Esslingen setzt mit dem Umstieg auf ein elektrisches Bussystem ein bundesweites Leuchtturmprojekt um – und hat dafür eine Finanzspritze des Landes erhalten. Mit 600 000 Euro wurde die Anschaffung von vier Elektro-Hybrid-Gelenk-Bussen bezuschusst. Das Projekt ist zudem Teil des Programms „Modellregion für nachhaltige Mobilität“, aus dem weitere 400 000 Euro winken. Gelder, die, so OB Jürgen Zieger, die Umsetzung erst möglich machten.

Auf welchem Stern liegt eigentlich Esslingen? Man glaubt es kaum – keine 30 km von Tübingen entfernt. Ebenso von Bus-beschwerlichen Hügeln umgeben wie unsere Stadt. Und doch fahren die Städtischen Verkehrsbetriebe dort seit 1944 mit elektrischen Oberleitungsbussen. Ökologisch vorbildlich, leise, flexibel.
Jetzt haben die Esslinger noch einen drauf gesetzt: mit einer Finanzspritze des baden-württembergischen Verkehrsministeriums von 600.000 Euro haben sie vier 18,75 m lange Elektro-Hybrid-Gelenk-Trolleybusse angeschafft, die Berge auch ohne Oberleitungen mit Batteriebetrieb bezwingen.

Warum geht in Tübingen nicht, was andere vergleichbare Städte erfolgreich vormachen?

Es komme uns ja keiner mit dem Totschlag-Argument, die Stadtbahn werde das alles richten (das hören wir übrigens immer häufiger, wenn es darum geht, sich um die Entwicklung moderner Mobilitäts-Konzepte und -Alternativen für den Raum Tübingen zu drücken).

Denn:
1. wird die Stadtbahn, wenn überhaupt, frühestens in 10-15 Jahren kommen,

2. kostet das Gesamtprojekt nach heutigen Berechnungen mindestens 1 Milliarde Euro, die trotz Schönrechnerei und Politikersprüchen keiner hat. Die Stadt Tübingen müsste sich mit einem Eigenanteil von 80 – 100 Millionen Euro bis über die Halskrause verschulden, wesentlich lebenswichtigere Vorhaben würden auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben…

3. soll eine Stadtbahn erklärtermaßen nicht in erster Linie die innerstädtische Beweglichkeit der Tübingerinnen und Tübinger erleichtern, sondern Pendler anlocken und diesen das Umsteigen am Hauptbahnhof ersparen und

4. werden selbst mit Stadtbahn mindestens zwei Drittel der heutigen Buslinien beibehalten werden müssen, da diese bis auf Weiteres nur ein kleines Gebiet auf dem Weg zum Schnarrenberg abdeckt.

Also:

Stadtbahn hin oder her – wir werden in und um Tübingen auch in Zukunft weitere und andere Formen eines umweltverträglichen und preisgünstigen öffentlichen Nahverkehrs brauchen. Es ist höchste Zeit, sich umzuschauen und von den Diesel-Bussen wegzukommen. Esslingen liegt doch so nah!
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Foto: Stadt Esslingen

Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg informiert:

„Ein attraktiver ÖPNV braucht moderne Fahrzeuge! Dies erkennen erfreulicherweise auch die Kommunen und Verkehrsgesellschaften zunehmend und nutzen die Förderung des Landes zur Finanzierung von Elektro- und Hybridbussen“, sagte Winfried Hermann, Minister für Verkehr und Infrastruktur am 15. Februar bei der Inbetriebnahme von vier vom Land geförderten Elektrobussen in Esslingen.

„Im Rahmen der Landesinitiative Elektromobilität II bezuschusst das Land die Mehrkosten eines elektrischen Antriebs bei Hybrid- und Elektrobussen. Damit wollen wir erreichen, dass sich noch mehr Städte und Kommunen für den Einsatz umweltschonender Nahverkehrsmittel entscheiden. Seit über 70 Jahren fahren die Oberleitungsbusse in Esslingen elektrisch und sind damit schon lange Vorreiter der nachhaltigen Mobilität. Die vier neuen Elektrobusse hingegen gehen noch einen Schritt weiter: Sie kommen auch ohne Oberleitungen aus“, so Minister Hermann. Das Land fördert die vier Esslinger Busse mit insgesamt 600.000 Euro.

„Die Hybridtechnik der Oberleitungsbusse macht den Einsatz der Fahrzeuge deutlich flexibler, weil sie nicht dauerhaft auf die fixe Infrastruktur angewiesen sind. Trotzdem fahren sie zu hundert Prozent elektrisch – das ist eine echte Innovation. Deswegen hat der regionale Wirtschaftsausschuss sofort entschieden, die Elektro-Hybrid-Busse in Esslingen in das Förderprogramm Modellregion für nachhaltige Mobilität 2013 aufzunehmen. Die Region übernimmt knapp 400.000 Euro der Kosten, um eine Lücke zu schließen oder besser gesagt, eine Lücke in der Oberleitung zu ermöglichen“, sagte Thomas Bopp, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart. Der Verband Region Stuttgart hat seit 2012 rund 6 Millionen Euro gegeben, um innovative Mobilitätsprojekte in der Region voranzubringen.

Der Esslinger Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger dankte den Beteiligten des Projektes. “Mit den neuen Fahrzeugen erschließen sich für uns neue Möglichkeiten,  die Vorteile des Oberleitungsbusses auf andere Linien im Esslinger Stadtverkehr zu bringen. Ich danke Verkehrsminister Winfried Hermann für die Landesregierung Baden-Württemberg und Thomas Bopp, dem Vorsitzenden der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart, für die Förderung. Sie machte die Realisierung des Projektes erst möglich. Mein Dank gilt auch dem Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen, den weiteren Projektpartnern und dem Hersteller des Elektro-Hybrid-Busses, der dieses umweltfreundliche Bussystem gefertigt hat.“ Der künftige Einsatz des neuen Fahrzeugtyps steht bereits fest. Die erste Linie, die von der emissionsfreien Antriebsart profitieren wird, ist die Linie 113. „Damit besitzt der Esslinger Stadtteil Berkheim neben einem guten Verkehrsangebot auch ein ökologisch vorbildliches Angebot, um die ambitionierten Klimaziele der Stadt Esslingen bis 2020 nachhaltig zu erreichen”, so OB Zieger.

Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen am Neckar realisiert mit der Beschaffung der Busse, unter dem Projekt „TrolleyPlus – Batteriegestützter OBus Esslingen“ ein Leuchtturmprojekt mit nationaler Tragweite. Bisher ist in keiner anderen deutschen Stadt ein voll elektrisches Bussystem mit kapazitätsstarken 18 Meter langen Gelenkbussen ohne Oberleitungen in Betrieb gegangen.

Weitere Informationen:

Bei den beschafften Bussen handelt es sich um Elektro-Hybrid-Gelenk-Trolleybusse des Herstellers „SOLARIS“ mit einer Länge von 18,75 Meter. Diese wurden um die elektrische Traktionsausrüstung und Energiespeicherkomponenten durch die Vossloh Kiepe GmbH aufgerüstet.

Bereits seit 1944 verkehrt der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen mit Oberleitungsbussen. Im Zuge einer Fuhrparkserneuerung ab dem Jahr 2014 sollte der elektrische Fuhrparkbetrieb weiter ausgebaut werden, ohne hierfür neue Infrastruktur schaffen zu müssen. Mit einer Gesamtsumme von 600.000 Euro werden die vier Busse durch das Land Baden-Württemberg, im Rahmen der Landesinitiative Elektromobilität II gefördert. Busunternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg profitierten von einer Förderung in Höhe von 50 Prozent der Mehrkosten eines elektrischen Antriebs, maximal 150.000 Euro pro Bus. Der Verband Region Stuttgart beteiligt sich finanziell am Projekt „TrolleyPlus“ im Rahmen der „Modellregion für nachhaltige Mobilität.“

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