Die Zukunft erfordert auch in Tübingen Ideen, Mut und viel Geld. Wir fordern seit über 4 Jahren vergeblich, Teile der sprudelnden Steuern für die hohen Zukunftskosten anzusparen. Die Rücklagen wurden stattdessen fast aufgezehrt. 

Mitten im großen Technologiewandel der Mobilität sollten wir statt einer € 232 Mio. teuren Straßenbahn durch die Innenstadt nach bezahlbaren und modernen Alternativen suchen (heute möglich: kreuzungsfreie Direktlinien über Hagellocher Weg zur Morgenstelle, bald: 100% E-Busse, nahtlos vernetzter, bedarfsgesteuerter Verkehr, ab 2030: autonome Fahrzeuge). Die digitale Infrastruktur für Gewerbe und Haushalte muss dringendst auf Glasfaser und 5G WLAN vorbereitet werden. Bald müssen unsere mäßigen Radwege neben schnellen E-Rädern noch E-Scooter etc. sicher bewältigen. Die ganze Liste der ebenso unumgänglichen wie teuren Zukunftsaufgaben wäre lang, von der Digitalisierung der Schulen bis zur Klimafolgen-Anpassung. 

Auch abseits von Zukunftsthemen sprengen unsere Vorschläge alte Denkrahmen und sichern dabei Tübingens finanzielle Zukunftsfähigkeit: Als die Sanierungen von Uhlandbad (200 qm) und Hallenbad Nord (550 qm) vor Jahren beschlossen werden sollten, überraschte die Tübinger Liste mit dem Gegenvorschlag: Wieso bauen wir nicht ein Südbad mit dem Mehrfachen der Wasserfläche des Uhlandbades (jetzt mit 750 qm dem fast Vierfachen)? Zusammen würden diese beiden Bäder die Tübinger Hallenwasserflächen fast verdoppeln und das bei etwa den heutigen Betriebsverlusten. Deutlich höhere jährliche Verluste können wir auf Dauer nicht stemmen, auch wenn manche das behaupten. Damals wurde unser Vorschlag belächelt. Die SWT rechneten zum Glück nach und bestätigten die Richtigkeit.

Jetzt soll die Bürgerschaft mittels der neuen Bürger-App über das Bäderkonzept und den Konzertsaal abstimmen. Diese beiden komplexen, zusätzlich über das Uhlandbad miteinander „verkuttelten“ Fragen, haben große Auswirkungen auf die Finanzstabilität unserer Stadt. Wir hätten uns für die erste Bürger-App-Befragung geeignetere Fragen gewünscht, wie z.B. die „Öffnung von Fußgängerzonen für Räder“ oder das genauso wirkungs- wie rücksichtslose „Baugebot mit Enteignung“. Weil der Oberbürgermeister das allein entscheiden könne, ließ er vorher über beide Fragen keinerlei Diskussion im Gemeinderat zu. Das ist falsch. Wir jedenfalls sind dort nicht sein App-nickverein.

20. Februar 2019, Ernst Gumrich, Fraktionsvorsitzender Tübinger Liste

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