lustnauer_zentrum

Die Arbeitsgemeinschaft der Lustnauer Vereine schickte Anfang April an alle Gruppierungen und Parteien Wahlprüfsteine zur Kommunalwahl am 25.5.2014:
“Wir wollen mit diesen nachstehenden „Wahl-Prüfsteinen“ Ihre Aufmerksamkeit auf den größten Tübinger Stadtteil Lustnau lenken, der nicht im Fokus des kommunalpolitischen Interesses steht.”

Antwort: Die TÜBINGER LISTE begrüßt die Initiative der AG Lustnauer Vereine, mit “Wahl-Prüfsteinen” die Meinung der für die Gemeinderatswahl kandidierenden Parteien und Gruppen zu Lustnauer Brennpunkten zu erfragen. Das entspricht auch unserem Verständnis gelebter Bürgerbeteiligung.

Die TÜBINGER LISTE ist eine neue, bisher nicht im Gemeinderat vertretene Gruppierung. Wir waren daher an früheren Gemeinderatsentscheidungen nicht beteiligt und können uns unbefangen mit den Problemthemen befassen.

1. Frage: Wie schätzen Sie allgemein die Infrastruktur in Lustnau ein?
1.1. Die Lustnauer Turn- und Festhalle wurde im Jahr 1934 noch von der selbständigen Gemeinde Lustnau gebaut, die damals ca. 3.500 Einwohner hatte. Die Hallenkapazität der Lustnauer Turnhalle ist bei gut 10.000 Einwohnern seither um keinen m² gewachsen. Sehen Sie den Bedarf für eine Hallenerweiterung? Wie sehen Sie einen Zeithorizont und welche Priorität sehen Sie im Vergleich zu anderen Tübinger Sportprojekten?

Antwort: Die Lustnauer Turn- und Festhalle ist definitiv zu klein und heutigen Ansprüchen nicht gewachsen. Wir werden uns daher für eine Erweiterung und Modernisierung einsetzen. Allerdings sollte dabei berücksichtigt werden, dass neben dem TSV-Gelände gerade eine Sporthalle entsteht, die vom Deutschen Alpenverein und vom Präventionssportverein gebaut wird. In Absprache mit der Stadt stehen hier auch den örtlichen Vereinen und den Schulen Hallenzeiten zur Verfügung.

1.2. Hallenmieten
Die Kosten der Vereine für die Nutzung der Lustnauer Turnhalle sind so exorbitant
gestiegen, dass auf andere Räume in Lustnau ausgewichen wird. Wie stellen Sie
sich zu diesem Thema?

Antwort: Die Hallenkosten sind in der Stadt überall gleich (hoch), dies ist also kein spezifisches Lustnauer Thema, sondern ein Tübingen-weites. Anzumerken ist, dass nach unserer Kenntnis die Kosten für die Jugendarbeit den Vereinen zurückerstattet wird. Hier sind also Lösungen für die Gesamtstadt zu finden.

1.3 Fahrradverkehr
Wo sehen Sie Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten? (z.B. der Zustand des
Radweges entlang des Neckars)

Antwort: Der Fussweg und gleichzeitig Neckartal-Radwanderweg ist ab dem Stauwehr Brückenstrasse bis zur Brücke Kusterdinger Strasse dringend neu zu ordnen und zu entflechten. Vor allem an sonnigen Sonn- und Feiertagen herrscht hier eine teilweise gefährliche Konkurrenz von Spaziergängern, Joggern, Hundehaltern, Fahrradtouristen, Müttern mit Kinderwagen, Sportradlern, älteren Menschen mit Rollatoren usw. Eine der Verbesserungen wäre eine kleine Fahrradbrücke in Höhe der Ammermündung, die das Umfahren via Kreuzungsbereich Gartenstrasse/Nürtinger Strasse überflüssig machen würde. Diese Brücke ist schon seit Längerem im Gespräch, gleichwohl nicht beschlossen.

b) Der Strassenbelag in der Alberstrasse in Höhe “Rose” ist für Radfahrer gefährlich, da die Pflastersteine locker und verschoben sind. Obwohl im Ortsbeirat angesprochen, wurde noch keine Abhilfe geschaffen. Nachhaken!

c) Im Bereich Heinrichsweg gibt es einen als Fahrradweg ausgeschilderten Weg. Nach dem sehr steilen Brückchen ist der einbiegende Gegenverkehr nicht zu sehen. Radfahrer fahren dort aber mit hohem Tempo, um den steilen Brückenaufgang hoch zu kommen. Dort sind schon häufiger kleinere Unfälle passiert. Diese Gefahrenquelle ist zu beseitigen.

2. Gestaltung des öffentlichen Raumes
Wir sehen in einzelnen Bereichen in Lustnau, wie insbesondere im Bereich des Lustnauer Zentrums im Bercih der Dorfackerstraße – Kreuzstraße – Pfrondorferstraße ein erhebliches gestalterisches Defizit. Das wurde bisher nie thematisiert und alle finanziellen und planerischen Ressourcen werden derzeit in den Innenstadtbereich gesteckt. Sehen Sie das genauso und wie sehen die Prioritäten im Vergleich zu anderen Bereichen der Stadt?

Antwort: Wir sehen viele gestalterische Defizite in der Gesamtstadt. Hierzu sollte ein Kataster erstellt und die Massnahmen für alle Stadtteile priorisiert und koordiniert werden. Dafür sollte Lustnau seine drei Top-Prioritäten benennen. Für uns gehören dazu die Gestaltung des Platzes Äulestrasse/Gartenstrasse und das Kirchgraben-Gebiet.

3. Investorenprojekt Lustnauer Mühle
Wie stehen Sie zu dem in Lustnau heftig umstrittenen Projekt?

Antwort: Nach den uns bisher bekannten Plänen handelt es sich um ein weiteres klassisches Projekt extremer Innenverdichtung (“Ausmosten”). Die planerische Gestaltung harmoniert in keiner Weise mit der Umgebungsbebauung und dem Ortsbild von Lustnau. Neu hinzu gekommen ist die aktuelle Hochwasserschutz-Gesetzgebung, die unbedingt einzuhalten ist. Das Projekt sollte aus unserer Sicht noch einmal gründlich überdacht und neu konzipiert werden.

4. Allgemeine Verkehrsbelastung insbesondere in der Stuttgarter Straße
Neben dem Schlossbergtunnel und der Weststadt trägt Lustnau die Hauptlast des täglichen Verkehrs aus und in Richtung Süden in die Innenstadt bzw. in die nördlichen Stadtbereiche.
Wie stehen Sie zu diesem Problem? Welche Möglichkeiten sehen Sie den täglichen Schleichverkehr quer durch den historischen Ortskern von der Pfrondorfer straße zum Kusterdinger Weg in den Griff zu bekommen?

Antwort: Den Bedenken aus Lustnau zum Parkleitsystem wurde zunächst insofern Rechnung getragen, als dieser Punkt von der Tagesordnung des Gemeinderats am 7.4. abgesetzt wurde. Dies schafft Raum für weitere vertiefende Gespräche zwischen den Betroffenen in Lustnau und den städtischen Gremien.
Wenn sich am Verkehrslärm durch die Stuttgarter Strasse absehbar nichts ändern lässt, sollten Schallschutzmassnahmen durchgeführt werden. Uns ist nicht bekannt, ob dies dem Wunsch aller Anwohner entspricht.
Der Schleichverkehr durch den Ortskern lässt sich wohl nur verringern, wenn er durch Strassenmöblierung und Verengungen noch unattraktiver gemacht wird.

5. Alte Weberei
Das Neubaugebiet der Alten Weberei mit rund 700 Neubürgern ist am südöstlichen Ortsrand entstanden. Das lastet die bestehende Infrastruktur weiter aus. An welcher Stelle muss aus Ihrer Sicht Infrastruktur nachgebessert werden?

Antwort: Hierzu sollten in erster Linie die Neubürgerinnen und Neubürger befragt werden, sobald das Gebiet bezogen ist. Um Läden attraktiv zu machen, sollten kostenfreie Kurzparkplätze geschaffen werden.

6. Gemeinnützige Sportvereine haben aufgrund eines Beschlusses des Tübinger Gemeinderates das Recht auf eine jährliche kostenlose Nutzung der Turnhalle,.
Dieses gilt aber nicht für sonstige gemeinnützige kulturelle Vereine, wie z.B.
Musik- oder Gesangvereine. Diese Ungleichbehandlung ist nicht nachvollziehbar
und akzeptabel – sind Sie bereit, eine Initiative, die diese Ungleichbehandlung
beseitigt, zu unterstützen?

Antwort: Nach unserer Kenntnis kommen die Sportvereine deshalb einmal im Jahr in den Genuss einer kostenfreien Nutzung, weil sie das ganze Jahr über die von Ihnen kritisierten hohen Hallengebühren zahlen müssen (siehe Punkt 1.2). Zahlen Musikverein und Gesangsverein ebenfalls sehr hohe Gebühren für den Probenraum? Wenn ja, plädieren wir selbstverständlich für Gleichbehandlung.

Zusätzlicher Punkt:

Bei entsprechender Unterstützung durch die Lustnauer Bürgerschaft setzen wir uns dafür ein, die Dorfackerschule als zentral gelegenes Gebäude in Lustnau abends zu öffnen (einzelne Räume), zum Beispiel
– als VHS-Zweigstelle für kulturelle, kreative und Weiterbildungs-Angebote
– für den Gesangverein (müsste mit Anwohnern abgestimmt werden)
– für Arbeitskreise, für die es bisher in Lustnau keinen Treffpunkt gibt.

Tübingen, den 12. April 2014

Reinhard von Brunn
1. Vorsitzender TÜBINGER LISTE e.V.

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