Das Schwäbische Tagblatt berichtet am 30. Oktober 2014

Er hat in der Wirtschaft Karriere gemacht, hatte Verantwortung für Tausende von Mitarbeitern, ist in der ganzen Welt herumgekommen, hat Firmen saniert (“kaum Personal entlassen”), ausgegliedert, zusammengeführt, aufgebaut… Doch irgendwann wurde Ernst Gumrich der Renditedruck zu groß, alles habe sich nur noch um aktuelle Quartalszahlen gedreht, nicht um langfristige Unternehmenskonzepte, sagt er dem TAGBLATT. So ist er im Jahr 2006 nach Tübingen zurückgekehrt, in die Stadt, in der er aufgewachsen ist und Jura studiert hat. Hier hat er das Nonnenhaus saniert und anderen bei ähnlichen Projekten geholfen.

Seine Erfahrungen weisen für ihn auf ein Grundproblem in Tübingen hin: Es sei nicht klar, ob das Denkmalamt oder die Bauverwaltung das Sagen hätten. Der Erhalt alter Häuser sei wichtig, gerade deshalb müsse die strenge Altstadtsatzung etwas gelockert werden. Womit Gumrich schon bei seinem Hauptthema ist: der Wohnsituation in Tübingen. Hier müsse mehr als bisher geschehen. Zum Beispiel steht der Fraktionsvorsitzende der Tübinger Liste hinter dem Plan von Oberbürgermeister Boris Palmer, neue Baugebiete in den Teilorten auszuweisen. Doch will er das nicht auf eines pro Jahr beschränken. Beschleunigen will der Ex-Manager auch Abläufe in der Verwaltung. Da würden oft schon kleine Anregungen und praktische Tipps genügen.

Ein weiterer Schwerpunkt Gumrichs im Gemeinderat ist “das belebte Tübingen”, wie er sagt. Dazu gehöre die Stärkung des Handels, die Offenheit für Touristen und andere Gäste sowie eine Ausweitung von Freizeitangeboten. Auch müsse sich die Universitätsstadt stärker als internationale Stadt verstehen. Bisher gebe es eher ein Neben- als Miteinander von Einheimischen und beispielsweise den vielen ausländischen Studierenden.

Die Arbeit der Tübinger Liste beschreibt Gumrich als sachorientiert. Er verspricht: “Wir werden die kürzesten Reden halten.” Seine Rolle als Fraktionsvorsitzender sieht er eher als organisierender “Hausmeister” und “Orchestrierer”, weniger als “Fußballtrainer”. Die Fraktionsmitglieder seien eigenständig, aber es gebe “keine Zerreißprobe”. Jeder könne für sich abstimmen, aber nur nach Absprache. sg

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Quelle

Verlag : Schwäbisches Tagblatt GmbH
Publikation : Schwäbisches Tagblatt – Tübingen
Ausgabe : Nr.251
Datum : Donnerstag, den 30. Oktober 2014
Seite : Nr.25

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