Ganz trockenes Brot, nur etwas für wirklich Interessierte

von Ernst Gumrich

Die Stadt hat sich ein Kostendämpfungsprogramm über fünf Jahre verordnet. Das forderte auch der Gemeinderat, denn wenn die Kosten der Gemeinde höher werden als die Einnahmen, bekommen ALLE Probleme. Die von uns als Gedankenspiel angefertigte Grafik zeigt, dass wir die letzten Jahre einfach riesiges Glück hatten. Schneidet die obere Einnahmenkurve nämlich die Kostenkurve, dürfen wir noch nicht einmal mehr Schulden machen, dann müssen wir sofort freiwillige Leistungen streichen. Und das tut weh. Bürger und städtische Angestellte spüren es sehr unmittelbar. Dann muss plötzlich “geschnitten” werden.

 

Letzte Woche stellte die Verwaltung zum ersten Mal ein Kostendämpfungs-Programm vorgestellt. Wir lobten viele der Maßnahmen, denn sie stellen sinnvolle Einsparungen dar: Entweder

A) werden dadurch Abläufe optimiert, um die gleichen Leistungen mit weniger Aufwand zu erzielen (sog. “Prozessoptimierung”) oder

B) Leistungen werden überprüft, ob sie wirklich erforderlich sind (sog. “Aufgabenkritik”).

Es darf ja nicht darum gehen, Kosten durch stärkere Belastung der Mitarbeiter zu senken. So machen es leider sehr oft Unternehmen in Not und verschlimmern die Lage damit. Viele Bereiche in der Verwaltung haben gute Vorschläge erarbeitet, die wirklich (A) oder (B) erreichten. Das lobten wir ausdrücklich.

Der Artikel des Schwäbischen Tagblatts vom 22. November  (http://www.tagblatt.de/…/Verwaltung-spart-bei-sich-selbst-G…) zitiert uns nur mit den kritischen Anmerkungen. Wir merkten zum Beispiel an, dass einige Maßnahmen keine echten Einsparungen sind: Wenn man sich bloß die positiven Bewegungen bei Einkaufs- und Marktveränderungen als Einsparung anrechnet, reine Mitnahmeeffekte (z.B. der Kreis zahlt höhere Anteile an Kosten) dazuzählt oder die Kürzung ohnehin in den letzten Jahren nie ausgeschöpfter Budgets für “Kostendämpfung” hält, dann macht man sich etwas vor. Damit begibt man sich in die Gefahr, “sich selbst etwas in die Tasche zu lügen”. Dadurch gehen die beiden Kurven eben nicht auseinander.

Außerdem ist das intern in der Verwaltung ungerecht: Manche Bereiche ersparen sich den anstrengenden Weg, die eigenen Abläufe und Leistungen wirklich genau anzuschauen, die Aufgaben anders zu erledigen, die Aufgaben anders zu verteilen. So etwas ist immer sehr anstrengend. Stattdessen machen sie sich mit angeblichen “Einsparungen”, die das nicht wirklich sind, einen zu schlanken Fuß.

Das mutiert dann zum schlechten Vorbild, und schrittweise suchen andere auch nur noch diese schmerzlosen “Einsparungen”. Hinterher wundern sich alle, dass trotz so vieler “Maßnahmen” die Kostenkurve nicht abflacht. Das muss sie aber, sonst landen wir in naher Zukunft bei einer Abflachung der Konjunktur und Steuereinnahmen an diesen “Schnittpunkt” der beiden Kurven.

Dann müssen wir sofort Kosten und befristete Stellen über Nacht “abschneiden”. Sehr schmerzhaft! Alle haben die Verantwortung, das rechtzeitig zu verhindern. Wenn man gerade im Geld schwimmt, ist es allerdings schwer mit dieser Botschaft im Gemeinderat durchzudringen. Ein Blick auf die Sägezahnkurven der Konjunktur zeigt aber: Es gibt manchmal längere Aufschwungphasen. Der Abschwung kommt aber regelmäßig und immer “völlig überraschend”. Und dann sind es meist nicht so harmlose Seitwärts-Entwicklungen wie 2014-2015. Normalerweise geht es da richtig in den Keller. Und wir bekämen, wie man gut an der Grafik sieht, schon bei einer Seitwärtsbewegung der Konjunktur in Schwierigkeiten!

Diesen Beitrag teilen