24. Oktober 2018

Die Podiumsdiskussion zur Stadtbahn Tübingen (12. Oktober) war nicht besonders erkenntnisreich. Die drei Verkehrsexperten ergingen sich in Visionen, im Futur und im Konditional, professoral eben. Mir fehlte ein Pragmatiker, einer, der seinen Physikunterricht noch nicht ganz vergessen hat und den Stadtbahnverliebten den Zusammenhang zwischen Masse, Energie und der Hangabtriebskraft erklärt, schließlich hat der Schnarrenberg rund 6 Prozent Steigung und die Stadtbahn (Beispiel Typ ET 2012) muss ihre 57,5 Tonnen im 7,5-Minuten-Takt 130 Höhenmeter hochwuchten. Pro Passagier ist es damit das schwerste und unwirtschaftlichste öffentliche Verkehrsmittel. Interessant ist vor allem, wenn außerhalb der Stoßzeiten nur 20 Personen befördert werden, die Stadtbahn benötigt dann 2875 Kilogramm/Person, ein Porsche Cayenne ist deutlich leichter. Zum Vergleich: Der TÜ-Leichtbus bewegt hier 450 Kilogramm, ein E-Bike 25 Kilogramm/Person.

Vielleicht hätten wir auch noch Informationen zum Reibungskoeffizienten eines nassen Stadtbahngleises erhalten oder zur Breite und Tiefe der Gleise, in denen jeder Fahrradreifen versinkt – und vielleicht hätte der Pragmatiker ganz zum Schluss noch denen, die ständig von Nachhaltigkeit reden, dieses Wort endlich mal erklärt. Dass Nachhaltigkeit etwas mit bewahren zu tun hat und nichts mit dem Abbruch der Eberhardsbrücke und mit der Einführung eines “neuen” Verkehrsmittels, dass sich auf diesen 4,1 Kilometern nie wirtschaftlich bewegen wird.

Michael Löffler, Tübingen

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