Tübingens Weststadt ist groß – und zwei geteilt. Durch die Bundesstraße 28. Ihr fehlt eine gute Mitte mit Aufenthaltsqualität. Das verhindert schon seit Jahrzehnten ein Zusammenwachsen des Südens mit seinen vielen Gewerbebetrieben und Brachen mit dem wohnlichen Norden. Seit letztem Jahr wurde der alte Rahmenplan von der Schublade in den Papierkorb befördert und der Prozess neu begonnen. Diesmal mit breiter Bürgerbeteiligung.

Konkret ist noch nicht viel. Ernst Gumrich berichtet:

“Wir baten im Planungsausschuß darum, dass auch die Verwaltung frühzeitig “die Katze aus dem Sack lässt”: Sprich, welche Ideen gibt es z.B. für das Milchwerk oder die Bebauung entlang dem Schleifmühleweg und die 5-6 anderen großen Themen bei der Verwaltung selbst. Dann können solche Ideen in den Wettstreit mit den Vorstellungen der Bürger treten. Konkrete Alternativen und die möglichen Interessenkonflikte müssen dabei auf den Tisch. Sonst kommen hinterher nur Wohlfühlpapiere dabei heraus. Die enden alle als Staubfänger!

Recht klar wurde dabei eine aktuelle Meinungsverschiedenheit: Vor allem die AL/Grünen wollen den Ausbau der freikirchlichen Kindertagesstätte Schäfchen am Westbahnhof um eine weitere Gruppe verhindern, weil der Standort vielleicht in einigen Jahren als Stadtteiltreff in Betracht kommt. Tübinger Liste sowie SPD und FDP halten das für falsch, denn

a) brauchen wir die Plätze dringend und könnten sie nirgends anderswo rechtzeitig und zu vernüftigen Kosten schaffen,

b) ist das Haus vom Zuschnitt überhaupt nicht für einen Stadtteiltreff geeignet,

c) kann man sich sehr streiten, ob der Standort eines Stadtteiltreffs jenseits der B 28 wirklich ideal ist sowie

d) können die Maßnahmen zur Umsetzung des Weststadtrahmenplans nach einvernehmlichem Verständnis allerfrühestens nach 2021 in die Tat umgesetzt werden. Dafür 5-8 Jahre lang das Haus leerstehen lassen, in dem heute schon zwei Kindergartengruppen gut funktionieren?

Es wäre gut, wenn sich alle Fraktionen hier in der Frage “Schäfchen” verständigen könnten, denn der sonst leicht entstehende Eindruck wäre unglücklich, weil falsch, dass einzelne Fraktionen diesen Beteiligungsprozess Weststadt ernster nehmen und ihn stärker unterstützen als andere. Dies ist nicht der Fall. Es könnte den Prozess unnötig gefährden, denn er kann nur fortschreiten, wenn er nicht parteipolitisch missbraucht wird.

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