HirschauColl

Nach zehn Minuten “Hirschau für Anfänger” vor dem Rathaus an der Kingersheimer Straße wird uns der Lärm zu viel. Man versteht ja sein eigenes Wort kaum: 18.000 Fahrzeuge schieben sich täglich durch den Ort, davon ungefähr 20% Schwerlastverkehr. Zur Autobahn, zu den Großlagern und Verteilzentren in Ergenzingen.
“Seit Jahrzehnten werden die Hirschauer betrogen und belogen von den Politikern jeglicher Couleur,” zieht Richard Fridrich vom Leder. Alle versprechen sie den Neubau der B28, er sei planfestgestellt, man könne sofort mit dem Bau beginnen. Doch es rühre sich nichts. “Da muss erst ein Kind unter einem Lastwagen liegen, dann wacht vielleicht jemand auf.” Die meisten Versäumnisse allerdings werden Bund und Land angelastet. Aber auch die Stadt Tübingen lasse die geplagten Anwohner im Stich. Bis heute liegt keine Lärmkartierung vor, von Lärmschutzmaßnahmen ganz zu schweigen. “Wir warten verzweifelt auf ein Zeichen des guten Willens seitens der Stadt,” kommentiert Ortsvorsteher Ulrich Latus und weiß seine 3.300 Hirschauer hinter sich.

Es gibt aber auch viel Erfreuliches in Hirschau. So die über tausend Arbeitsplätze in den Industrie- und Gewerbebetrieben, die für klingende Münze im Tübinger Stadtsäckel sorgen. Die 130 Sozialwohnungen von GWG und Kreisbaugesellschaft, die gut in ihre Umgebung integriert sind. Die drei schön ausgestatteten Kindergärten mit ihren phantasievollen Spielplätzen. Das zum Vereins- und Jugendhaus umgebaute alte Schulhaus, in dem unter anderem der Akkordeonclub, der Musikverein und ein Kindergarten in freier Trägerschaft zu Hause sind. Die großzügigen Sportplätze mit ihrem vielseitigen Angebot.
Auf Hirschaus Wunschliste stehen unter anderem eine verkehrsberuhigte Zone rund um das katholische Kinderhaus, barrierefreie Wohnungen auf städtischem Gelände und die Umgestaltung der Fläche vor dem alten Schulhaus zu einem Dorfplatz.
“Wir wollen nicht klagen,” meint Ulrich Latus, “die Teilorte werden eigentlich ziemlich gerecht und gleichmäßig vom Gemeinderat und der Tübinger Verwaltung bedacht.” Aber: “Die Personal-Engpässe in den Tübinger Ämtern und die schwierige Koordination, wenn es für ein Projekt mehrere Beteiligte gibt, das schlägt auch voll auf uns durch.”

Eine Hirschauer Besonderheit durfte natürlich nicht unerwähnt bleiben: der Baggersee, ein einmaliges Naherholungsgebiet. Badende, Angler und Vogelschützer kümmern sich um die Wette, kabbeln sich aber schon auch mal bis in die Leserbrief-Spalten, wer denn nun das Gewässer am besten pflege.

Notiz am Rande: ein Teil des Seegeländes wurde vom Land gekauft. Als Ausgleichsmaßnahme für die B28/neu. Also doch ein Hoffnungsschimmer?

Beim Ortsrundgang dabei: Ortsvorsteher Ulrich Latus, Richard Fridrich, Ehepaar Mayer (er im Ortsbeirat, sie die gute Seele im Rathaus).
Für die Tübinger Liste: unser in Hirschau ansässiger Kandidat Florian Mayer, Klaus Dieter Hanagarth, Ernst Gumrich, Gebhart Höritzer, Oliver Kiefer und Reinhard von Brunn.

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