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Bereits im Januar 2008 hat der Jugendgemeinderat um einen Freizeit- und Aufenthaltsort in der Innenstadt für Jugendliche gebeten.
Nach langer Suche ist die Verwaltung fündig geworden. Das Gebäude des ehemaligen „Jacques Weindepot“ direkt an den Bahngleisen nahe Hauptbahnhof.
Ein nahezu perfekter Ort, weil fußläufig und mit bester Anbindung zu ÖPNV sowie den nahen Schulen.

Es könnte eine Begegnungsstätte werden, um sich in einem angemessenen Rahmen zu treffen.
Denn zugige Straßenunterführungen, Tankstellen, dunkle Parks usw. sind keine Orte für unsere Jugendlichen.

Es ist die mehrheitliche Meinung der Tübinger Bürgerschaft und des Gemeinderats, dass für junge Mitbürger geschützte Aufenthaltsorte geschaffen werden müssen. Denn bereits früh entscheidet es sich, ob jungen Menschen Vertrauen in die Gesellschaft und in die eigenen Fähigkeiten für Ihren weiteren Lebensweg mitgegeben werden kann.

Ein paar Hindernisse sind zu überwinden. Das Gebäude braucht bauliche Grundstandards.
Es muss an die Kanalisation angeschlossen werden, die sanitären Einrichtungen sind mangelhaft und der Boden sowie die Wände müssen isoliert/abgedichtet werden, so dass auch im Winter eine gute Aufenthaltsqualität gewährleistet ist. Nicht zu vergessen – aus Gründen der Sicherheit – muss vom Bahnhof bis zu dem Gebäude für gute und weiträumige Beleuchtung gesorgt werden. Auch die vorhandenen Schuppen sind wunderbar zu gebrauchen.

Im Inneren des Gebäudes ist vieles möglich: Von nur sitzen, chillen mit Musikhören über rumwerkeln, Party feiern, sportlichen Betätigungen wie Tischtennisspielen im Außenbereich bis zu niederschwelligen Unterstützungs- und professionellen Beratungsangeboten in Lebensfragen. Die Möblierung muss einfach und in großen Teilen beweglich bleiben.

Wichtig ist, dass nicht gleich der Kommerz Einzug hält, kein Konsumzwang vorhanden ist und günstige Verköstigungen angeboten werden..

Es wird spannend sein, wie man weitsichtig und konsequent mit den Themen Alkohol,  Drogen und sexuellen Verführungsmöglichkeiten, denen Jugendliche ausgesetzt sind, umgehen wird. Hier müssen klare Konzepte her und eine pädagogisch geschulte Begleitung vorhanden sein.

Die Trägerschaft ist für unsere Fraktion nur unter städtischer Obhut denkbar. Auch die Nähe zur Universität sollte man in diesem Zusammenhang nicht ausschließen. z.B. teilweise Betreuung durch Studenten, die diese Zeit als Praxiserfahrung in ihrem Studium anrechnen könnten.

Eine gute Verbindung und Arbeitsteilung mit dem Epple-Haus wäre sicher von großem Vorteil und könnte auch dem Epple-Haus  Möglichkeiten der strategischen Ausrichtung und Weiterentwicklung geben. Denn schnell sind drei Jahre vergangen und ein Jugendlicher ist ein junger Erwachsener und bewegt sich an weiteren Orten, wo er (hoffentlich) Wertschätzung und Respekt erwarten und selbst einüben kann.

Lasst uns alle gemeinsam das „Jugendcafe“ schnell umsetzen. Der Gemeinderat wird sicher über die Kosten noch einiges zu verhandeln haben. Kostendisziplin ist hier von Nöten. Vieles ist wünschenswert. Weniger ist oft mehr. Schlimm wäre es, aus Kostengründen die Umsetzung zu verschieben. Unsere Zukunft liegt in den Händen der Jugend und sie wird entscheiden, wie mit uns Alten später umgegangen wird.
Hier zeigt sich die Qualität der Gesellschaft. Wir Alten müssen uns hoffentlich nicht warm anziehen…

 

Ulf Siebert, Gemeinderat der Tübinger Liste

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