MITTWOCH SPALTE des Schwäbischen Tagblatts, 10. Februar 2016

Auf Tübinger Themen achten

Party, Prominenz und Phrasen. Die Landtagswahl lässt grüßen. Als unabhängige Tübinger Liste sind wir ganz froh, dass wir da nicht mitbieten müssen. Denn mit Tübingen hat das Schaulaufen um die Wählergunst herzlich wenig zu tun. Dabei brennen uns viele wichtige Themen auf den Nägeln, die auch die Landespolitik beschäftigen müssten. Lasst die (Rongen-) Steine im Wald – hier sind sich alle Gemeinderatsfraktionen einig. Warum gibt uns da kein Stuttgarter Spitzenkandidat Rückendeckung gegen bürokratische Windmühlenflügel? Zu steinig?

Flüchtlingsunterbringung: Hier gebührt unserer Verwaltungsspitze große Anerkennung für ihr umsichtiges, kreatives und transparentes Vorgehen. Aber ohne verbindliche Finanzierungszusagen des Landes für den sozialen Wohnungsbau wird manch gute Absicht ins Leere laufen. Und für viele Details werden wir noch einen langen Atem brauchen.

Kaum wird das Modul 1 der Regionalbahn mit vier neuen Haltepunkten spruchreif, schon gibt es den ersten Rückzieher. Die bislang von der Bauverwaltung mehrfach versprochene Fußgänger- und Radunterführung vom neuen Wohngebiet Eisenbahnstraße zur Brückenstraße sei zu teuer. Oberirdische Zickzack-Rampen sollen es richten. Wir sind gespannt, was die nächsten Planungsschritte sonst noch alles ans Tageslicht fördern. Für dieses Modul 1 sind wir. Unsere dezidierte Skepsis aber zur Innenstadtstrecke der Stadtbahn ist durch solche Überraschungen keinesfalls geringer geworden.

Stehen die Landesparteien zu einer nachhaltigen Entwicklung, und färbt das auf Entscheidungen in den Kommunen ab? Soll der wertvolle Au-Brunnen wirklich mit noch ein paar Autohäusern zugekleistert werden? Da sagt die Tübinger Liste nur: Au weia, Herr Palmer, wir lassen uns nicht für ein paar Gewerbesteuer-Cent das Wasser abgraben!

Bei vielen Entscheidungen, die der Gemeinderat heute zu treffen hat, schwingt die Frage mit, wie Tübingen in 10, 20 oder 30 Jahren aussehen soll, wie und wohin die Stadt sich noch entwickeln kann. Die Spannungen nehmen zu, die Interessen- und Zielkonflikte werden schärfer. Hie Wachstum bei Uni, Gewerbe und Wohnungsbau, dort Natur-, Landschafts- und Gewässerschutz, Landwirtschaft, Lebensqualität. Am 22. März um 20.00 Uhr im Lamm greifen die Tübinger Themen diese Problematik auf: “Ende Gelände – kann Tübingen noch wachsen?”

Ulf Siebert

UlfApfel

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