ÖPNV: Warum geht es in Hessen?

In Tübingen steigen die Preise für den öffentlichen Nahverkehr trotz aller Lippenbekenntnisse, und in Hessen fallen die Bus- und Bahnpreise für Schüler und Rentner auf 1 Euro pro Tag.
Das Verkehrsministerium in Stuttgart räumt einem landesweiten 365-Euro-Ticket für Schüler für Bus und Bahn in dieser Legislaturperiode keine Chancen mehr ein. In vielen anderen Bundesländern gibt es Spartickets. Warum geht das in Baden-Württemberg nicht?

Das TüBus-Ticket steigt um 3,4 Prozent.
Ausnahme:
Bürgerinnen und Bürger mit Wohnsitz in Tübingen, die eine KreisBonusCard haben, erhalten die Monatskarte für den TüBus ab sofort zum stark ermäßigten Preis von 15 Euro. Die Differenz zum bisherigen Preis von 20 Euro trägt die Universitätsstadt Tübingen. Der Gemeinderat hat dafür weitere Mittel bereitgestellt, um mehr Mobilität für Menschen mit geringem Einkommen zu erreichen. Die persönliche Monatskarte ermöglicht die ganztägige Nutzung aller Stadtbuslinien, sie ist nicht übertragbar.

Naldo erhöht
Doch um durchschnittlich 3,3 Prozent hebt der Verkehrsverbund Naldo zum 1. Januar 2020 die Preise an. Die „Tarifanpassung“ sei wegen der steigenden Personal- und Betriebskosten sowie der Einführung neuer Vertriebssysteme und der Anschaffung neuer Busse nötig. Zudem weise die Naldo-Bilanz des vergangenen Jahres einen Rückgang der Ticket-Einnahmen auf, die insbesondere durch die starken Rückgänge im Schülerverkehr bedingt seien. Das einzig Positive: Gleichfalls zum 1. Januar wird sich das Naldo-Gebiet im Norden erweitern, künftig gilt das Naldo-Ticket im Stadtbus Herrenberg und in allen Stadtteilen Herrenbergs.

Quelle: RMV

In Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende vergangen Jahres ein 365-Euro-Jahresticket für Jugendliche und Schüler in den Ballungsräumen des Freistaats in Aussicht gestellt. Derzeit werde mit den betroffenen Verkehrsverbünden verhandelt, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Aktuell werde als Start für das Ticket der Schuljahreswechsel 2020/2021 angestrebt.

In Berlin können alle Schüler seit 1. August kostenlos Bus und Bahn fahren. Der Preis für das Azubi-Ticket wurde auf 365 Euro im Jahr reduziert. Senioren können im Abo ein Jahresticket für 593 Euro erwerben. Zum Vergleich: Das preiswerteste reguläre Jahresticket kostet 728 Euro.

In Brandenburg gibt es ein 365 Euro teures Jahresticket für Azubis. In der „Märkischen Allgemeinen“ forderte die Brandenburger Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zuletzt ein kostenloses Schülerticket nach Berliner Vorbild.

In Mecklenburg-Vorpommern können allein in Rostock, der größten Stadt im Land, Schüler vom 12. August an erstmals kostenlos den Nahverkehr nutzen. Ein landesübergreifendes Schülerticket gibt es nicht.

Im Saarland gibt es Schülertickets, die im jeweils eingetragenen Landkreis oder Regionalverband gelten. Wie eine Sprecherin des Verkehrsministeriums sagte, ist ein Tarifreform in Planung. Ein Gutachten schlägt unter anderem ein landesweites Schüler-Ticket für 49 Euro im Monat sowie Preisnachlässe für Geschwisterkinder vor.

In Sachsen zahlen Auszubildende seit 1. August nach längerem Streit zwischen Verkehrsverbünden und Verkehrsministerium weniger Geld für Bus und Bahn. Das Azubi-Ticket kostet 48 Euro pro Monat für einen Verkehrsverbund. Wer in ganz Sachsen unterwegs ist, zahlt maximal 68 Euro. Zum Schuljahr 2020/2021 streben der Freistaat und die Zweckverbände ein ganzjährig gültiges Bildungsticket für Schüler an.

In Sachsen-Anhalt teilen sich zwei Verkehrsverbünde die Beförderung. Im Raum Halle/Leipzig und benachbarten Landkreisen können Schüler zumindest nachmittags und in den Ferien ein Freizeitticket nutzen. Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund verlangt dafür 120 Euro im Jahr.

Die rot-rot-grüne Regierung in Thüringen denkt über eine Ausweitung des aktuellen Azubis-Tickets auf Freiwilligendienstler im nächsten Jahr nach. Auszubildende zahlen im Freistaat für den fast landesweit gültigen Fahrschein 50 Euro im Jahr.

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Niedersachsen bieten keine landesweiten Schülertickets an. Jugendliche in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen können aber ein vergünstigtes Ferienticket nutzen. In Rheinland-Pfalz hat sich der Steuerzahlerbund gegen ein 365-Euro-Ticket ausgesprochen.
In Hamburg wird ein 365-Euro-Ticket von der politischen Opposition (CDU/Linke) gefordert. Absehbar gibt es dies unter der rot-grünen Stadtregierung nicht. Bei der jüngst beantragten Preiserhöhung für 2020 wurden Schüler, Azubis, Studenten und Senioren ausgenommen. Eine Schüler-Karte kostet monatlich 41,90 Euro.

Ähnliche Beiträge

Kommentarfunktion geschlossen.