Das Peter-Prinzip ist eine ironische Managementregel. Sie besagt, dass in einer Organisation die Mitarbeiter so lange befördert werden, bis sie auf einer Position angelangt sind, die sie überfordert und dort bis zum Ende des Berufslebens verharren. Als Konsequenz ergibt sich daraus, dass die Mehrzahl aller Mitarbeiter unfähig sind, ihre Funktion korrekt auszuüben.

Der kanadische Pädagoge Laurence J. Peter beschrieb dieses Phänomen 1969 im Buch The Peter Principle (Peter, Laurence J., Hull, Raymond: The Peter Principle, 1969, New York, Verlag William Morrow).

Man kann dieses Prinzip durchaus auf die Schulbildung anwenden. Eine Gesellschaft, die nur noch bis zum Anschlag geförderte kopflastige Abiturienten haben will und Facharbeiter sowie Handwerker-Ausbildungen dadurch gering schätzt, produziert nicht nur Unzufriedene, sondern auch tragische Versager und wirtschaftlichen Mangel. Wie viele Schüler wären glücklicher, wenn man ihre praktischen und sozialen Fähigkeiten nutzbar machen würde!

Thomas Unger, Mitglied der Tübinger Liste, engagierter Pädagoge und Sport-Trainer, liegen deshalb die beruflichen Schulen besonders am Herzen. Die White-Collar-Sehnsucht vieler Eltern kann er nicht teilen.

Stadtrat Gebhart Höritzer, jahrelang Kreishandwerksmeister, kennt die Personal-Engpässe aus seiner beruflichen Praxis.

Am 15. September, hat Thomas Unger sich im Schwäbischen Tagblatt mit diesem Leserbrief gemeldet:

“Politische Träume

Über die neue gymnasiale Oberstufe der Tübinger Gemeinschaftsschule (GMS) West wurde vorab viel diskutiert. Jetzt hat das Schuljahr begonnen (“Eine besondere Schulform”, 11. September).

Sinnbildlich steht der letzte Abschnitt des Berichts, dass die Schüler der Klassen 6 bis 10 aufräumen müssen und die neue Oberstufe in ihre Klassenzimmer geht.

35 von 79 Schülern sind übrig geblieben von den Bewerbungen zum 1. März des Jahres. Dass 29 Schüler plötzlich die lang bekannte Hürde von 2,3 (festgelegt von der grünen Regierung und ihren Bildungsberatern) nicht geschafft haben, wird nicht thematisiert. Waren diese Schüler nur Mittel zum Zweck, um dem Schulgesetz zu genügen, dass eine Anzahl von 60 Schülern für die Einführung fordert? Oder haben sich die Schüler im zweiten Halbjahr so dramatisch verschlechtert und ihre GMS-Lehrer konnten es bei allem Goodwill nicht vertreten, diese Schüler den Anforderungen der Oberstufe auszusetzen? Gott sei Dank sind alle 44 übrigen Schüler in unserem schon lange hervorragend funktionierenden beruflichen Schulsystem untergekommen oder haben eine duale Ausbildung angetreten.

Klagen und Schuldzuweisungen hört man nur aus Politik und Verwaltung über ihr selbst verursachtes Informations- und Organisation-Chaos, “Zwangsabordnungen”, Lehrer mit und ohne GMS-Erfahrung …

Es wäre sinnvoller, wenn sich die GMS darauf konzentrieren würde, Schüler, die nicht gleich aufs Gymnasium gehen, so qualifiziert zum mittleren Bildungsabschluss zu führen, dass sie die bestehenden vielfältigen Möglichkeiten des beruflichen Schulsystems und der dualen Ausbildung nutzen können. Da braucht’s keinen Sonderweg für 35, nur um politische Träume zu erfüllen.”

 

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Es ist 5 vor 12!
Ein Plädoyer zur Förderung nichtakademischer Berufe seitens des früheren Kreishandwerksmeisters.
Gebhart Höritzer, Tübingen

“Es ist 5 vor 12!

Die ersten Gastronomiebetriebe hören auf oder reduzieren die Öffnungszeiten. Die Wartezeit für Handwerksleistungen nimmt zu, der Pflegenotstand ist in aller Munde. Diese existenziellen Probleme beeinflussen unser gesellschaftliches Leben und die Daseinsvorsorge.

Unseren Kindern soll es einmal besser gehen als uns, und dafür müssen sie studieren. Obwohl ein nicht gerade geringer Teil der jungen Menschen in anderen beruflichen Werdegängen Erfüllung finden könnte. Warum muss man eine weitere Oberstufe ins Bildungssystem integrieren? Warum gibt es keine Wertschätzung mehr von handwerklichen, gewerblichen, pflegerischen und sonstigen nicht akademischen Berufen? Diese Entwicklung führt zu Wartezeiten, höheren Kosten, Qualitätsverlust und zu einer Einschränkung in der Daseinsvorsorge. Zeigen wir, schon frühzeitig in den Schulen, den jungen Menschen und den Eltern die Vielfalt unserer beruflichen Möglichkeiten und machen wir ihnen klar, dass jeder Beruf in seiner Notwendigkeit gleichwertig und wichtig ist. Lösen wir diese Probleme mit Nachdruck, damit wir nicht selbst in Zukunft die Leidtragenden werden, was der Eine oder Andere schon erfahren musste.”

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.
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