinger Trinkwassers wird aus Brunnen im Neckartal gewonnen, drei Viertel kommen aus dem Bodensee. Sollte die Wasserversorgung aus dem Bodensee ausfallen – etwa durch einen Terroranschlag, einen Flugzeugabsturz oder andere Verunreinigungen – könnte Tübingen sich durch seine derzeit betriebenen sowie die Reservebrunnen vollständig selbst versorgen. “Die Brunnen im Neckartal sind für die Trinkwasserversorgung unabdingbar. Hier können keine Kompromisse zugunsten neuer Gewerbeflächen gemacht werden”, so Cornelia Szelényi, Sprecherin der Stadtwerke Tübingen.
Rose Bienia sieht das “blaue Gold” in Gefahr und schreibt an das Schwäbische Tagblatt:

Das blaue Gold

Ein dickes Lob an das “Studium Professionale”-Seminar der Universität! Unbefangene kluge Student(inn)en legen den Finger in die Wunde, analysieren und haben durchaus Alternativen zu bieten.
Wunde: Das Gebiet der Neckartalbrunnen als Teil und Reserve unserer Trinkwasserversorgung soll angetastet werden (Gewerbegebiete). Analyse: Gewerbegebiete gab es, sie wurden schleichend dezimiert in Tübingen, weil sie (zahlreich) in Wohnbebauung umgewidmet wurden. Lösung: keine Gefährdung unserer wertvollen Wasserreservoirs, sondern Kooperation statt Konkurrenz mit den Nachbarorten (wie beim Tech-Park). Denn wer je in Frankfurt Leitungswasser trank, weiß erst das blaue Gold Tübingens zu schätzen.

Es gäbe Stoff für weitere Seminare: Warum wird der Bau von Studentenwohnungen Investoren überlassen? Was ist mit dem Studentenwerk, das sich auf die Fahne geschrieben hat, einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung von Chancengleichheit zu leisten? “Nur durch preiswerte Verpflegung, ausreichend und bezahlbaren Wohnraum . ist ein erfolgreiches Studium, unabhängig von der sozialen Herkunft, möglich.” (Satzung) Diskussionswürdig sind etwa die rentablen Studentenappartements des Investorenprojekts “Lustnauer Mühle”.

Die Initiative Lustnau-Tal geht seit über einem Jahr gegen den Bebauungsplan im ausgewiesenen Hochwasserabflussgebiet vor. Mogelpackungen des B-Plans werden ignoriert, es wird taktiert und weitergemacht. Die Klausurtagung des Ortsbeirats Lustnau zum Thema wird eine Woche vor Weihnachten durchgedrückt. Unantastbar ist im Bebauungswahn gar nichts mehr – noch nicht einmal Trinkwasser-Brunnen. Wann, wenn nicht jetzt, ist die Grenze des Ausmostens erreicht?

Rose Bienia, Lustnau

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