Claudia Braun im Schwäbischen Tagblatt vom 26. September 2018:

Stadtbahn hat viele Nachteile

Die von Befürworternder Innenstadtstrecke genannten Vorteile – Umsteigefreiheit Pendler, bewährte alte Technik sowie Bundes- und Landesmittel – passen in eine Mittwochsspalte. Für unsere vielen Gegenargumente wird es enger: Veraltete Technik für eine Innenstadt, mit starren Gleisen und Fahrdrähten, Gefährdung der Radfahrer und Fußgänger, Abriss Neckarbrücke, unser Stadtbild, fünf bis sieben Jahre Baustillstand mit seinen Folgen für die Innenstadt, beim Busnetz zum Teil mehr Umstiege, längerer Takt, die hohen Investitionskosten, etc.

Wir beschreiben sie und Ideen für Alternativen seit langem im Internet. Die Bevölkerung äußerte sich in Leserbriefen ähnlich: Den kurzen Abzweig der sinnvollen Regionalstadtbahn zum Klinikum halten wir für falsch. Seine Vorteile (vor allem für das Umland) wiegen die schweren Folgen für Tübingen nicht auf. Ein Bürgerentscheid gibt 2020 das letzte Wort den Bürgerinnen und Bürgern.

Die Diskussion sollte bis dahin aber nicht die anderen wichtigen Themen “überrollen”. Nehmen wir ein aktuelles Beispiel: Im Kultur- und Sozialausschuss wurde letzte Woche ein Zwischenbericht zur Umsetzung der Tübinger Sozialkonzeption 2015 vorgelegt. Das soziale Leben funktioniert gut. Zu alten Herausforderungen wie dem demografischen Wandel kamen neue, wie der Zuzug von Geflüchteten. Stärker wird jetzt für jeden Stadtteil und Teilort der spezifische Bedarf unter sozialräumlichem Bezug geplant. In den letzten drei Jahren wurde vieles auf den Weg gebracht: So der Ausbau der Stadtteiltreffs als Kristallisationspunkte lebendiger Nachbarschaft, das Programm “Soziale Stadt WHO”, das Projekt “Seniorenleben und Pflege” für Senioren in allen Quartieren und Teilorten. Weitere offene Familientreffs sind im Aufbau, eine Vermittlungsstelle für Sozialwohnungen ist geplant, und geförderte Arbeitsplätze sollen für Menschen entstehen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben.

Ein Erfolgsgeheimnis der Sozialkonzeption liegt in der engen Einbindung der Bürgerschaft und der sozialen Einrichtungen in Planungs- und Umsetzungsprozesse. Aus diesen Netzwerken entstanden neue Angebote. In Tübingen bohren in der Tat Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger und die sozialen Einrichtungen gemeinsam und mit zusätzlichen Mitteln “dicke Bretter”. Da hängen die zwei Themen zusammen. In schlechteren Zeiten sollten die Finanzen vorbereitet sein und nicht beim Sozialen zuerst knapp werden

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