Innenstadtstrecke? NEIN!

Mehr Nachteile für Tübinger
Die Diskussion um die Regionalstadtbahn mit Innenstadtstrecke in Tübingen geht auch nach der Kommunalwahl weiter – zuletzt gab es einen Leserbrief von Frank Heuser vom 6. Juni.

Im Leserbrief zur Regionalstadtbahn in Tübingen vom 6. Juni wird behauptet „für viele Tübinger verbessert sich der ÖPNV innerhalb Tübingens, aber auch nach außerhalb (13000 Auspendler!).“ Warum ist dies falsch? Abgesehen von der in Bahnhofsnähe gelegenen Kern-/Altstadt würde der Trassenverlauf in Richtung Unikliniken Berg zielgerecht die Wohnquartiere der Masse der Stadtbewohner vermeiden. Diese wären weiterhin auf den Bus (Linienabbau vorgesehen!) angewiesen. Nehmen wir irrealistischerweise an, Auspendler über den Hauptbahnhof benutzten von ihrer Wohnung zunächst den Bus zu einer Stadtbahn-Haltestelle, um dann ohne Halt im Hauptbahnhof zu ihrer (hoffentlich in der Nähe des Zielbahnhofes liegenden) Arbeitsstätte zu gelangen, hätte sich die Zahl der Umstiege für sie nicht reduziert.
Die Wahrheit ist: Eine Regionalstadtbahn in Tübingen brächte für die städtische Bevölkerung mehr Nachteile als Vorteile.

11. Juni 2019, Michael Hennecke, Tübingen, veröffentlicht im Schwäbischen Tabglatt

Jürgen Losch, Tübingen: Ich sehe schwarz
Vertreter von acht Listen diskutierten im Kommunalwahlkampf über Mobilität in und um Tübingen und nahmen sich dabei vor allem die Tübinger Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn vor. FDP-Stadtrat Dietmar Schöning unterstützt diese und trug im Leserbrief vom 15. Mai Argumente dafür vor – ebenso wie Frank Heuser (23. Mai).

Als ich neulich bei meinem Arzt in der Mühlstraße während der etwa 10- bis 15-minütigen Wartezeit von oben den Verkehr beobachtete, war ich fast schockiert, wie viele Busse in dieser Zeit die Mühlstraße rauf und runter fuhren (schätzungsweise 25 bis 30 Fahrzeuge). Manchmal drei hintereinander. Aber wem sage ich das? Dürfte ja bekannt sein.

Wenn ich nun hochrechne, dürften gut 100 Busse pro Stunde zusammenkommen. Wie freut es dann einen, wenn Herr Schöning zur Feststellung kommt, dass die Bahn in der Stunde 24 Busse ersetzt. Also dann Gott sei Dank ,nur‘ noch gut 80 Busse. Allerdings in der Mitte dann acht (16?) Straßenbahnen pro Stunde. Wenn Sie keine besseren Argumente – oder sind das vielleicht die einzigen? – haben, sehe ich schwarz für die Bahn, was ich persönlich begrüßen würde.

Günter Quack, Tübingen: Abenteuerlich

Die ,Argumente‘ der Befürworter, zuletzt Frank Heuser (sinngemäß: RSB ohne Innenstadtstrecke ist wie Wald ohne Bäume), werden immer abenteuerlicher und erinnern mehr und mehr an die ,Argumente‘ der S21-Befürworter.
OB Palmer hat selbst in einer öffentlichen Veranstaltung gesagt, dass kein Tübinger die Innenstadtstrecke braucht. Sein eigentliches Ziel lautet aus meiner Sicht: eine Art Werksverkehr für das Klinikum einzurichten. Er möchte, dass das Klinikum attraktiver Arbeitgeber bleibt, das Personal aber weitgehend auf den Wohnsitz in Tübingen verzichtet, ins Umland zieht und damit den Druck, neue Wohngebiete in Tübingen auszuweisen, vermindert.

Soweit so nachvollziehbar. Aber der Werksverkehr könnte zielführender, kostengünstiger, ohne erheblichen Bauaufwand und flexibel durch Direktbusse wie in meinem Leserbrief vom September 2018 skizziert, realisiert werden. Und: Die RSB hat nur relativ wenige Halte und erschließt das Umland leider nicht flächendeckend. Es wäre höchste Zeit, an modernen Angeboten für die „erste Meile“ vom Wohnort zur Haltestelle der RSB zu arbeiten, damit möglichst viele Pendler auch aus Gemeinden, die nicht an der Strecke der RSB liegen, auf das Auto verzichten.

Mit intelligenten Mobilitätskonzepten könnte der einzige Nachteil bei Nichtrealisierung der Innenstadtstrecke – die Kliniken ohne Umstieg zu erreichen – mehr als ausgeglichen und so verhindert werden, dass Tübingen jahrelang Baustelle ist.


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