Stell dir vor, es ist Sommer…

Auf der Stiftskirchentreppe finden sich die ersten Feierwilligen ein. Sie trinken Cocktails, die sie in den umliegenden Kneipen holen, reden und rauchen. Gegen später ziehen sie weiter. Die Raucher stecken ihre Taschen-Ascher mit dem Logo der Stadt Tübingen ein, und zwei aus der Gruppe bringen die leeren Mehrweg-Becher zurück. Mit den Pfandmarken, die sie dafür erhalten, bekommen sie am nächsten Tag an der Uni den Kaffee-zum-Mitnehmen in der Keep-Cup ein bisschen billiger als im Einwegbecher. Spontan beschließt unsere Gruppe, an der Steinlach zu grillen. Bevor sie danach gestärkt weiterzieht, holt sie sich aus dem Müllbeutelspender am Ufer einen Müllsack und bringt die Überreste des Grillabends getrennt nach Plastik, Glas und Restmüll zu den bereitstehenden Containern. Ein naiver Traum? Ich meine: nein.

Damit der Traum Wirklichkeit werden kann, ist allerdings eine Anstrengung auf vielen Ebenen und von vielen Seiten notwendig. Es genügt nicht, einzelne “Verursacher” mit einer Verpackungssteuer zu belegen, sondern es bedarf einer konzertierten Aktion. Ideen gibt es genug: ein Pfandsystem für Geschirr, Taschen-Ascher, Mülltütenspender, Mülltrennung zumindest an neuralgischen Müll-Schwerpunkten. Was spricht etwa gegen einen Altglas-Container im Bota?

Aber nicht nur Stadtverwaltung und Kommunale Servicebetriebe (KST) sind gefragt, auch Schulen und die Universität bzw. die studentischen Vertretungen müssen ins Boot geholt werden. Das Thema Müll – und zwar mit direktem Bezug zu unserer Stadt – gehört auf dem Stundenplan. Die Aktion “Ploggen” (beim Joggen Müll aufsammeln) der GMS West letzte Woche ist ein guter Anfang, muss aber verstetigt und in alle Tübinger Schulen implementiert werden – auch in höheren Klassen. Eine regelmäßig durchgeführte Stadtputzete (von der Tübinger Liste schon 2015 in einem Antrag gefordert) könnte das Bewusstsein dafür schärfen, dass eine Zigarettenkippe erst nach fünfzehn Jahren verrottet ist. “Müllpatenschaften”, wie sie in anderen Städten praktiziert werden, haben einen ähnlichen Effekt.

Und da auch beim Thema Müll gilt: Wer nicht hören will, muss fühlen, bedarf es ordnungspolitischer Maßnahmen, sprich Kontrollen und gegebenenfalls Geldstrafen. Ein Traum? Vielleicht – aber wo, wenn nicht in Tübingen, ließe er sich verwirklichen? Die Tübinger Liste jedenfalls wird das Ihre dazu beitragen.

 

Ute Mihr in der Mittwochsspalte des Schwäbischen Tagblatts vom 25. Juli 2018

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