Alternativlos in Tübingen?

Als Tübinger Liste treten in diesen Tagen im Gemeinderat vier Neulinge und ein vorerfahrener Stadtrat die Arbeit für die Bürger/innen an: Claudia Braun, Gebhart Höritzer, Ulf Siebert, Christian Wittlinger und ich. Wir treten nicht für eine Partei an. Wir müssen bei jedem Thema herausfinden, was die Alternativen für Tübingen sind. Wir werden Sie dazu weiterhin ergebnisoffen fragen und Ihnen aktiv zuhören. Wir leiten nicht aus Parteiprogrammen ab, was für die Stadt kategorisch gut ist. Denn das verengt den Blick.

Alternativlos ist wenig im Leben. In Tübingen werden uns kommunale Entscheidungen aber zu oft so verkauft. Am 13. August pries entsprechend die AL/Grünen-Mittwochsspalte mit Blick auf die OB-Wahl Boris Palmer als “alternativlos” an. Wer hat denn das nötig? Man hört bei dem Begriff zugleich verärgert: Denkverbot! Da behauptet jemand besonders schlau, alles geprüft zu haben und untersagt uns das weitere Nachdenken. “Alternativlos”: Das unduldsame “Basta” der Technokraten.

Wir werden hellhörig reagieren, wenn Alternativloses am Horizont des Gemeinderats auftaucht. Ein Beispiel zeigt weshalb: Im letzten Rat wurden ausgiebig Form und Farbe der Fassade des Hotels an der Blauen Brücke und ähnliche Details für das Technische Rathaus in der Brunnenstraße diskutiert. Wurde vorher genauso intensiv gemeinsam darüber nachgedacht, ob ein jedes am Platz des anderen nicht viel besserstehen würde? Wohl nicht. Und was kam heraus? Beim Hotel wurde es die Wahl des geringsten Übels. Irgendwie alternativlos.

Die grassierende Alternativlosigkeit ist eindämmbar, wenn größere Zusammenhänge, wie im Beispiel, hergestellt, wenn generelle Fragen (wie z.B. eine echte Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer, Lärm und Leben in der Stadt, knapper und zu teurer Wohnraum) vor den Detailfragen diskutiert und wenn diese Weichenstellungen nicht reflexartig an externe Gutachter wegdelegiert werden. Andersherum entstehen viele zusammenhangslose Detailentscheidungen, die schnell alternativ- oder belanglos werden. Das mögen Technokraten. Wir nicht.

Wir freuen uns auf die fünf Jahre im Gemeinderat und dort auf eine sehr gute Diskussionskultur sowie auch auf eine/n Oberbürgermeister/in, der/die eine offene und breite Suche nach Ideen und Lösungen der Belehrung vorzieht. Helfen Sie uns bitte mit Ideen und Kritik. Auf fünf gute Jahre für Tübingen.

Mittwochs kommen hier Ratsfraktionen, Stadtverwaltung und Jugend-Gemeinderat im wöchentlichen Wechsel zu Wort.

Ernst Gumrich, Stadtrat der Tübinger Liste

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