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Tübingen. 25. Februar 2016

Auto war einmal – bei Sidler bis 2008. Jetzt hält weltweit gefragte IT-Sicherheit made in Tübingen Einzug. Ohne Flächenfrass, auf recycelter Industriebrache an der Schaffhausenstraße zwischen Eisenbahn und Neckar. Und die Gebäude werden nach Top-Öko-Standards errichtet. Wenn das keine symbolträchtigen Maßstäbe für den Strukturwandel setzt.

“Tübinger Modell”?

So waren denn auch Bauherr Sebastian Schreiber, OB Boris Palmer, Ehrengäste, Belegschaft, Anwohner und Geschäftsfreunde bestens gelaunt, als am Mittwochmorgen “der erste Hack” für das neue SYSS-Campus gesetzt wurde. Wie es sich gehört, gleich im Doppelpack: virtuell durch einen unsichtbar gelenkten Schaufel-Roboter, und dann auch noch traditionell mit pickelschwingender Manneskraft.
Im ersten Bauabschnitt wird ein Bürogebäude für 280 Beschäftigte entstehen, von denen Syss zunächst 80 selbst benötigt, den Rest zwischenvermietet. Und wenn das Wachstum so rasant weiter geht wie bisher, ist noch Platz für zwei weitere Trakte.

Von schräg gegenüber an der Sidler-Straße drang der Lärm eines potenten Häckslers. Dort wird gerade der Bau einer der neuen Unterkünfte für Flüchtlinge mit Bleiberecht vorbereitet. Ob die eine oder der andere von ihnen eines Tages im Gebiet Unterer Wert auch zur Arbeit gehen wird? Vielleicht sogar zu SYSS? Dies wäre ein weiteres Zeichen in unserer bewegten Zeit.

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Karl Stefan Schotzko (Geschäftsführer des Verbandes für Sicherheit in der Wirtschaft), OB Boris Palmer, Alexander Kraus vom Bauträger Goldbeck, Informatik-Professor Herbert Klaeren und Syss-Geschäftsführer Sebastian Schreiber.

So sah es das Schwäbische Tagblatt vom 26. Februar:
“Unten Pentest, oben Penthouse

Im Frühjahr 2017 wollen die Tübinger Profi-Hacker ihren neuen Syss-Campus beziehen

Die neue Firmenzentrale für 280 Mitarbeiter und oben drauf sein neues Penthouse baut Sebastian Schreiber im ehemaligen Sidler-Areal am Neckarbogen. Gestern war Baubeginn.

Hans-Jörg Schweizer
Tübingen.Ein Roboter aus Ilmenau erledigte den Ersten Spatenstich fürs neue Syss-Gebäude. Klar, dass Firmenchef und Vollblut-Informatiker Sebastian Schreiber auch für sowas Analoges irgendwas Digitales auf der Baustelle brauchte. Als sich die 25 Elektromotoren von 3GR aus Thüringen – obenrum humanoid, untenrum eher im Fischertechnik-Look – mit dem Sandhaufen abgemüht hatten, kam doch noch Muskelkraft zum Einsatz: Schreiber selbst und seine Ehrengäste zeigten die ersten vier Live-Hacks am Neckarbogen: mit Spitzhacken.

Die erst 2009 bezogene Profi-Hacker-Zentrale im Tübinger Mühlenviertel platzt aus allen Nähten: 1998 hatte Student Schreiber noch ganz allein seine Penetrationstests (Pentests) angeboten. Mit simulierten Hacks wird dabei die IT-Sicherheit von Firmen, aber auch mal die der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) auf die Probe gestellt. 2003 hatte Schreiber fünf Mitarbeiter, 2008 waren es 15, 2013 schon 36 und inzwischen arbeiten mehr als 70 Leute bei Syss. Schreiber rechnet weiter mit exponentieller Zunahme bei Umsatz und Personal, drum hat er Arbeitsplatz für bis zu 280 Leute im Syss-Campus eingeplant. Und auf dem 14000 Quadratmeter großen Grundstück ist sogar noch Raum für weiteres Wachstum.

Seinen Leuten will Schreiber im neuen Bau helle Büroflächen mit Denkerzellen, Meetingräumen, Kaffeeküchen und Balkonen mit Österbergblick bieten. Ein intelligentes Heiz- und Kühlsystem soll für gutes Klima sorgen, 1555 Datenports und 50 Kilometer Datenleitung für gute und sichere Vernetzung. Für Schutz gegen Eindringlinge aus Fleisch und Blut sollen ein Zaun, eine einbruchshemmende Fassade und eine ausgeklügelte Alarmanlage sorgen.

Ganz oben in 23 Metern Höhe errichtet der Chef sein Penthouse mit bester Sicht auf die Tübinger Skyline. Die ideale Kulisse, um vor TV-Kameras über IT-Sicherheit zu fachsimpeln. Und das tut Schreiber oft, was ihn für seinen OB und einstigen Informatik-Kommilitonen Boris Palmer zum “Tübinger Botschafter in der Tagesschau” macht. Neben den Arbeitsplätzen auch ein Grund für die Stadt, seine Baupläne auf dem früheren Gelände des Automobilzulieferers Sidler zu unterstützen. Obwohl die sechsstöckigen Neubauten an der Schaffhausenstraße für die Nachbarn eine Zumutung seien, wie Palmer zugab.
“Schnell und effizient wie in meinem Unternehmen” soll laut Schreiber gebaut werden. Zu sehen gibt es das über die
Internet-Webcam beigoldbeck20.hi-res-cam.com
Ob sich auch Roboter 3GR von Schreiber hacken lässt, verraten wir im Video bei tagblatt.de.”

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