Rundgang der Tübinger Liste in Bühl am 5. Mai 2017, von 17:00 bis 19:30h

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Der Teilort Bühl weiß, wo die Prioriäten seiner Bürger liegen. Und die mobilisieren sich. Für den Lärmschutz!

Von den derzeit 2150 Einwohnern kamen mindestens 40 teils betroffene Bürger, teils weiter entfernt Wohnende „aus Solidarität“ zur Ortsbegehung, um die Dringlichkeit ihrer Forderung zu zeigen. Denn an der begonnenen Bundesstraße 28 neu neben den Bahngleisen fehlt in der Planung ein Stück Lärmschutzwand, das die Nerven der Bewohner im Bereich des Ziegelhüttenweges schonen soll.

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Folgerichtig war dies auch die erste Station der Begehung. Ingenieur Hans-Ulrich Braun hatte die aktuelle Planung der B28 an seine Garagenwand gepinnt. Sein Haus liegt 40 m von der geplanten Straße entfernt. Die Bahn stört ihn nicht, denn nach der Durchfahrt jedes Zuges kehrt wieder ländliche Ruhe ein. Eine Straße jedoch rauscht ununterbrochen. Nachgewiesenermaßen, so sagt er, muss der Lärmschutz möglichst nah an der Lärmquelle angebracht werden, um effektiv zu wirken und nicht enorm hoch gebaut zu werden. Das heißt, die Bürger wollen die Lärmschutzwand zwischen Bahn und Straße gebaut wissen. Denn ein Schutz südlich der Bahn müsste eineinhalbfach so hoch werden, um zu wirken.

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Mit einer Stange zeigte Ortschaftsrat und Oberlöschmeister Sascha Fleck die Höhe der Wand hinter der Bahn an, deren Planung ansteht. In einer sehr kontroversen Sitzung des Gemeinderats wurde, gegen die Stimme des OB Palmer beschlossen, das Anliegen per Gutachten zu prüfen. Denn es gilt, den richtigen Zeitpunkt für den Bau der Wand nicht zu verpassen. Nach dem Ausbau der Bundesstraße wird er eher unrealistisch. Es gibt für einen Lärmschutz, der über die Bundesrichtlinien hinaus geht, nur einen Präzedenzfall in Tübingen: im Französischen Viertel. Aber es gibt noch viele vom Lärm geplagte Bürger, die sich Ähnliches an ihrem Wohngebiet wünschen. Daher fürchtet die Stadtverwaltung einen Dammbruch mit finanziellen Folgen.

Der Fraktionsvorsitzende der Tübinger Liste, Ernst Gumrich, warnte vor einer überhöhten Kostenschätzung für das 200 m und wahrscheinlich 2,7 m hohen Wandstück, denn “Mondpreise” könnten schnell zum AUS führen. Für die Finanzierung wird eine Dreier-Gemeinschaft gedacht: Stadt, Bürger und Ortschaftsrat. „Eine solidarische Mobilisierung klappt gut in Bühl“, lobte Neth und zitierte das kontinuierlich hohe Spendenaufkommen für die Orgel in St. Pankratius.

So sehr die B28 als Umgehung herbei gesehnt wird, muss Bühl „schon sehr viele Kröten schlucken“, meinte Annelie Bauder. Ein gewohnter Durchgang unter der Bahn hindurch fällt weg. Warum Menschen weniger Schutz genießen sollen als Amphibien und Vögel, die zum Naturschutzgebiet Oberes Steinach hin durch einen hohen Erdwall geschützt werden, leuchtet vielen Bühlern nicht ein.

Für einen asphaltierten Rad-Schnellweg Rottenburg-Tübingen, der an der Trasse entlang  führt, können sich viele Radler aus Bühl erwärmen, doch auch im Ort kann, nach Bau der B28 neu,  auf der etwas zurück gebauten Eugen-Bolz-Straße mehr Raum für Radfahrer geschaffen werden.

Positive Entwicklungen gab es zu beobachten beim Hochwasserschutz, für den demnächst ein Bauantrag in den Planungsausschuss kommt. Die notwendigen Gutachten und Untersuchungen für den Damm im Bühlertal sind abgeschlossen.

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Auch geht es gut voran mit dem Neubaugebiet Obere Kreuzäcker. Die Verhandlungen mit den Eigentümern der langen insgesamt 1,1 ha großen Flurstücke sind praktisch in trockenen Tüchern. „Die Akzeptanz war hoch“, betonte Neth. Die Stadt Tübingen kann nun kaufen (Zwischenerwerb) und neu zuschneiden. In Bühl kann jedermann einen Grobentwurf im Rathaus einsehen. Geschosswohnungsbau ist im Zentrum des Neubaugebiets geplant. Eine Liste von Interessenten gibt es bereits. Etwa 120 bis 150 Personen kann das Gebiet aufnehmen. Allerdings sind Bauplätze im Rottenburger Einzugsgebiet preiswerter.

Sorgen macht die Verkleinerung des Siemens-Werks im benachbarten Kilchberg. Die Montage von Motoren soll komplett nach Tschechien verlagert, ein Teilbereich an Zulieferer gegeben werden.Das Getriebemotorengeschäft schreibe seit längerem deutliche Verluste, begründete Siemens die Entscheidung.  Die Zahl der Mitarbeiter soll deshalb bis Frühjahr 2020 von derzeit 580 über einen dreijährigen Sozialplan auf 250 reduziert werden. Immerhin sucht Tübingen händeringend nach Gewerbegebieten. Auf den frei werdenden Flächen könnte etwas Neues entstehen.

Am langen Tisch der „Germania“ subsummierte Ortsvorsteher Neth zufrieden, dass die Sportplätze gut ausgestattet sind und von den KST gut gepflegt werden. Im Sozialen lobte er das hohe ehrenamtliche Engagement. Die Finanzierung für kleinere Projekte wie das Urnenfeld auf dem Friedhof und die Sanierung der Kapelle sieht er als gesichert. Für Senioren kann er sich einen gemeinsamen Pflegedienst mit Kiebingen gut vorstellen.

Anwesend: Gerhard Neth, Ortsvorsteher Bühl seit 2009
Mehrere Ortschaftsräte
37 interessierte Bürger
Von der Tübinger Liste: Peter Bosch, Reinhard von Brunn, Ernst Gumrich, Klaus Dieter Hanagarth, Ute Mihr und Christian Wittlinger
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