Hirschau ist ein leistungsstarkes Gemeinwesen, das sich eigentlich selbst versorgen könnte. Meint Ortsvorsteher Ulrich Latus. Hirschau hat 3400 Einwohner, im Neubaugebiet werden 300 weitere Personen erwartet. Es gibt 1000 Arbeitsplätze im Gewerbe- und Industriegebiet.

Hirschau füttert Tübingen mit einem großen Gewerbesteueraufkommen und würde das auch gern honoriert bekommen. Das wurde deutlich beim Rundgang der Tübinger Liste mit Bürgern und Mitgliedern des Ortsbeirates in Hirschau. Bei frostigen acht Grad und Nieselregen führte Ortsvorsteher Latus die Fraktion durch den Ort.

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Foto oben: Schwäbisches Tagblatt vom 17.03.2016

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Hier eine Zusammenfassung der Ortsbegehung in Hirschau am 26. April 2017, 17 bis 19 Uhr

Die Prioritäten 

  1. 2017 Beginn Bebauungsplan Grabenstraße Wohnflächenentwicklung (und Erwerb der Grundstücke, Gelder sind im Tübinger Haushalt eingestellt)
  2. 2017 Reparatur Überdachung an Schul- und Sportgelände (aus Unterhaltungsmaßnahmen-Budget)
  3. 2018 Aufzug Rathaus/ Barrierefreie Erschließung sowie Modernisierung WC-Anlage
  4. 2018 Planungsbeginn Anbau Schule mit 2 Klassenzimmern, Aufzug und Erweiterung Mensa, 2019 Bauausführung Schule
  5. 2018 Planungsbeginn Modernisierung und Erweiterung Feuerwehrhaus, 2020 Bauausführung

1. Neubaugebiet Grabenstraße: Am südlichen Ortsrand östlich dem evangelischen Gemeindehaus ist der Grundstückskauf der Stadt Tübingen in Vorbereitung. Es soll das „Zwischenerwerbsmodell“ durchgeführt werden. Die Verhandlungen mit den bisherigen Eigentümern muss der Ortsvorsteher führen. Das Thema ist sehr heikel, deshalb nicht schnell zu erledigen. Speziell in Hirschau werden Teilstücke der zum Teil 100 Meter langen Gärten hinter der Grabenstraße benötigt.Geplant sind Einzelhäuser, Reihenhäuser und Geschosswohnungen, auch Seniorenwohnungen. Die Ansiedlung eines Trägers für Alten- und Tagespflege ist erwünscht.

Bei einer Auftaktveranstaltung wurde das Zwischenerwerbsmodell vorgestellt. Die Flächenabzüge mit 40 % entsprechen dem vorherigen „Grundsatzbeschluß Wohnen“, was eine freiwillige Umlegung bedingt. Die Wohnbauflächen sollen erst dann in ein Bebauungsplanverfahren kommen, wenn alle Grundstückseigentümer einem Verkauf an die Stadt zustimmen.

Der mögliche Rückkauf eines Baugrundstücks erfolgt nur in gerader Linie: Vater > Sohn > Enkel. Der Ortschaftsrat hat die Vergabe-Kriterien noch nicht definiert. Im Neubaugebiet Käppeles Äcker hat die Zuteilung gut funktioniert. Es wird einen „Einheimischen-Zuschlag“ geben. Junge Familien sind erwünscht.

Nach Rechtsgültigkeit des Bebauungsplans sollte das Gebiet in ca. 4 – 6 Jahren bebaut sein.

Hohe Quote an Sozialwohnungen ist im Ort vorhanden (Latus: “doppelt so viel wie alle anderen Teilorte zusammen!”), deshalb muss im neuen Baugebiet nicht unbedingt die Höchstzahl erreicht werden. img_4410

2. Reparatur Überdachung an Schul- und Sportgelände (aus Unterhaltungsmaßnahmen-Budget): Das Dach des Übergangs zum Sportheim ist marode. Das Hochbauamt hat die Sanierung abgelehnt. Schule und Vereine betonen aber, dass diese Überdachung auch weiterhin benötigt wird. Darunter werden Fahrräder der Schüler und Sportler im Trockenen abgestellt. Auch bei Vereins- und Schulfesten wird der Regenschutz gebraucht.
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3. Barrierefreiheit für das Rathaus. Es ist noch nicht geprüft ob ein Außenaufzug möglich ist. Ein Betrag soll im Haushalt 2018 eingestellt werden. Im Obergeschoss sollen Sammlungen aus der Gemeinde und von Vereinen aufbewahrt und ausgestellt werden.

4. Die Schule

Die Grundschule hat zwei Klassen in einer absolut maroden und undichten Baracke untergebracht. Es sollte dringend ein Anbau an das Schulhaus mit zwei Klassenräumen im Erdgeschoß und Obergeschoß errichtet werden. In diesem Zusammenhang sollte dann auch ein Aufzug geplant werden.

Der Förderverein TAKA TUKA kümmert sich um das Thema verlässliche Grundschule und bietet Betreuung der Schulkinder je nach Bedarf an. Dabei wird neben der Hausaufgabenbetreuung auch ein Mittagessen angeboten. Die Kapazitäten für das Mittagessen sind erschöpft. Kinder, die sich nur bis 14.00 Uhr und nicht bis 16.00 Uhr dort aufhalten, können wegen Platzmangels nicht am Mittagessen teilnehmen. Es werden bis zu 43 Kinder an einem Tag mit Mittagessen versorgt. Tendenz steigend. In Hirschau soll durch diesen Förderverein auf Wunsch von Eltern und Schule das Angebot einer offenen Ganztagesbetreuung beibehalten werden (im Gegensatz zur gebundenen Ganztagesschule).

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Im Alten Schulhaus sind das Kinderhaus, „Ein Ort für Kinder”, im Erdgeschoss, Vereinsprobenräume für Musik im Obergeschoss und die Theatergruppe im Dachgeschoss untergebracht. Im Untergeschoss befindet sich außerdem noch der Hirschauer Jugendraum.

Die Theatergruppe kann im Dachgeschoss nicht aufführen, weil der Raum aus Brandschutzgründen auf maximal 25 Personen beschränkt ist. Im Zuge des Ausbaus im Erdgeschoss wurde schon versucht, dass für das Dachgeschoss eine Außentreppe als 2. Rettungsweg errichtet wird. Denkmalamt und auch städtisches Hochbauamt wollen dies an diesem denkmalgeschützten Gebäude nicht. Man hat nun einen Weg gefunden, eine temporäre Fluchttreppe zu errichten, die jeweils eigens für die Theateraufführungen auf- und abgebaut werden muss. Auch hier will die Stadt nichts zuschiessen. Deshalb muss die Theatergruppe die Kosten für die Treppe selbst stemmen (ca. 10.000,- €). Der Ortschaftsrat hat beschlossen aus dem Topf des Bürgergeldes 5.000,- € als Zuschuß zu gewähren.

5. Feuerwehrhaus

Das Dach des Feuerwehrmagazins ist mit alten Dachziegeln eingedeckt, die nicht mehr zu bekommen sind. Nach dem Hagel-Unwetter 2013 wurde das Dach nur notdürftig repariert und sollte erneuert werden. In diesem Zuge wird vorgeschlagen, auch die anderen Missstände zu beseitigen: die Fahrzeugbox ist zu kurz für das vorhandene Löschfahrzeug, es besteht Gefahr im Einsatzfall, weil die Spinde nicht ordnungsgemäß zugänglich sind. Es gibt nur sehr veraltete Sanitäreinrichtungen, Geschlechtertrennung ist nicht möglich, obwohl auch Frauen bei der Abteilung sind. Es gibt einen Vorschlag, das Dach zu erneuern und eine zusätzliche Box anzubauen. Diese Maßnahme sollte in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen werden.

Die Feuerwehr ist nach wie vor wichtig, da hohe „Brandlast“ im Gewerbegebiet. 28 aktive Mitglieder. Zwei Aktive, die in Hirschau arbeiten, unterstützen die Abteilung wochentags als „Gastausrücker“, so dass im Einsatzfall genügend Kräfte vor Ort sind.

Im Hof befindet sich eine mangelhafte Entwässerungsrinne. Die Einlege-Roste sind lose und schlagen beim Befahren nach oben. Dieser Mangel wird schon mindestens 3 Jahre beklagt, es geschieht aber nichts, weil Abgrenzung zwischen Hochbau und Tiefbau nicht klar definiert und sich somit niemand zuständig fühlt.

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Die Leistungen der KST erfolgten nur schleppend. Beispiel: mangelhafte Feldwegunterhaltung, kein Fachpersonal, das selbst sieht, was getan werden muss. Es fehlt ein Fronmeister, der sich um die städtischen Grundstücke, Entwässerungsgräben usw. kümmert. Viele Mängel müssen mehrfach angeschaut werden und werden dann doch nicht umgesetzt. Das ist auch für die ehrenamtlichen Ortsvorsteher eine ärgerliche Situation, die unnötigen Aufwand und Ärger verursacht.

6. Die Flüchtlingsbetreuung besorgt die Integrationsgruppe des Fördervereins „Unser Hirschau e.V.“ mustergültig. Die Baugemeinschaft „Zuhause in Hirschau“ hat von der ev. Kirchengemeinde eine Option für ein Baugrundstück zur Schaffung von Wohnraum für Geflüchtete erhalten. Wegen Beendigung des Förderprogramms sowie einer Idee der Gruppe, eine kombinierte Nutzung mit einer Pflege-Einrichtung im Erdgeschoß zu schaffen, läuft die Entwicklung etwas zäh. Die Gruppe ist aber guter Dinge, das Projekt zu realisieren. Die evangelische Kirchengemeinde will ihr Grundstück in Erbpacht für Flüchtlingswohnen zur Verfügung stellen.

7. Gewerbe

Am Rittweg Richtung Norden (grau auf dem Plan eingezeichnet) ist das östliche Drittel vergeben. Die Grundstücke des mittleren und westlichen Teils müssen von der Stadt Tübingen gekauft werden. Ortsansässige Firmen sollen bevorzugt werden. Dieser Bereich ist zugleich ein Emissionspuffer zwischen Wohngebieten und Industrie.

Im Osten wäre es möglich, einen Nahversorger (NETTO, NORMA?) anzusiedeln (gelb markiert), da kein Tante-Emma-Laden mehr existiert. Offenbar plant Wurmlingen einen NETTO.

Hirschau ist der niedrigste Teilort Tübingens, d.h. es gibt ein Wasserschutzproblem, vor allem im Westen. Wo ursprünglich ein Schuppengebiet ausgewiesen war, könnte dennoch „als verlängerte Werkbank“ Gewerbe angesiedelt werden.

Im Hinblick auf den Neubau der B 28 ist am Abzweig Kingersheimer Straße/Industriestraße ein Kreisverkehr geplant.

8. Gehwege: Zwei Gehwege sind unvollständig: Kingersheimer Straße in Richtung Tübingen und Kingersheimer Straße zum Fährenweg (Kinder! auf Schul- und Kindergartenweg). Volker Siegle und Miriam Fecker weisen auf diese Gefahrenstellen hin. Latus beklagt die begrenzten örtlichen Mittel.

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9. ÖPNV: Die Wabengrenze zwischen Hirschau und Wurmlingen sollte dringend aufgelöst werden. Dadurch ist nicht nur die Fahrt nach Wurmlingen oder Rottenburg doppelt so teuer, wie z. B. nach Kusterdingen, es gibt auch genügend Leute, die von Westen bis Hirschau fahren und dann ihr Auto tagsüber z. B. auf den raren Parkplätzen vor den Geschäften der Kingersheimer Straße parken und mit dem Bus in die Innenstadt fahren.

10. Stellplätze in der Ortsmitte sind rar. Andererseits braucht der Bewohner eines Teilorts häufiger einen Pkw als in der Innenstadt Tübingen. Deshalb wäre eine Senkung der Stellplatzpflicht nicht im Sinne Hirschaus!

11. Eine engere Kommunikation VOR den Haushaltsverhandlungen ist erwünscht. Gumrich schlägt vor, dass besonders wichtige Posten von den Ortsvorstehern in den Fraktionen vorgestellt werden, damit sie nicht untergehen.

12. Der Gehrnfeld-Brunnen in Hirschau liefert mit 120l/sec. einen Großteil des geförderten Eigenwassers für Tübingen.

 

Anwesend:

Ulrich Latus, Orstvorsteher Hirschau

Hermann Endress, ehemaliger Ortsvorsteher

Miriam Fecker, Ortschaftsrat

Norbert Schnitzler, Kreishandwerksmeister

Volker Siegle

Stefan Brenner, Interessent für Bauplatz aus Herrenberg

 

Von der Tübinger Liste: Claudia Braun, Reinhard von Brunn, Ernst Gumrich, Klaus Dieter Hanagarth, Florian Mayer, Ute Mihr, Christian Wittlinger

 

 

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