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Wir brauchen eine Kultur des Lebens

Am 23. Januar las der Vorsitzende der Tübinger Liste, Reinhard von Brunn, ein Kapitel aus der Blog-Sammlung von Raif Badawi. “Wir brauchen eine Kultur des Lebens” heißt ein Beitrag aus dem kleinen Band “1000 Peitschenhiebe. Weil ich sage, was ich denke”, den Constantin Schreiber letztes Jahr herausgegeben hat. Und der Unterschied zwischen Saudi-Arabien und Deutschland hätte am Samstagmorgen nicht deutlicher werden können: Während Badawis Text gegen Pfaffen und Gottesstaaten vor den Pforten der  Tübinger Stiftskirche öffentlich und mit fester Stimme verlesen werden kann, riskiert der Autor in Jeddah damit sein Leben!

Seit mehr als einem Jahr hält die Initiative um Max Steinacher und Christopher Gohl Mahnwachen ab für den in Saudi-Arabien inhaftierten Freidenker Raif Badawi. Mit zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben bestrafte Saudi-Arabien den kritischen Blogger im Juni 2014. Als Begründung hieß es, der Internet-Aktivist sei „vom Glauben abgefallen“, außerdem zeige er „Ungehorsam gegenüber dem Herrscher“. Im Juni 2015 wurde das Urteil bestätigt. Bemühungen um seine Begnadigung blieben bislang erfolglos.

Wenn beklagt wird, dass bequeme Bürger der gesellschaftlichen Mitte die Verteidigung westlicher Werte gern den radikalen Randgruppen überlassen, so setzen die Mahnwächter hier ein Zeichen dagegen. Denn Wegschauen und Schweigen hilft nur den Gewaltbereiten.
Jeden Samstag von 11 bis Glockenschlag 12 Uhr stehen die Tübinger auf der Treppe der Stiftskirche.

Saudi-Arabien richtete bereits in diesem Jahr 47 Menschen wegen Terrordelikten hin. Auch der prominente schiitische Geistliche al-Nimr wurde exekutiert. Unterdrückung von Andersdenkenden ist System in Saudi Arabien. Die Schwester von  Raif Badawi, Samar Badawi, ist nach Angaben von Aktivisten wieder frei. Das berichteten die Organisation Zentrum für Menschenrechte und der Twitter-Account des inhaftierten Ex-Mannes von Samar Badawi, von dem sie sich angeblich scheiden lassen musste. Vertraute des Menschenrechtlers Walid Abu al-Chair führen sein Konto.

 Die Ehefrau von Raif Badawi, Ensaf Haidar, vermutete, ihre Schwägerin sei verhaftet worden, weil sie angeblich das Twitter-Konto ihres Ex-Mannes Abulchair betrieben haben soll. Er verbüßt eine 15-jährige Haftstrafe im Gefängnis Dhahran. Dort ist auch Raif Badawi inhaftiert.
Es gilt zu verteidigen: Die Gedanken sind frei!
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