Nur für Räder: Steinlachbrücke

Radbrücke mit Entwirrung: Die Radwegbrücke von der Bismarck- in die Wöhrdstraße wird gebaut – auch wenn noch nicht klar ist, wie der Verkehr in der Wöhrdstraße geregelt werden soll. Seit zwei Jahren (siehe unser Artikel!) ist bekannt, dass drei Radbrücken geplant sind. Darunter die über die Steinlach. Warum weiß die Verwaltung nun immer noch nicht, wie es im Westen der Steinlach weiter gehen soll?! Die Radbrücke ist nach Sanierung der Autobrücke nur noch für Radler, nicht mehr für Fußgänger offen. Sie endet am Eingang zum Restaurant Bootshaus – und dann???

Die Wöhrdstraße hat sich zur beliebten Fahrradstraße entwickelt. Das ist kürzer, und es gibt keine Ampel. Dabei ist die Wöhrdstraße im Vergleich zur Friedrichstraße eigentlich unkomfortabler, denn zum Beispiel an der Ein- und Ausfahrt des Neckarparkhauses ist höchste Vorsicht geboten. Die Ampel an der Friedrichstraße wäre für rechts abbiegende Radfahrer bevorzugt zu schalten. Heute ist das gefährlich.

Nun wird eine Radbrücke von der Bismarck- in die Wöhrdstraße gebaut. Im Herbst 2020 soll sie fertig sein. Der Anlass ist aber nicht, den Radfahrern eine noch bessere Zufahrt zur Wöhrdstraße zu bauen. Nötig ist die Brücke, weil die Steinlachbrücke abgerissen und ersetzt werden muss. Damit Fußgänger und Radfahrer weiterhin von Süden aus in die Stadt können, braucht es mindestens eine Behelfsbrücke während der Bauzeit. Warum also nicht gleich eine ordentliche Radbrücke bauen? Nach dem Besuch einer Gemeinderats- und Verwaltungsdelegation in Kopenhagen im Sommer 2016 gilt schließlich als Devise die Trennung von Rad- und Fußgängerverkehr, wo immer das möglich ist.

Schwäbisches Tagblatt am 26. Februar 2019: „Während der Bauzeit der Steinlachbrücke dürfen auch Fußgänger die Radbrücke nutzen, danach aber nur noch Radfahrer. Ein Umstand, den Ernst Gumrich (Tübinger Liste) von Anfang an kritisierte und das auch gestern Abend im Gemeinderat tat, als der Baubeschluss für beide Brücken auf der Tagesordnung stand. „Ich halte das für einen Fehler“, sagte Gumrich. Denn er glaube nicht, dass Fußgänger sich an ein solches Verbot halten würden.

Ein größeres Problem hatten die Stadträte allerdings mit einem anderen Umstand. Bisher ist nämlich noch nicht klar, wie das Verkehrswirrnis in der Wöhrdstraße funktionieren soll, wenn die Radfahrer von ihrer Brücke in die Wöhrdstraße sausen. Das werden sie nämlich vermutlich tun, denn die Brücke ist abschüssig.
Bliebe alles wie bisher, würden die Radler kurz vorm „Bootshaus“ ankommen und sich dann zwischen Autos und Fußgängern durchschlängeln. So wie jetzt eben auch. Das aber soll dann nicht mehr so sein, im Gegenteil, alles soll besser geordnet werden.“ Aber WIE???

Sabine Lohr schreibt im Tagblatt: „Nur das Wie ist eben noch offen. Die Verwaltung hat vier Vorschläge ausgearbeitet, allerdings noch nicht Pro und Kontra abgewogen. Und auch noch nicht mit den Radverbänden gesprochen, noch nicht abschließend mit den Betreibern der Autowerkstatt und des Restaurants gesprochen. Zu viele Fragen sind noch offen. Weshalb dem Gemeinderat die vier Vorschläge nicht vorlagen. Aber die Zeit drängt: Der Bund fördert die Radbrücke mit 600.000 Euro. Dafür muss sie aber bis nächstes Jahr gebaut sein.

„Eine Sauerei“ sei es, vom Gemeinderat den Baubeschluss zu wollen, ohne die Varianten vorzulegen, fand Gerlinde Strasdeit (Die Linke), und auch Dietmar Schöning (FDP) meinte, er könne die Entscheidung über den Bau der Brücke nicht fassen, ohne sich vorher mit der Verkehrssituation auseinandergesetzt zu haben.

Palmer versprach, dass auf keinen Falle eine „freistehende Steuerzahlerbrücke“ gebaut werde, die im Nichts lande, und dass alle vier Vorschläge der Verwaltung besser seien als der Ist-Zustand.
Dem vertrauen die meisten Fraktionen. „Da wird es Lösungen geben“, ist sich etwa Christoph Lederle (AL/Grüne) sicher. Auch die CDU-Fraktion gab „grünes Licht, obwohl wir schwarz sind“, wie Rudi Hurlebaus sagte. Und Martin Sökler (SPD) stellte die rhetorische Frage, ob man vertraue oder lieber 600000 Euro riskieren wolle.
Die große Mehrheit stimmte schließlich dem Bau zu. Aus der Tübinger Liste gab es drei Enthaltungen, Schöning stimmte mit Nein.

Händler wünschen sich Autos auf der Radbrücke
Der Handel- und Gewerbeverein (HGV) befürchtet, die Geschäfte im Zinser-Dreieck könnten leiden, wenn während der Bauzeit der Steinlachbrücke das Neckarparkhaus nur noch über Umwege angefahren werden kann. Er schlug vor, die Radbrücke breiter zu bauen, damit Autos von der Bismarckstraße aus zum Parkhaus fahren könnten. Das lehnt die Verwaltung ab. Eine solche Brücke müsste acht Meter breit sein und wäre entsprechend teuer, so OB Boris Palmer im Gemeinderat. Zudem sei die Zufahrt über den Europaplatz jederzeit möglich auch für die Autofahrer, die von Süden oder von Reutlingen her kommen. „Dieser Umweg ist zumutbar.“ Martin Sökler (SPD) ergänzte, dass es den Zuschuss nur für eine Radbrücke gebe.“

Ähnliche Beiträge

Kommentarfunktion geschlossen.